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Norddeutschland Wenn der Zoll das Weihnachtspaket einkassiert
Nachrichten Norddeutschland Wenn der Zoll das Weihnachtspaket einkassiert
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21:22 20.12.2017
Zollbeamtin Julia Weber (l.) und die Leiterin der Abfertigung des Hauptzollamts Hamburg-Stadt, Sarah Garbers, überprüfen Päckchen. Quelle: Fotos: Bockwoldt/dpa
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Hamburg

Vor den Feiertagen seien vor allem technische Geräte zweifelhafter Hersteller dabei. „Ganz beliebt sind Smartwatches oder Fitnessarmbänder“, sagt Zollbeamtin Julia Weber (23). „Solche Waren müssen natürlich den EU-Vorschriften entsprechen und müssen zumindest einmal geprüft werden.“

. Etliche Norddeutsche dürften in der Vorweihnachtszeit überrascht sein, dass statt bestellter Weihnachtsgeschenke nur Post vom Zoll im Briefkasten ist. Mindestens 100 Postsendungen hat das Hauptzollamt Hamburg-Stadt bislang allein in der Adventszeit beschlagnahmt.

Ihre Chefin Sarah Garbers packt derweil einen roten Spielzeughubschrauber aus. „Das bekommen Sie wahrscheinlich auch hier im Fachhandel“, sagt die 39-Jährige, die ihre dunkle Kurzhaarfrisur mit sternförmigen Ohrsteckern kombiniert hat. Hätte der Besteller den Hubschrauber dort gekauft, dann hätte er ihn auch gleich mitnehmen können. So jedoch bleibt das außerhalb der EU aufgegebene Päckchen erst einmal beim Zoll. Zunächst müsse abgewartet werden, was die Marktüberwachungsbehörde zu dem kleinen Helikopter sagt.

Doch nicht nur Sicherheitsbedenken, auch der Markenschutz führe immer wieder zu Beschlagnahmungen. Denn wenn die gekauften Produkte nicht den geltenden Vorschriften entsprächen, dürften diese nicht auf den Markt gelangen. „Wenn man sich ein Handy im Ausland bestellt, kann man sich eigentlich nie sicher sein, ob das wirklich durchgeht oder nicht“, betont Weber. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seine Weihnachtsgeschenke also lieber innerhalb der EU kaufen, rät die junge Beamtin, die seit gut zwei Jahren beim Hauptzollamt Hamburg-Stadt in der Abfertigung arbeitet. Denn selbst wenn alles in Ordnung sei, könne es vorkommen, dass der Zoll je nach Auslastung mehrere Wochen zur Bearbeitung brauche.

Normalerweise muss das Hauptzollamt Hamburg-Stadt durchschnittlich 100 Postsendungen pro Tag bearbeiten, wie Garbers sagt. Im Dezember könne dieser Wert jedoch auf 250 Sendungen steigen. Wenn dann beispielsweise auch noch die zuständige Marktüberwachungsbehörde – die unter anderem für die Prüfung technischer Geräte verantwortlich ist – stark ausgelastet sei, könnten entsprechende Wartezeiten entstehen.

Insgesamt habe das Hauptzollamt Hamburg-Stadt 2016 mehr als 29000 Postsendungen an seinem Standort in der Koreastraße überprüft, davon seien allein 746 beschlagnahmt worden, weil deren Inhalt entweder nicht den technischen oder markenrechtlichen Anforderungen entsprochen hätten. Dies sei keine Besonderheit, sagt Garbers. Schon seit einigen Jahren sei etwa wegen des größeren Online-Handels ein Anstieg festzustellen. Für 2017 lägen noch keine endgültigen Zahlen vor, jedoch gehen die Beamtinnen davon aus, dass der Trend anhält.

Die meisten Beanstandungen gebe es aus dem asiatischen Raum, jedoch stoppe der Zoll auch Sendungen aus den USA oder anderen Nicht-EU-Ländern, etwa weil neue Produkte noch nicht auf dem hiesigen Markt zugelassen seien. Wer im Ausland bestellt, sollte sich aber auch aus anderen Gründen vorher informieren, sagen die Zöllnerinnen. Denn Geschenke sind in der Regel nur bis zu einem Wert von 45 Euro abgabenfrei. Bei teureren Waren seien teils erhebliche Abgaben und Steuern zu entrichten. Bei einem Warenwert von mehr als 700 Euro könne der Aufschlag im Extremfall sogar mehr als 40 Prozent betragen.

Besonders bitter sei dies vor einigen Jahren für eine junge Studentin gewesen. Eine reiche Tante wollte ihrer Nichte eine teure Tasche schenken, doch weil die Studentin keine 500 Euro Gebühren bezahlen konnte, musste die Tasche wieder zurückgeschickt werden. Daher empfiehlt der Zoll, sich im Vorhinein beispielsweise per App über mögliche Abgaben zu informieren.

Von Marek Majewsky

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