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Norddeutschland „Werners Kulteisen“ kesseln noch!
Nachrichten Norddeutschland „Werners Kulteisen“ kesseln noch!
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18:23 27.08.2016
Sein ganzer Stolz: Andi Feldmann (59), Bruder von Comiczeichner Brösel, auf der „Waldfee Nr. 1“. Quelle: Fotos: Welding

Wenn ein Horex-Tank als Postkasten am Reetdachhaus dient, ist Werner nicht weit. „Kannst Du oben aufklappen. Im Tankdeckel habe ich’n Geheimfach eingebaut“, verrät der Typ mit T-Shirt und Cord-Kappe. Schön abgeschieden am Ostsee-Fjord Schlei lebt, schraubt und dengelt Andi Feldmann. „Hier meckert keiner, wenn es mal wieder etwas lauter wird“, meint der Kulteisenkonstrukteur „mit der Lizenz zum Löten“.

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Sein ganzer Stolz: Andi Feldmann (59), Bruder von Comiczeichner Brösel, auf der „Waldfee Nr. 1“.

„„Von diesen Kult-Maschinen

aus den dreißiger Jahren

wollte ich schon immer

eine haben.“Andi Feldmann (59)

Wie man Metall kunstvoll verbiegt, hat der 59-Jährige einst als Heizungsinstallateur bei jenem kauzigen Chef gelernt, den der große Bruder Brösel als Meister Röhrich verewigt hat. Wie seine Comic-Helden verkosteten die Feldmänner nach Dienstschluss gern höherprozentigen Bölkstoff in der typischen Bügelflasche aus Flensburg und dengelten Feuerstühle zusammen, die einfach nur kesseln mussten. „Das muss drück’n in Gesich’. Sons’ tauch’ das nix!“, brachte Werner die Philosophie seiner Bikes auf den Punkt: „Rööharrr!“.

In seiner Werkstatt in Ulsnis verwandelt Andi Feldmann Stahl, Eisen und Alu in Kunstobjekte, Möbel, Großskulpturen und Motorräder der besonderen Art. „Über 20 müssten es sein. Hab sie letztens mal gezählt.“ Einige urbritische BSA mit einem und zwei Zylindern sind darunter, dabei auch eine restaurierte Gold Star von 1956. Ein Kreidler-Rennbike und eine Speedway-Maschine hat er zwischen Schuppen und Wohnzimmer verteilt. Selbst Andis erstes Moped, eine rote Zündapp Super Combinette, hat seinen Platz gefunden – in der Diele. Dann steht Feldmann vor seiner neuesten Kreation. Die wuchtige „Waldfee Nr.1“ funkelt metallisch auf der Hebebühne. Ihre Geschichte klingt wie aus einem neuen Werner-Comic.

Alles fing damit an, dass Andi vor einigen Jahren für einen Bekannten Heizungsrohre auf dem Dachboden verlegt hatte. „Da lugte in der Ecke ein Zylinderkopf hervor – es war ein Reihenvierzylinder vom NSU Prinz. Ich durfte ihn mitnehmen.“ Vor Andis geistigem Auge lief ein Motorradtraum ab: Henderson! „Von diesen Kult-Maschinen aus den Dreißigern wollte ich schon immer eine haben. Fast alle Teile für einen Eigenbau lagerten bei mir im Container.“ Von Anfang an war klar: Es kommt nur Schwermetall ans Bike, Plastik ist tabu.

Mit dem Schrauberkollegen Rolf Schröder verschanzte sich Feldmann in der Werkstatt: „Den Motor haben wir zerlegt und mit neuen Teilen wiederaufgebaut, dann den Stahlrahmen geschweißt.“ Getriebe und Kupplung steuerte eine alte BMW bei, die Springergabel stammt von einer Harley. Dazu garnierte Andi einen Tankverschluss von Aston Martin, eine Benzinuhr aus einem Flugzeug, und das Zündschloss vom Trabbi.

Und dann wären da noch die Frühwerke, als sich die „Wernersens“ in den Siebzigern mit Heavy Metal gegen die japanische Motorrad-Moderne zur Wehr setzten. So ein gutes Stück parkt hinter der Werkstatt: schlank, lang, tief. Zwei BSA-Einzylinder mit zusammen 1000 Kubik hat der Heizungsinstallateur zusammengeflanscht. Wie im Comic verpasste die „Vampirette“ den Segen der Überwachungsvereine. Am Kennzeichen hätten Helmut und Bruno, die Gesetzeshüter von der Polizeidienststelle Schnarup-Thumby, sicher etwas auszusetzen gehabt: „Fuck for Tüv“ steht dort schwarz auf weiß. Was die Leiden des jungen Werner genau auf den Punkt bringt.

Joachim Welding

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