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Norddeutschland Wieder Ehec-Sorgen: Zahl der Infektionen im Norden gestiegen
Nachrichten Norddeutschland Wieder Ehec-Sorgen: Zahl der Infektionen im Norden gestiegen
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22:39 17.08.2016
Das Ehec-Bakterium, das 2011 insgesamt 53 Todesopfer forderte und für Schlagzeilen sorgte, geht wieder um. Quelle: dpa

Das Ehec-Bakterium, das 2011 insgesamt 53 Todesopfer forderte und für Schlagzeilen sorgte, geht wieder um. Die Meldezahlen in Schleswig-Holstein stiegen in diesem Jahr zum ersten Mal wieder deutlich an, teilt die Krankenkasse IKK classic mit. Im vergangenen Jahr wurde bis Mitte Juli bei zehn Patienten im Norden eine Infektion mit Ehec-Darmkeimen diagnostiziert. Im gleichen Zeitraum in diesem Jahr ist das bereits bei 30 Personen der Fall, und zuletzt kamen drei weitere Meldungen aus Kiel hinzu. Damit ist die Landeshauptstadt mit bisher zehn Erkrankungsfällen die aktuell am stärksten betroffene Region in Schleswig-Holstein.

Vorsicht beim Streicheln

Ehec (Enterohämorrhagische Escherichia coli) sind Bakterien, die im Verdauungstrakt von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen vorkommen. Die Tiere werden meist nicht krank.

Die Infektion kann durch Berührung (Streicheln) sowie den Verzehr roher oder ungewaschener Lebensmittel erfolgen. Die Inkubationszeit beträgt drei bis vier Tage.

Aus dem Kreis Segeberg sind bisher fünf Fälle bekannt. Die Kreise Dithmarschen und Schleswig- Flensburg und die Stadt Lübeck meldeten bisher je drei Fälle mit Ehec-Infektionen. Die Zahlen beziehen sich auf die aktuelle Statistik des Robert Koch-Instituts.

„Die bisher in Schleswig-Holstein gemeldeten Zahlen sind zwar deutlich über den Vorjahreswerten, aber die Situation ist mit der von 2011 überhaupt nicht vergleichbar“, beruhigt Peter Rupprecht von der IKK classic. Auch das Kieler Gesundheitsministerium bleibt gelassen. „Die Größenordnung liegt im Bereich der Schwankungsbreite und ist nicht auf eine aktuell bestehende außergewöhnliche Gefährdung zurückzuführen“, sagt ein Ministeriumssprecher.

2011 starben bei der Ehec-Epidemie in Deutschland 53 Menschen, 855 entwickelten lebensgefährliche Komplikationen. Insgesamt gab es knapp 5000 Erkrankungsfälle. In Schleswig-Holstein wurden damals fast 1000 Erkrankungen registriert, mehr als in jedem anderen Bundesland. Ausgebrochen war die Epidemie in Lübeck, dort erkrankten elf Menschen nach dem Besuch eines Altstadt-Lokals. Als Ursache für den Ehec-Ausbruch wurden damals zur Sprossenproduktion importierte Bockhornkleesamen ausgemacht.

Im Juni dieses Jahres gab es einen weiteren Fall: Ein Kindergartenkind erkrankte. Das Lübecker Gesundheitsamt gab jedoch Entwarnung, es handele sich um leichte Symptome. Solche Infektionen seien normal und würden bei kleinen Kindern häufiger auftreten, hieß es.

Bundesweit gibt es jedes Jahr regelmäßig rund 1000 Fälle. Die gemeldeten Infektionszahlen in Schleswig-Holstein gingen bislang jährlich zurück. Für das gesamte Jahr 2015 meldete das nördlichste Bundesland 27.

Dennoch rät Rupprecht zu Vorsicht. „Man muss wachsam sein und besonders auf Vorsorge achten.“ Vor allem Säuglinge, Kleinkinder und ältere oder abwehrgeschwächte Menschen sollten frühzeitig untersucht werden. Deutlichstes Krankheitszeichen sind wässrige Durchfälle. Auch Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, seltener Fieber, können dazukommen.

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