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Norddeutschland Wieder ein Mord ohne Leiche? Polizei sucht nach 41-Jähriger
Nachrichten Norddeutschland Wieder ein Mord ohne Leiche? Polizei sucht nach 41-Jähriger
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20:15 10.01.2018
 Die Lübecker Mordkommission hat den mysteriösen Fall übernommen. Quelle: Beke Zill
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Lübeck/Wulfsdorf

Der 39-jährige Ehemann sitzt in Untersuchungshaft. Doch von seiner vermissten Frau fehlt weiterhin jede Spur. Die 41-jährige Andrea Lehrmann aus Wulfsdorf (Kreis Ostholstein) gilt seit dem 29. Dezember als vermisst. Die Lübecker Mordkommission hat den mysteriösen Fall übernommen. Gibt es in Schleswig-Holstein einen neuen „Mord ohne Leiche“?

Arbeitskollegen aus dem Niendorfer Hotel „Seehuus“ meldeten sich bei der Polizei, nachdem der Ehemann für das dortige Fernbleiben der Frau eigenartige Erklärungen abgegeben hatte. „Ungereimtheiten“ hätten Polizeibeamte auch beim ersten Besuch im Wulfsdorfer Einfamilienhaus des Ehepaares stutzig werden lassen, sagt Ulla Hingst, Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft. Nun ermittelt die Mordkommission. Nach LN-Recherchen hat ein Leichenspürhund am Wagen des Ehemanns der Vermissten angeschlagen.

Der Tatverdächtige sitzt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen Verdachts des Totschlags ermittelt. „Wir suchen nach dem Leichnam der Frau“, bestätigt Oberstaatsanwältin Hingst. Auf einen Zeugenaufruf der Polizei hin gab es bislang ein Dutzend Hinweise. Für eine größere Suchaktion ist ein Einsatzzug aus Eutin angefordert worden.

Andrea Lehrmann ist knapp 1,70 Meter groß, von kräftiger Statur und hat blonde Haare. Verwandte bitten über das Soziale Netzwerk um Hinweise aus der Bevölkerung. Der zehnjährige Sohn des Paares wurde in die Obhut von Familienangehörigen gegeben.

Wie vom Erdboden verschluckt bleibt auch die 39 Jahre alte Ivonne Runge aus Travenbrück (Kreis Stormarn). Das bestätigte die Polizeidirektion Ratzeburg. Die Frau war in der Nacht zum 26. Oktober 2017 verschwunden. Ein Anfangsverdacht gegen den Ex-Freund der Vermissten erhärtete sich nicht. Die Spurensuche der Ermittler blieb bisher erfolglos. Als vermisst gelten nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) in Kiel Personen, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben, ihr Aufenthalt unbekannt ist und für sie eine Gefahr für Leib und Leben angenommen werden kann, zum Beispiel als Opfer einer Straftat.

Die Vermissten aus Wulfsdorf und Travenbrück wecken Erinnerungen an den spektakulären Fall der Ratzeburgerin Monika Crantz, der als „Mord ohne Leiche“ in die Gerichtsannalen einging. Die damals 48-jährige wohlhabende Geschäftsfrau verschwand am 6. Januar 1999. Ihr Ehemann Hartmut Crantz geriet schnell unter den dringenden Verdacht, seine Ehefrau aus Habgier getötet zu haben.

Crantz wurde angesichts einer erdrückenden Indizienlage in zwei Verfahren wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 2003 erhängte Hartmut Crantz sich in seiner Zelle. Die Tat hatte er stets geleugnet. Die Leiche seiner Frau wurde bis heute nicht gefunden. 

Von Ulrike Benthien
und Curd Tönnemann

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