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Norddeutschland Wenn die Bootstour zur Sandpartie wird
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00:03 25.09.2016
Nimmt den Wasserstand noch gelassen: Klaus Breitenbach (64) auf seinem Trawler „Williwaw“. Quelle: Fotos: Kad/dpa
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Boizenburg

Sanft schaukelt die „Williwaw“ auf den Wellen, das 10,5 Meter lange Motorboot liegt fest vertäut im Sportboothafen des mecklenburgischen Boizenburg. Bug und Heck sind vom Wasser umspült – auf den ersten Blick deutet nichts darauf hin, dass nur wenige Zentimeter unter dem Bug des Trawlers bereits der sandige Boden des Hafenbeckens beginnt.

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Seit Wochen beeinträchtigt das Niedrigwasser der Elbe die Schifffahrt – Auch kleinere Boote sind betroffen.

Doch Klaus Breitenbach, Vorsitzender des Bootsportvereins Boizenburg/Elbe weiß es besser: „Der Wasserstand beträgt gerade 1,50 Meter“, sagt der 64-Jährige, während er die Daten von einem Monitor abliest. Er steht in der Kajüte seines Schiffes, per Echolot wird die Wassertiefe unter dem Bug der „Williwaw“ auf den Computer übertragen. „Normalerweise haben wir hier im Hafen eine Wassertiefe von zwei Metern, momentan haben wir aber den niedrigsten Wasserstand seit Jahren.“

Seit drei Wochen kontrolliert Breitenbach beinahe täglich den Wasserstand der Boize, die an der „Williwaw“ vorbei durch das Hafenbecken fließt. Der Grund: Die Elbe, in die der Fluss einen Kilometer weiter westlich mündet, führt Niedrigwasser. Und das mit Extremwerten: Einige Kilometer oberhalb der Staustufe bei Geesthacht waren die Pegelstände in den letzten Tagen so niedrig, dass dort keine Binnenschiffe mehr fahren konnten. In Lauenburg lag der Pegel am Donnerstag bei 4,20 Metern, normal sind 4,50 Meter. Grund für das Niedrigwasser ist die lange Trockenheit der letzten Wochen.

„Am flachsten ist der Fluss zwischen Bleckede, Hitzacker und Dömitz“, sagt Bettina Kalytta vom Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg. Dort fielen die Pegelstände bereits am Montag auf bis zu 89 Zentimeter. Große Schiffe mussten auf andere Wasserwege ausweichen, etwa den Elbe-Seitenkanal. Nur Schiffe mit geringem Tiefgang, etwa Ausflugsdampfer und Fähren, konnten die flache Fahrrinne mancherorts noch befahren.

Und auch Freizeit-Kapitäne mussten sich einschränken: In Sportboothafen Boizenburg war der Wasserstand teilweise so niedrig, dass einige der größeren Schiffe nicht auslaufen konnten. Auch Klaus Breitenbach musste in den letzten Tagen auf die eine oder andere Tour auf der Elbe verzichten. Die „Williwaw“ hat mit elf Tonnen einen Tiefgang von 1,20 Metern. „Im Hafen ist das eigentlich kein Problem, aber kurz vor der Einmündung der Boize in die Elbe wird es kritisch.“ An dieser Stelle befindet sich eine Sandbank, der Schlamm wird von einem Nebenfluss der Elbe in die Boize gespült. „Bei Normalwasser kann man die Stelle überfahren, bei Niedrigwasser wird es knapp“, sagt Breitenbach. Auch Boote mit wenig Tiefgang würden an dieser Stelle immer wieder liegen bleiben. „Wenn die Sandbank bleibt, wird unser Hafen irgendwann sinnlos.“

Dennoch sieht er die Extremwerte noch gelassen. Und das nicht nur, weil der Wasserstand der Elbe derzeit wieder steigt: „Vor drei Jahren hat der Hafen unter Hochwasser gestanden, Hafenmauern und Deiche mussten erhöht werden, das war kritischer.“

Niedrigwasser an der Elbe

Extremwerte: Wie Herma Heyken vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz mitteilt, wurden in den letzten Jahrzehnten nur zwei niedrigere Werte der Elbe gemessen. So fiel der Wasserpegel in Neu Darchau 1947 auf 67 Zentimeter, im vergangenen Jahr auf 71. Aktuell liegt er bei 89 Zentimetern.

Wasserqualität: Die niedrigen Wasserstände entlang der Elbe beeinflussen auch die Wasserqualität des Flusses, sagt Heyken, doch werde der Zustand der Elbe routinemäßig überwacht.

Sauerstoffgehalt, Temperatur und pH-Werte seien für die Fische der Elbe derzeit noch unkritisch und typisch für die Jahreszeit.

 Katrin Diederichs und Marcus Stöcklin

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