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Norddeutschland Wie Hamburg aufstieg
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20:19 06.01.2018
Rüstungen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Museum für Hamburgische Geschichte. Quelle: Foto: Dpa
Hamburg

Mit dem Fenstersturz kaiserlicher Vertreter durch böhmische Adlige auf der Prager Burg am 23. Mai 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Bis die Kämpfe Hamburg erreichten, habe es eine Weile gedauert, erklärt der Historiker Ralf Wiechmann.

Die Hamburger nutzen die Zeit zum Festungsbau. Sie beauftragten den niederländischen Ingenieur Johan van Valckenburgh mit der Errichtung der größten Befestigungsanlagen nördlich der Alpen. Die Bürger wurden zur Zahlung einer Wallsteuer und zu Schanzdiensten verpflichtet. „So galt die Stadt, als das Kriegsgeschehen sich in den 1620er Jahren nach Norddeutschland verlagerte, als militärisch uneinnehmbar“, schreibt der Historiker Hans-Dieter Loose.

Hamburg hatte bis 1500 im Schatten Lübecks, des Zentrums der Hanse, gestanden. Die Entdeckung Amerikas führte zur Entstehung des Transatlantikhandels, an dem sich Hamburg über die Elbe beteiligte.

Die Stadt wurde reich und selbstbewusst. 1618 erklärte das Reichskammergericht Hamburg zur Reichsstadt.

Über die von ihm gegründete Stadt Glücksstadt wollte der dänische König Christian IV. den Schiffsverkehr kontrollieren. 1626 fielen den Dänen die beiden Hamburger Stützpunkte Ritzebüttel (heute Cuxhaven) und Neuwerk an der Elbmündung in die Hände. Der Hamburger Rat schickte daraufhin Truppen und brachte die beiden strategisch wichtigen Orte nach einem Monat wieder unter seine Kontrolle.

Es war praktisch die einzige militärische Aktion der Hamburger im Dreißigjährigen Krieg. Als kaiserliche Truppen die Vierlande verheerten, Barmbek und Wandsbek in Brand setzten sowie Lokstedt und Eppendorf plünderten, hätten die Hamburger die Befehlshaber Tilly und Wallenstein gezielt bestochen, damit ihre Stadt verschont bliebe, sagt Wiechmann.

Hamburg sei auch belagert worden. Aber die Bürger hätten sich nicht angstvoll zurückgezogen, sondern den Belagerungstruppen sogar Getreide, Brot und Bier verkauft.

Hamburg war nicht in Gefahr, solange die Schifffahrt über die Elbe frei war. Dadurch sei die Versorgung der Stadt immer gesichert gewesen, sagt Wiechmann. Hamburg sei nicht nur ein wichtiges Zentrum der Geldwirtschaft, sondern auch des Waffenhandels gewesen.

Die Stadt profitierte nicht zuletzt von ihrer Offenheit. Schon im 16. Jahrhundert waren spanische und portugiesische Juden nach Hamburg gekommen. Innerhalb von 100 Jahren hätten sich nicht nur die Einwohnerzahlen, sondern auch die Einnahmen der Stadt verdreifacht.

Das auf seine Neutralität bedachte Hamburg bot sich 1641 für Verhandlungen der Kriegsparteien an. Es kam zu einem ersten Ergebnis, dem Hamburger Präliminarfrieden, der die Weichen für den Friedensschluss von Münster und Osnabrück stellte.

LN

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