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Norddeutschland Wettkampf um neue Lehrer: Lässt sich Kiel zu viel Zeit?
Nachrichten Norddeutschland Wettkampf um neue Lehrer: Lässt sich Kiel zu viel Zeit?
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19:32 07.08.2017

Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel. Das Nachbarland wirbt neue Lehrer jetzt erfolgreich über Facebook an. „Junglehrer gesucht“ heißt es in der Anzeige des Bildungsministeriums in dem sozialen Netzwerk. Darunter breitet ein junger Mann die Arme vor der Ostsee aus. Auf einem anderen Bild genießt eine Frau auf einem Surfbrett den Sonnenuntergang. Man möge sich eine Stelle an seiner Lieblingsschule in Mecklenburg-Vorpommern reservieren, heißt es darunter. Gesucht würden Jungelehrerinnen und -lehrer, nicht älter als 32. Es gibt eine Übernahmegarantie, nach einem Jahr die Verbeamtung, Ostsee und Seenlandschaft vor der Haustür inklusive.

Man hole die jungen Leute da ab, wo sie sich aufhalten: in den sozialen Netzwerken, heißt es im Ministerium. 15 000 Facebook-Nutzer hätten sich die Anzeigen angesehen, 600 hätten gleich per Mail eine Bewerbung geschickt. Die Mittel für die Kampagne wurden auf eine Million Euro verdoppelt. In Niedersachsen ordnet das Bildungsministerium Gymnasiallehrer an die Grundschulen ab, wo der Lehrermangel am größten ist. Im Kieler CDU-Bildungsministerium will man erst Ende August zum Schuljahresbeginn verraten, wie man dem drohenden Lehrermangel entgegenwirken will, heißt es auf Anfrage nur. Bildungsministerin Karin Prien urlaubt derzeit ohnehin, so wie fast das gesamte Kieler CDU-Grünen-FDP-Kabinett.

Die Lehrergewerkschaft GEW findet das empörend und wirft der alten und der neuen Landesregierung Untätigkeit vor. „Die Entwicklung hat sich doch schon seit Jahren abgezeichnet“, sagt GEW-Vizechefin Birgit Mills. Mehr Kinder, viele Geflüchtete, immer mehr ältere Lehrer in Pension: Die Politik hätte längst gegensteuern müssen. Mit Werbekampagnen allein sei es nicht getan. „Als erstes müssten auch Grundschullehrer mit A13 statt A12 besoldet werden.“

Helmut Siegmon, Chef des Philologenverbandes, mahnt die Politik, das Image des Berufs nicht durch immer neue, die Lehrer belastende Reformen von Schule und Ausbildung zu beschädigen. Der Konkurrenzkampf mit der Wirtschaft um Lehrer-Nachwuchs werde hart genug, in der Konkurrenz mit den Nachbarländern spiele es zum Beispiel eine Rolle, dass Gymnasiallehrer in Niedersachsen zwei Stunden pro Woche weniger unterrichten müssen. „Dann gehen Bewerber eben lieber da hin.“ Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat fordert mehr Studienplätze für Sonderpädagogen in Flensburg und Berufsschullehrer-Studiengänge in Kiel und Lübeck ein.

Von Wolfram Hammer

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