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Norddeutschland Wenn der Busfahrer zum Kapitän wird
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10:22 10.08.2016
Hans Meißner, der Fahrer des Hamburger Hafencity-Riverbusses, zeigt Touristen in seinem Amphibienfahrzeug die Elbmetropole zu Wasser und zu Land. Quelle: Fotos: Daniel Bockwoldt/dpa
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Hamburg/Lübeck

„Es geht los“, sagt der 65-jährige Hans Meißner und schließt sein Fenster. Der Busfahrer drückt mehrere Schalter und Knöpfe, startet so die Steuerung und die beiden Schiffsmotoren. Der Riverbus schiebt sich immer weiter in die Elbe. Meißner wird nun vom Busfahrer zum Kapitän. Das Wasser spritzt hoch, die riesigen Scheibenwischer gehen an. Staunend halten die Passagiere diesen Moment mit ihren Handys und Fotoapparaten fest.

Hans Meißner steuert neue Hamburger Attraktion zu Wasser und zu Land – Bald Premiere für Lübecker Aquabus.

Bei Sonnenschein geht es mit dem schwimmenden Bus elbaufwärts. Ein Sportboot fährt vorbei, die Passagiere an Bord grüßen winkend „das Schiff, das auch an Land fahren kann“ – so nennt Tourbegleiter Florian Gude den Riverbus. Er sorgt am Mikrofon mit Infos und Späßen für Unterhaltung an Bord. Kapitän Meißner hat das alles schon sehr oft gehört, kann aber gut abschalten. „Ich konzentriere mich auf etwas anderes“, sagt der grauhaarige, schlanke Mann mit der gebräunten Haut.

Meißner ist einer von drei Fahrern bei der Hafencity Riverbus GmbH, die seit vier Monaten die ungewöhnlichen Touren anbietet. Schwimmbusse gibt es auch in anderen Städten, zum Beispiel in Budapest, Lissabon und Rotterdam. Das Hamburger Modell, das voll beladen 19 Tonnen wiegt, wurde in Budapest gebaut.

Eigentlich ist Meißner Schlepperkapitän, arbeitet in diesem Beruf 14 Tage im Monat. In seinen freien Wochen hilft er als Riverbus-Fahrer aus. Die Idee, Fahrer des Amphibienfahrzeuges zu werden, reizte ihn gleich. „Ich bin ein Mensch, der gerne mal was Neues macht“, sagt Meißner. Den Busführerschein hat er seit 1985, weil zu DDR-Zeiten sein damaliger Arbeitgeber, die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei (BBB) Rostock, auch auf Kuba tätig war. Mehr als drei Jahre fuhr er dort Bus.

Mit etwa fünf Knoten (knapp 9,3 Kilometer pro Stunde) gleitet das Bus-Schiff über die Elbe, maximal schafft es sieben Knoten (etwa 13 Kilometer pro Stunde). Bis Windstärke 6 hat der Riverbus eine Betriebserlaubnis. Immer wieder muss Meißner aufspritzendes Wasser mit den großen Scheibenwischern beseitigen. In seiner Nähe hängt eine Schiffsglocke, die ist im Schwimmbus vorgeschrieben.

In Lübeck soll bald auch so eine Attraktion dieTouristen die Schönheiten der Hansestadt von Land und vom Wasser aus zeigen. „Wir hoffen, dass wir spätestens Mitte September an den Start gehen können“, sagt Helge Gabriel, Inhaber der Reederei Cityschifffahrt. Eigentlich sollte schon im Mai die erste „Splash Tour“ stattfinden, doch durch Termine der Behörden habe es eine Verzögerung gegeben. Der in der Niederlanden gebaute Amphibienbus sei fast fertig, er soll noch in diesem Monat geprüft und abgenommen werden. Die Betonrampe, auf der der Bus ins Wasser rollt, gibt es bereits seit 2013 an der Straße Zur Sägemühle.

Meißners Hamburger Stadtkreuzfahrt dauert gut 70 Minuten. Am Ausgangspunkt nahe der Speicherstadt gibt es großen Applaus der Fahrgäste, einige bedanken sich persönlich. Meißner mag diesen Moment. „Die Leute geben einem viel wieder“, sagt er lächelnd. An der Haltestelle warten schon die nächsten Touristen.

LN

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