Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Weniger Jungstörche im Norden
Nachrichten Norddeutschland Weniger Jungstörche im Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:49 17.08.2016
In Eckhorst (Kreis Ostholstein) überlebten trotz der schwierigen Bedingungen drei Jungstörche. Quelle: dpa
Anzeige
Bergenhusen/Stockelsdorf

Die Störche in Schleswig-Holstein haben diesen Sommer deutlich weniger Nachwuchs bekommen als in den Vorjahren. Nur 347 Jungvögel hätten aus eigener Kraft das Nest verlassen, berichtet Jörg Heyna von der Nabu-Arbeitsgruppe Storchenschutz. In den vergangenen beiden Jahren seien es jeweils mehr als 500 Tiere gewesen. Dabei hätten im Frühjahr 266 Paare mit der Brut begonnen – eine ähnlich hohe Zahl wie 2014 und 2015.

„Viele Jungstörche sind gestorben“, sagt Leo Pietsch, der Storchenbetreuer in Ostholstein. Dort haben es nur 13 Tiere über den Sommer geschafft. Ein weiteres wird noch im Vogelpark Niendorf aufgepäppelt, nachdem es völlig entkräftet aus einem Nest in Grube gerettet worden war. 2015 registrierte Pietsch in Ostholstein 21 Junge, ein Jahr zuvor sogar 28.

Das schlechte Brutergebnis hat Experten zufolge verschiedene Gründe: Zum einen sind viele Störche dieses Jahr erst sehr spät aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. Sie hatten dadurch kaum Zeit, um einen Partner zu finden und rechtzeitig mit der Brut zu beginnen. Zudem habe es heftige Kämpfe um die Nester gegeben. Dadurch seien einige Paare, die bereits beim Brüten waren, wieder von ihren Horsten vertrieben worden, berichtet Pietsch. Auch das kalte Wetter und der viele Regen hätten dem Nachwuchs zu schaffen gemacht. Wenn die Tiere klein sind, haben sie noch nicht genügend Abwehrkräfte und kein festes Federkleid, das sie schützt.

Die Hauptursache sei aber ein zu geringes Nahrungsangebot gewesen. Störche fressen vor allem Mäuse, Regenwürmer und Insekten. „Das war alles sehr mau“, sagt Trudel Borck vom Nabu in Mölln. „Vor allem war es kein Mäusejahr.“ Im Kreis Herzogtum Lauenburg starben 21 Jungstörche. 76 überlebten den Sommer, zwölf weniger als 2015. Auch Stormarn verzeichnet einen Rückgang: 39 Jungstörche wurden dort gezählt, 2015 waren es 53 gewesen. Im Kreis Segeberg sank die Zahl von mehr als 60 in den vergangenen Jahren auf unter 50 Jungtiere.

„Es gibt zu wenig beweidetes Grünland“, sagt Pietsch. „Insekten vermehren sich in den Kuhfladen der Rinder. Aber diese werden heute fast ausschließlich im Stall gehalten.“ Stattdessen werde auf den Feldern immer mehr Mais angebaut. „Das ist aber kein Lebensraum für Störche“, sagt er. Auch in der Landwirtschaft eingesetzte Insektizide könnten Schuld daran sein, dass die Störche nicht mehr genügend Insekten finden.

Viele Jungstörche sind in den vergangenen Tagen bereits Richtung Süden zu ihren Winterquartieren aufgebrochen, die Altvögel folgen meist etwas später. „Anfang September sind dann alle weg“, sagt Pietsch. Auch die drei Störche, die auf dem rund zehn Meter hohen Horst der Familie Brügmann in Eckhorst (Kreis Ostholstein) geboren wurden, sind schon losgeflogen. „Wir haben Glück gehabt, dass wir von den fünf geschlüpften Tieren trotz der schwierigen Bedingungen so viele durchbekommen haben“, sagt Ingrid Brügmann.

Storchenexperte Jörg Heyna befürchtet allerdings, dass die Überlebensrate der Jungstörche beim Flug in die Winterquartiere wegen ihrer schlechten Kondition noch geringer sein wird als sonst.

„Normalerweise überleben 70 bis 80 Prozent der Jungstörche das erste Lebensjahr nicht.“

Überwintern in Afrika

150 bis 300 Kilometer legt ein Storch laut Nabu pro Tag bei seinem langen Flug ins Winterquartier nach Afrika zurück. Ab August starten die Tiere Richtung Süden, weil sie dort auch im Winter genügend Nahrung finden. Eltern und Jungvögel ziehen dabei getrennt voneinander los. Fast 75 Prozent der deutschen Weißstörche sind Ostzieher. Das bedeutet, sie fliegen über Osteuropa und den Bosporus bis nach Ost- oder Südafrika. Dabei legen sie oft mehr als 10000 Kilometer zurück. Die restlichen Störche, die Westzieher, überqueren bei Gibraltar das Mittelmeer und verbringen den Winter in Westafrika.

 Janina Dietrich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Autohäuser im Norden suchen Schutz vor kriminellen Banden. Wachunternehmen stocken inzwischen ihr Personal auf.

17.08.2016

Krankenkasse rät: Eltern und abwehrgeschwächte Menschen sollten auf Hygiene achten.

17.08.2016

Grüner Spitzenpolitiker hält schärfere Sicherheitsgesetze für unnötig.

17.08.2016
Anzeige