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Norddeutschland Wildschweine verletzen vier Menschen
Nachrichten Norddeutschland Wildschweine verletzen vier Menschen
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20:28 20.10.2017
Der Spuk ist vorbei: Jäger hieven das erlegte Wildschwein vor der Sparkassen-Filiale in ein Auto. Quelle: Fotos: Holmson/dpa, Höfer/boyens Medien, Friederichs
Heide

„Morgens um 9 Uhr kam das Wildschwein an“, erzählt Hinz, Inhaber des gleichnamigen Optiker- Geschäfts am Heider Marktplatz. Der Keiler sei zunächst ins Büro gelaufen, dann in einen hinteren Raum und durch eine gläserne Feuerschutztür sowie eine weitere geschlossene Glastür hinten wieder hinaus. Dabei wurde offenbar eine Seniorin verletzt. Hinz beschreibt das Tier als „ausgewachsenes Wildschwein, 60 bis 70 Zentimeter groß“. Es habe „orientierungslos“ gewirkt.

Optiker Hans-Joachim Hinz hielt es zunächst für einen Witz, als eine Mitarbeiterin rief, ein Wildschwein sei im Geschäft. Doch eine Sau und ein Keiler haben in Heide Angst und Schrecken verbreitet. Bei ihrem Ausflug in die City wurden vier Menschen verletzt. Es entstand erheblicher Sachschaden.

Der Keiler stattet anschließend dem Mühlen-Bäcker einen Besuch ab. Eine Verkäuferin berichtet im NDR, dass eines der Wildschweine einen Gast regelrecht „aus dem Laden rausgeprügelt“ habe. Offenbar in Panik rennt das Tier weiter in eine Filiale der Sparkasse Westholstein.

Auf seinem Weg greift es eine Passantin an. Auch mehrere Autos werden beschädigt. Die Polizei ruft die Bevölkerung auf, die Innenstadt zu meiden und in ihren Häusern zu bleiben. Die rund 15 Mitarbeiter und die Kunden der Bank versuchen, sich in einzelnen Räumen und in der oberen Etage in Sicherheit zu bringen. Dennoch wird der Filialleiter an den Beinen verletzt, ein Kunde verliert ein Fingerglied.

Inzwischen haben die herbeigerufenen Jäger vor der Bank Position bezogen. „Einfangen kann man es nicht“, ist zu hören. Einer der Jäger erschießt das Tier, als es sich bei den Polizeiwagen, die vor dem Gebäude stehen, verkriechen will. Die Waffen der Polizisten seien zu großkalibrig gewesen, heißt es. „Der erste Schuss hat gesessen“, sagt Bürgermeister Ulf Stecher (CDU). Die Sau hat derweil das Innenstadtgebiet verlassen. Gegen Mittag gibt die Polizei Entwarnung.

Doch die Bankfiliale ist geschlossen. „Die Mitarbeiter haben wir nach Hause geschickt, sie sind geschockt“, berichtet Lars Lohmann, Sprecher der Sparkasse Westholstein in Itzehoe. „Das war eine ganz außergewöhnliche Situation“, sagt der Bürgermeister nach aufregenden Stunden. „Dass Wildschweine derart wüten, das haben wir noch nicht erlebt“, erklärt auch Stefan Hinrichs von der Polizeidirektion in Itzehoe. „Wildschweine haben mit Städten eigentlich keine Erfahrung“, erklärt Marcus Börner vom Landesjagdverband. „Das ist eine Situation, mit der sie nicht umgehen können.“

Durch die engen Räume fühlten sie sich gehetzt. Vermutet wird, dass die Tiere im Zuge der Maisernte aus einem Feld aufgescheucht worden sind.

„Wildschweine sind im Grunde friedliche Tiere“, sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier-Stiftung. Nur in Extremfällen kann die Begegnung mit einem Wildschwein gefährlich sein. Wenn ein Keiler beispielsweise verletzt werde, verhalte er sich sehr aggressiv. Mit ihren messerscharfen Eckzähnen und dem massigen Körper könnten Keiler es locker mit einem Menschen aufnehmen.

Die Bevölkerung in Heide solle nach wie vor wachsam bleiben, rät die Polizei. Die Beamten warnen davor, sich Wildschweinen zu nähern, wenn diese in die Stadt kommen.

Ruhe bewahren

Wer einem Wildschwein begegnet, sollte sich groß machen, empfiehlt der Landesjagdverband. So könne man etwa die Jacke oder eine Tasche über den Kopf halten. Auch durch Klatschen und lautes Rufen könnten die Tiere vertrieben werden. Es sei wichtig, Ruhe zu bewahren und – wenn möglich – in Deckung zu gehen. Was gar nicht geht: hinterherlaufen und Videos drehen!

Julia Paulat

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