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Norddeutschland Wildwest in Mecklenburgs Osten: Waghalsige Stunts hoch zu Ross
Nachrichten Norddeutschland Wildwest in Mecklenburgs Osten: Waghalsige Stunts hoch zu Ross
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21:31 13.07.2016
Stuntman Wolfgang Kring springt beim Training für die 25. Apachen-Live-Show über eine brennende Feuerwand. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Neu Poserin

. Stolz wirft Wolfgang Kring sein schwarzes Haar zurück und schwingt sich flott auf das ungesattelte Pferd. Die Fuchsstute „Chahee “ galoppiert sofort los. Mannshoch schlagen die Flammen über einem Hindernis empor. Mit einem gewaltigen Satz springt das Ross über die rauchende Feuerwand. Der Reiter strahlt. Die ersten Proben des neuen Stunts verlaufen erfolgversprechend. Der 65-jährige Berufsindianer von Neu Poserin in der Mecklenburgischen Seenplatte trainiert für seine Sommershow, die dieses Jahr ihre 25. Auflage auf der Naturbühne am Damerower See erlebt.

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Wolfgang Kring spielt seit 25 Jahren einen Indianer – Premiere der Show ist am 30. Juli.

Schon als Kind verschrieb sich Kring der Kultur amerikanischer Ureinwohner, wie er erzählt. Er gehörte zur Indianistik-Szene von Amateurkünstlern in der DDR. Mit seiner Frisur und den ausgefransten Klamotten eckte er bei Eltern und Lehrern an, Kumpels nannten ihn nur „Apache“. Seit 1990 gehören Lederhose und Kriegsbemalung zu seinem Alltag, seit sich Kring mit Ranch und Stunt-Shows in Nordostdeutschland selbstständig machte. „Das Indianersein, das hab ich im Blut“, sagt der braun gebrannte asketische Typ. Ob er an die Indianer-Rente denke? „Aufhören werde ich erst, wenn ich ‘ne Leiter brauche, um aufs Pferd zu kommen“, meint er.

Dabei brachte Kring sich in den letzten Jahrzehnten alles selber bei, was ein richtiger Prärieindianer so können muss, sagt seine Partnerin Ilona Hein. Sie trägt den Künstlernamen „Tibi Wors“ und hält in jeder Show im wahrsten Wortsinn den Kopf hin, wenn Kring als „Schwarzer Falke“ etwa dicht an ihr vorbeireitet und mit einem Schwert knapp über ihrem Gesicht eine Banane zweiteilt.

Rund zwei Stunden dauert so eine Vorführung, die voll gepackt ist mit Spannung, Action, Knallerei, Feuer und jeder Menge Akrobatik auf Pferderücken. 3000 Besucher zählt die Apachen-Live-Show jedes Jahr an drei bis vier Wochenenden. In diesem Sommer trägt die fiktive Geschichte den Titel „Blutsbrüder“ und spielt in der Zeit des beginnenden Bürgerkriegs in den USA Mitte des 19.

Jahrhunderts. Das Stück dreht sich um Dakota- und Cheyenne-Indianer und lässt mitten in Mecklenburg frühere Kämpfe amerikanischer „Rothäute“ und weißer Eindringlinge aufleben. Kring schreibt jedem der 40 Laien-Darsteller die Rolle auf den Leib, sagt er. Auch Bühnenbild, Kostüme und Regie verantwortet er, dazu spielt er eine der Hauptrollen. Für die Proben und acht Vorstellungen von Ende Juli bis Mitte August würden Pferdenarren und Hobby-Schauspieler meist Urlaub nehmen, berichtet der Profi. Mit dabei sei auch Heins Tochter Stefanie, die als Bankkauffrau in Hamburg arbeitet.

Nach dem Training steht der Mecklenburger gern in aufrechter Pose auf einem Hügel seiner Ranch und schaut über die Koppeln bis hin zum Damerower See. Hier habe er schon als kleiner Junge – fasziniert von den Büchern Karl Mays – Cowboy und Indianer gespielt, sagt er. Jetzt prescht er mit seinen Pferden durchs Gelände, springt durch brennende Reifen, über Baumstämme oder Planwagen. „Ich bin kein Faschings-Indianer, sondern ein echter“, betont er. Später, wenn er mal nicht mehr so viel arbeiten müsse, wolle er nach Amerika reisen, um seine Brüder und Schwestern zu treffen.

Grit Büttner

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