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Willes Barschel-Sicht als Taschenbuch

Lübeck Willes Barschel-Sicht als Taschenbuch

Ehemaliger Leitender Lübecker Oberstaatsanwalt teilt im neuen Nachwort seiner Publikation aus.

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Lübeck. Rechtzeitig zum 26. Todestag von Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) erscheint am kommenden Montag die Publikation des Lübecker Barschel-Ermittlers Heinrich Wille (68) „Ein Mord, der keiner sein durfte“ als Taschenbuch (9,99 Euro, 383 Seiten, Droemer Knaur).

Wille, Chefermittler im Fall Barschel von 1992-1998, setzt sich in einem Nachwort erstmals ausführlich mit dem jahrelangen Publikationsverbot seiner Recherchen auseinander. Der ehemalige Leitende Lübecker Oberstaatsanwalt, Vertreter der Mord-These, vermutet dahinter System. „Meinungsfreiheit ist nicht nur die Freiheit, eine Meinung zu haben und sie zu äußern, sondern sie auch zu dem Zeitpunkt auszusprechen, zu dem man es für richtig hält“, beklagt Wille im Postscriptum des Taschenbuchs.

Der seinerzeitige schleswig-holsteinische Generalstaatsanwalt Erhard Rex hatte Wille eine Veröffentlichung zum Fall Barschel untersagt. Argument: Er dürfe dienstlich erworbene Kenntnisse nicht vermarkten. Später, so Wille, habe seine vorgesetzte Dienststelle argumentiert, Mord verjähre nicht. Für den Fall einer Wiedereröffnung des Verfahrens sei ein Behördenleiter als Buchautor „befangen“.

Das Oberverwaltungsgericht Schleswig habe eine Entscheidung schließlich eineinhalb Jahre unbearbeitet liegen lassen, lautet Willes Vorwurf. Die Sache hätte sich danach von selbst erledigt, weil Wille das Pensionsalter erreichte. Der Jurist aber stellte den Antrag, übers 65. Lebensjahr hinaus zu arbeiten. Das Gericht lehnte ab. Es habe die „fadenscheinigen Argumente“ von Justizminister Emil Schmalfuß (parteilos) gern aufgegriffen, „damit man mit einer Zwangspensionierung des Autors im Eilverfahren Fakten schaffen konnte“, lautet Willes deutliche Schelte. Erst so sei der Weg für sein Buch frei gewesen. „Aber es war ein steiniger Weg, vorbei an den Grenzen des Rechtsstaats, die hier nur durch Zeitablauf zu überwinden waren“, beklagt er.

Barschel war in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1987 unter bis heute ungeklärten Umständen in einem Genfer Hotel ums Leben gekommen. Seine Leiche wurde in der Badewanne eines Hotelzimmers gefunden. Bis heute wird gestritten, ob Barschel sich in Folge der Kieler Waterkantgate-Affäre umbrachte oder er ermordet wurde. Er hatte angekündigt, auspacken zu wollen. ctö

LN

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