Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Wetterexperte: „Wir sind mitten im Klimawandel“
Nachrichten Norddeutschland Wetterexperte: „Wir sind mitten im Klimawandel“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:24 07.11.2018
Ein Mitarbeiter auf Gut Augustenhof zeigt junge Nordmanntannen auf einer Plantage. Der Dürre-Sommer 2018 setzte den Pflanzen in Norddeutschland mächtig zu. Quelle: Bodo Marks/dpa/Archiv
Kiel

Meteorologe Dr. Tobias Bayr ist Experte für Ozeanzirkulation und Klimadynamik. Er arbeitet in der Klimaforschung des Geomar Helmholtz-Zentrums in Kiel und geht davon aus, dass extremes Wetter wie Dürre oder Starkregen in Zukunft kein Ausnahmephänomen mehr sein wird.

Heiße Sommer, schwere Unwetter: Warum müssen wir uns auf dieses Wetter einstellen?

Beim menschengemachten Klimawandel werden die Extreme zunehmen. Das können wie in diesem Sommer trockene Perioden aber auch Extremniederschläge sein. Denn je wärmer die Atmosphäre ist, umso mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Dementsprechend kann auch mehr Regen vom Himmel fallen. Diesen Trend konnten wir in den letzten Jahren schon beob­achten.

Gibt es noch eine Möglichkeit den Prozess zu stoppen?

Die Frage ist nicht ob, sondern auf wie viel wir den Klimawandel begrenzen können. Es macht ja einen Unterschied, ob man mit einem Auto mit 100 km/h gegen eine Wand fährt oder mit 50 km/h. So ist es auch beim Klimawandel. Wir sind schon mittendrin. Das, was wir heute an extremen Wetterlagen in Deutschland sehen, passt genau zu dem, was wir aufgrund unserer Prognosen vom Klimawandel erwarten.

Weiterlesen: Dieter Hemann lebt schon seit seiner Kindheit mit dem Hochwasser im Norden

Auf was müssen wir uns also einstellen?

Beim Klimawandel müssen wir zwei Sachen beachten. Das eine ist, den zukünftigen Klimawandel zu minimieren. Das andere ist, für den Klimawandel, den wir schon verursacht haben, Anpassungsmaßnahmen zu treffen. Dabei spielt das Thema Wasser für Norddeutschland eine wichtige Rolle. Damit meine ich zum einen den Niederschlag, der vor allem in den Wintermonaten stärker ausfallen wird. Ein anderer Punkt für uns in Schleswig-Holstein ist der steigende Meeresspiegel. Da müssen die Deiche erhöht werden, um dem entgegenwirken zu können.

Was würden Sie sich von der Politik wünschen?

Für mich ist am vielversprechendsten, der CO2-Verschmutzung einen Preis zu geben. Also so etwas wie eine CO2-Steuer einzuführen oder eben über andere Steuern Anreize zu schaffen, die CO2-Emissionen reduzieren.

Kann ich als Einzelperson dem Klimawandel etwas entgegenwirken?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel einen Stromanbieter wählen, der 100 Prozent Ökostrom verwendet. Dann kann man bei der Ernährung sehr viel verändern, wenn man sich fleischärmer, vegetarisch oder sogar vegan ernährt, um so CO2 einzusparen. Aber auch häufiger auf das Auto zu verzichten oder das Haus besser zu dämmen, so dass weniger Heizkosten entstehen. Wichtig ist, dass jeder Einzelne guckt, was er ändern kann und versucht, das Thema Nachhaltigkeit umzusetzen.

Saskia Hassink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Foodwatch“ nominiert ein Produkt aus Bad Schwartau, einen Corny-Riegel, für seinen Negativ-Preis „Goldener Windbeutel“. Die Schwartauer Werke reagieren überrascht auf die Entscheidung.

07.11.2018

Nach der monatelangen Dürre haben in Schleswig-Holstein bislang 150 Bauern beim Land Hilfen beantragt. "Die Dürre hat Schleswig-Holstein in diesem Jahr in besonderem Maße getroffen", sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Dienstag.

06.11.2018

Seit 2011 misst das Bundesamt für Strahlenschutz die Radioaktivität über den kerntechnischen Anlagen in Deutschland aus der Luft. Mit den Daten werden Karten erstellt, über die im Notfall kritische Bereiche ausfindig gemacht werden sollen. Nun kreisen die Helis über Lubmin.

06.11.2018