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20:18 22.04.2017
Die Archäologiestudenten Lukas Forkel (l.) und Alexander Grigoyan arbeiten an Erdsieben. Quelle: Foto: Charisius/dpa
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Busdorf

Schubkarrenweise lassen Archäologen dunklen Boden durch ein grobes Sieb fallen. Was darauf liegen bleibt, bekommt eine Dusche. Und das ist in der ehemaligen Wikingerstätte Haithabu bei Schleswig eine Menge. „Vorher ist ja alles schwarz, erst dann werden die Farben sichtbar“, sagt Grabungsleiter Sven Kalmring. Mehr als 350 Exponate hat sein Team punktgenau vermessen, Tausende kleine Funde erfasst und in durchsichtige Plastiktütchen verpackt.

Knapp 80 Jahre nach dem Zwangsstopp bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs durch die Nazis wollen Archäologen in diesem Sommer die Arbeit eines finnischen Forschers beenden. In dem Gräberfeld vermuten sie weniger spektakuläre Funde wie große Schwerter oder Schmuck. „Uns interessieren vielmehr die hier beerdigten Menschen“, sagt Kalmring. „Wir hoffen auf gut erhaltene Skelette der Wikinger zu stoßen, um DNA- und Isotopen-Analysen vornehmen zu können.“

Kalmring und seine fünf Mitstreiter sind auf den Spuren der letzten Wikinger von Haithabu. „Das Gräberfeld stammt aus der Spätphase der Siedlung im 10. und frühen 11. Jahrhundert“, sagt der Forscher.

Im Jahr 1066 wurde die Stadt zerstört. Auf dem anderen Ufer der Schlei wuchs fortan Schleswig. Noch bis Ende September graben die Archäologen nur wenige Meter von den Wikinger-Häusern unter den Augen der Besucher in einem 450 Quadratmeter großen Zelt. Etwa 540 Kubikmeter Boden müssen durchs Sieb. „Archäologie ist Sisyphusarbeit, das wird nirgendwo deutlicher als in Haithabu.“

Unter den Augen einer dänischen Schulklasse graben sich die Archäologen Stück für Stück voran. Sie interessieren sich für die Lebens- und Nahrungsgewohnheiten der Wikinger. „Wir wollen wissen: Wer kommt woher, wer ist mit wem verwandt, und welche Krankheiten hatten die Menschen“, erzählt Kalmring. Isotopen-Analysen verraten sogar, was die Wikinger vor ihrem Tod gegessen haben. „In Haithabu wurde offensichtlich vor allem Süßwasserfisch gegessen“, sagen die Forscher.

Die Äcker Haithabus bewahren die Spuren der Christianisierung Nordeuropas vor mehr als 1000 Jahren. Bereits 850 soll bei Haithabu eine erste Kirche entstanden sein. „Hier ist alles voller Archäologie, und das fängt gleich unter der Grasnarbe an“, sagt Kalmring. Der Ort war einmal ein bedeutender Handelsplatz.

„Die Gräberfelder von Haithabu gehören zusammen mit der Siedlung, dem Hafen und dem Danewerk zu einem der größten archäologischen Komplexe Nord- und Mitteleuropas“, sagt der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Claus von Carnap-Bornheim.

LN

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