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Norddeutschland Wie „bio“ kann Rauchen sein?
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18:20 06.02.2016
Die „Manitou Organic“ ist wegen ihres Namens in die Kritik geraten. Ab März soll das Produkt anders heißen. Quelle: Lutz Roeßler

Der Lübecker Zigarettenhersteller Von Eicken muss seine „Manitou Organic“ umbenennen. Das Umweltministerium in Kiel hat einen kennzeichnungsrechtlichen Verstoß

gegen das Tabakgesetz beanstandet. Bis zum 1. März muss der Begriff „organic“ jetzt von den Zigarettenschachteln verschwinden. Die Stadt Lübeck war zuvor zu einem anderen Ergebnis gekommen. Anlass für die Prüfung war eine Anzeige des Forums Rauchfrei aus Berlin.

Die bundesweit aktive Nichtraucher-Initiative hatte die Firma im Mai vergangenen Jahres beim Bereich Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz der Stadt Lübeck angezeigt. Sie störte sich vor allem an der Bezeichnung „organic“, erklärt Forumssprecher Johannes Spatz. „Mit dem Begriff werden besonders die Verbraucher hinters Licht geführt, die sich von Bio-Produkten einen gesundheitlichen Nutzen erwarten.“ Er vermutet dahinter eine „bewusste Strategie der Zigarettenindustrie“. Hauptziel seien die „jungen Einsteiger“, so Spatz. „Das finden wir fatal. Dem gehen tatsächlich viele auf den Leim.“

Die Stadt Lübeck beauftragte das Hygieneinstitut Hamburg mit einer Prüfung. „Es wurde keine Beanstandung des Produkts festgestellt“, erklärt Sprecherin Nicole Dorel. Dabei hatte das Institut offenbar nur geprüft, ob eine Irreführung vorliegt — und dies verneint, da auf der Seitenfläche der Schachtel darauf hingewiesen wird, dass diese Zigaretten nicht weniger schädlich sind.

Eine juristische Prüfung des Umweltministeriums in Kiel kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis: „Gemäß Paragraf 22 des Vorläufigen Tabakgesetzes ist es verboten, im Verkehr mit Tabakerzeugnissen Begriffe zu verwenden, die darauf hindeuten, dass das Produkt natürlich oder naturrein ist“, erklärte dazu Ministeriumssprecher Sönke Wendland. Begriffe wie „bio“ oder „organic“ würden als gleichsinnig aufgefasst. Diese Bewertung ist der Firma Von Eicken vor zwei Wochen mitgeteilt worden. Daraufhin hatte sich das Unternehmen bereit erklärt, die Kennzeichnung der Zigaretten zum 1. März zu ändern.

„Wir stellen das Produkt für den deutschen Markt um, ohne jedoch eine rechtliche Verpflichtung anzuerkennen“, bestätigte Oliver Nils Wrede, Justiziar bei der Joh. Wilh. von Eicken GmbH.„Wir sind nicht der Auffassung, dass gegen die aktuell geltenden Regeln verstoßen wird“, betonte er. „Organic“ sei lediglich ein Hinweis auf die Anbaumethode. Für die Zigaretten der Marke Manitou werde Virginiatabak verwendet — frei von Zusatzstoffen wie Feuchthaltemittel, Abbrennhilfen sowie Aroma- und Konservierungsstoffen, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Der Tabak komme zudem aus kontrolliertem Anbau, sei frei von Pestiziden und künstlichen Düngemitteln. Jedoch habe man nicht für zwei bis drei Monate an der Aufschrift festhalten wollen. Schließlich tritt Ende Mai ein neues Tabakgesetz in Kraft, in dem die EU-Tabakproduktrichtlinie in nationales Gesetz gegossen wird.

Die Richtlinie schreibt unter anderem vor, dass die Warnhinweise auf Zigaretten- und Tabakpackungen künftig 65 Prozent der Vorder- und Rückseite einnehmen müssen. Auch sollen Aromen wie Menthol und andere Zusatzstoffe EU-weit verboten werden.

Das Forum Rauchfrei sieht in der Produktumstellung einen „kleinen Erfolg“. Die Sache sei doch ziemlich zögerlich vorangegangen, das sei sehr ärgerlich, sagte Spatz. „Wir erleben es häufig, dass die zuständigen Behörden den Konflikten mit den Tabakkonzernen ausweichen, da sie sich diesen juristisch und finanziell in keiner Weise gewachsen fühlen.“ Das Forum, das seit 15 Jahren aktiv ist, fordert, die Verfolgung von Verstößen gegen Gesetze und Verordnungen im Bereich der Tabakprodukte endlich ernsthaft anzugehen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sterben in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise 110000 bis 140000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Gesetzlich festgelegte Werbeverbote

Das Vorläufige Tabakgesetz (VTabakG) ist ein Bundesgesetz. Es enthält alle Vorschriften im Zusammenhang mit Tabakprodukten. Besondere Bedeutung haben die darin festgelegten Werbeverbote.

So ist es beispielsweise untersagt, in der Werbung das Inhalieren des Tabakrauchs als nachahmenswert erscheinen zu lassen. Auch ist verboten, Bezeichnungen zu verwenden, die darauf hindeuten, dass die Tabakerzeugnisse natürlich oder naturrein seien. Das Gesetz war 1974 als Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) verabschiedet worden. Im September 2005 wurde es umbenannt.

Julia Paulat
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