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Norddeutschland Wie anfällig ist unser Stromnetz?
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23:18 17.05.2018
Am Tag nach dem Blackout von Lübeck fordern Politiker, das Stromnetz in Ballungsgebieten künftig regelmäßig Stresstests zu unterziehen. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Vier Stunden war in Lübeck und in der Umgebung der Strom weg. Zwar halte er einen Blackout im gesamten Norden für unwahrscheinlich, sei es durch einen Terroranschlag oder eine lokale Störung im Stromnetz, sagt der FDP- Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky. Die Energieversorgung im Norden sei dezentral aufgestellt, „es würde höchstens zu regionalen Ausfällen kommen“. Man müsse sich aber sehr wohl klar machen, dass mehr Speicherkapazitäten geholfen hätten, um in Lübeck die Netzprobleme aufzufangen.

Der Vorfall „rüttelt mal wach“, sagt auch Andreas Hein (CDU). Netz- und Speicherausbau müssten weitergehen. Für Kumbartzky ist zudem klar: „Um auf Probleme oder Katastrophen vorbereitet zu sein, müssen wir auch die Schwachstellen in unserer Energieinfrastruktur kennen.“ Deshalb schlage er regelmäßige Stresstests des Stromnetzes in Ballungsgebieten vor. Thomas Hölck (SPD) will „alle technischen Innovationen nutzen“, um die Versorgung sicher zu machen. FDP-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz sieht dabei die Energieversorger in der Pflicht. Sie müssten im Interesse ihrer Kunden eine gesicherte Stromversorgung rund um die Uhr gewährleisten.

In der Tat ist der Schaden, den der Stromausfall verursacht hat, für einige Kunden enorm. Allein in Lübeck geht er in die Millionen. So wurde etwa bei Brüggen, den Schwartauer Werken, Dräger und Niederegger die Produktion komplett eingestellt. Zahlreiche Lebensmittelmärkte mussten ihre aufgetaute Tiefkühlware vernichten.

Im Kieler Innenministerium brüten die Fachleute zusammen mit Energieexperten schon länger über Notfallplänen. Egal ob Terrorakt oder technischer Defekt: Die Folgen eines langanhaltenden Stromausfalls müssten schnell bewältigt werden. Ziel sei es, „die lebensnotwendige Grundversorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten“, sagt Ministeriumssprecher Tim Radtke. Außerdem müsse die für die Sicherheit „kritische Infrastruktur“ einsatzfähig gehalten werden, Polizei, Rettungsdienste und technische Helfer etwa. In Kürze soll es im Land dazu zum Beispiel ein Netz von Tankstellen mit Notstromaggregaten geben, an denen Einsatzfahrzeuge auch bei längeren Stromausfällen betankt werden können. Noch 2018 werde man zudem die Katastrophenschutzabteilungen aller Kreise mit Satellitentelefonen ausrüsten.

Der Digitalfunk der Polizei ist bereits über je zwei automatisch startende Notstromaggregate abgesichert. Theoretisch jedenfalls. In Lübeck sprang am Mittwoch keines von alleine an. Zunächst lief die Anlage auf Batteriebetrieb. Dann hatten Streifenwagen und Zentrale 23 Minuten lang überhaupt keinen Funkkontakt mehr. Schließlich konnte ein Techniker das Notstromaggregat anwerfen.

Von Wolfram Hammer

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