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Weniger Schwein auf dem Speiseplan in Kitas und Mensen

Lübeck Weniger Schwein auf dem Speiseplan in Kitas und Mensen

Schweinefleisch wird in Kitas, Schulen, Mensen und Kantinen immer seltener serviert. Ursachen sind religiöse Gründe und fleischarme Ernährung. Der Geflügel-Konsum dagegen bleibt stabil.

Schweineschnitzel und Co. sind weniger gefragt: Trotzdem verbraucht jeder Deutsche im Schnitt immer noch 53 Kilogramm Schweinefleisch pro Jahr.

Quelle: Fotolia

Lübeck.  „Besonders in städtischen Gebieten ist dieser Trend zu beobachten“, sagt Birgit Braun von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Schleswig-Holstein, die bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Kiel angeschlossen ist. „Das ist eine sukzessive Entwicklung, die immer da eintritt, wo Kompromisse gemacht werden müssen.“

Zum Beispiel, wenn ein hoher Anteil an muslimischen Kindern die Schulen oder Kitas besucht, werde in der Regel beispielsweise auf Rind oder Geflügel ausgewichen. Denn: Das islamische Speisegesetz verbietet den Verzehr von Schweinefleisch. „Generell aber verringert sich der Fleischverzehr an sich in manchen Gebieten“, so Braun.

Während Schwein, Rind und Co. noch verstärkt in ländlichen Gebieten nachgefragt werden, findet die Reduzierung hauptsächlich in den städtischen Räumen statt — zum Beispiel wegen der Maxime „Klasse statt Masse“: „Viele Schulen bieten inzwischen kleinere Fleischportionen oder seltener Fleischgerichte an, nehmen dafür aber hochwertigeres Fleisch“, sagt Expertin Birgit Braun.

Dass Schweinefleisch nicht immer gewünscht wird, merken auch die Caterer. „Wir bieten das tägliche Standardgericht grundsätzlich ohne Schweinefleisch an“, sagt René Karsten, Geschäftsführer bei „Helden Catering“ in Bad Schwartau, das täglich 3500 Gerichte für Kitas, Schulen und Kantinen kocht. Dies wird schon seit etwa vier Jahren so geregelt. „Daneben gibt es noch ein vegetarisches und ein Salat-Gericht“, sagt Karsten. „Schließlich sollte bei so vielen Menschen für jeden etwas dabei sein — und so ist die Akzeptanz sehr gut.“

Die ist auch der Grund, warum die „Kinderküche“, das gemeinnützige Küchenprojekt des Jugendhilfe-Trägers „Kinderwege“ aus Lübeck, von Beginn an kein Schweinefleisch auf dem Speiseplan stehen hat. „So können sich keine logistischen Fehler einschleichen“, sagt Hauswirtschaftsleitung Anja Ploen. Laut Irina Wolpers vom Elternbeirat der Baltic Schule in Lübeck, deren Mensa von der „Kinderküche“

betrieben wird, soll es anfangs Diskussionen in der Elternschaft um diese Entscheidung gegeben haben. „Aber bei einem hohen Anteil von muslimischen Kindern in der Schule ist es auch eine Frage des Respekts“, sagt Wolpers.

In der Mensa der Universität Lübeck hingegen ist es eher eine Frage der bewussten Ernährung und der Nachhaltigkeit: Der typischen Hausmannskost würden zunehmend vegetarische oder vegane Gerichte vorgezogen, berichtet Mensaleitung Andreas Mildner. „Einmal im Monat wird auch ein vegetarischer Green Day veranstaltet“, sagt Mildner.

Dass der Konsum an Schweinefleisch in Deutschland zurückgeht, merkt auch der Agrarmarkt. Dort wird seit 2012 jährlich ein Minus von ein bis zwei Prozent verzeichnet, während die Nachfrage nach Rind- und Geflügelfleisch weitgehend stabil bleibt. „Das hat verschiedene Gründe“, sagt Matthias Kohlmüller, Marktanalyst bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (Ami). Nicht nur der aktuelle vegetarische Ernährungstrend, auch der demografische Wandel seien verantwortlich: Im Alter würden viele Menschen nicht mehr so viel Schweinefleisch konsumieren.

Der Konsum sinkt, die Produktion steigt

53 Kilogramm Schweinefleisch verbraucht der Deutsche im Jahr durchschnittlich. Damit macht Schweinefleisch über 87 Prozent des Pro-Kopf-Fleischkonsums im Bundesgebiet aus. Dieser Verbrauch übersteigt den weltweiten Durchschnitt um mehr als das Doppelte.

Aber auch wenn der Schweinefleischkonsum seit 2012 rückläufig ist, wächst die Produktion: Im Vergleich zum Vorjahr ist laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (Ami) die Menge an erzeugtem Schweinefleisch um 0,8 Prozent auf 5,56 Millionen Tonnen gewachsen. Denn rund 40 Prozent werden exportiert — vor allem nach Italien, wo eine große Nachfrage nach Schweinefleisch für die Herstellung von Schinken besteht.

Lena Modrow

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