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Norddeutschland Wetter-Drama im Norden: Hochwasser und Verletzte
Nachrichten Norddeutschland Wetter-Drama im Norden: Hochwasser und Verletzte
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21:54 26.07.2017
Das nasse, kalte Wetter macht den Jungstörchen zu schaffen. Ihr Gefieder ist noch nicht für solche Nässe geeignet. Quelle: LN-Archiv
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Lübeck

1500 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Im Kreis Helmstedt wurden drei Einsatzkräfte verletzt. In Hildesheim waren Straßen überschwemmt, die Ortsdurchfahrt Bad Harzburg musste gesperrt werden. Zahlreiche Keller liefen voll. Die Bahn sperrte Regionalverbindungen, im Busverkehr kam es wegen Erdrutschen und Straßensperrungen zu Verzögerungen.

In Nordwestmecklenburg kam es auf dem Campingplatz „Liebeslaube“ in Hohenkirchen zu Überschwemmungen. Auf der A 20 bei Altentreptow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) waren schon am Dienstag durch Starkregen Autos ins Schleudern geraten, vier Insassen wurden verletzt.

In Schleswig-Holstein meldeten Feuerwehr und Polizei dagegen gestern keine nennenswerten Wetter-Vorfälle. Auch die Hochwasserlage sei entspannt, sagte Bettina Kalytta vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg. Für die Elbe sei bis zum 3. August mit maximal um 80 Zentimeter erhöhten Pegelständen zu rechnen.

Lokal könne extremer Starkregen zudem immer einmal die Kanalisation überlasten, ergänzt Dietmar Wienholdt, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz im Kieler Umweltministerium. „Das kommt aber nur alle paar Jahre mal vor.“ Baue man größer, werde der Abfluss zu langsam und versande leichter.

Im Baugewerbe und beim Straßenbau habe das Regenwetter vereinzelt zu Verzögerungen von ein bis zwei Tagen geführt, sagte Rüdiger Schacht von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck.

Tragisch wirkte der Dauerregen sich auf den Storchennachwuchs im Norden aus. Im Kreis Herzogtum Lauenburg seien zahlreiche Jungstörche an Unterkühlung gestorben, erklärte Trudel Borck vom Naturschutzbund (Nabu) in Mölln. Borck: „Die Jungstörche sind in einem Alter, in dem das Gefieder noch nicht so gefettet ist, dass es Schutz gegen Nässe bietet.“ Auch in Nordschleswig und Dithmarschen habe es große Verluste gegeben. Aufgrund schlechten Wetters seien zahlreiche Störche deutlich zu spät im Norden angekommen, so dass der Nachwuchs spät zur Welt kam. 2017 sei ein ausgesprochen schlechtes Storchenjahr.

Nur langsam bessert sich die Wetterlage. Schwerer Regen soll in den kommenden Tagen nicht mehr fallen, sagt Julia Isabel Schmidt vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg. Es werde aber weiterhin Schauer und vereinzelt Gewitter geben. „Es geht unbeständig ins Wochenende, auch für Anfang August ist keine stabile Hochdrucklage in Sicht.“ Der Sommer sei im Vergleich zu den Jahren davor sehr verregnet.

Ein Phänomen, auf das man sich künftig einstellen müsse, wie Klimaforscher Tobias Bayr vom „Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung“ in Kiel ausführt. Der Klimawandel verstärke die Wetterextreme. Dies gelte für Niederschläge und für Trockenheit.

Von Marcus Stöcklin

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