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Norddeutschland „Wir sind keine Luschen“
Nachrichten Norddeutschland „Wir sind keine Luschen“
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20:16 20.06.2014
Helden statt „Luschen“: Benjamin Hardt und sein Team wollen beweisen, dass die ostholsteinische Gemeinde was auf dem Kasten hat. Quelle: Neelsen
Luschendorf

Zugegeben, wirklich schmeichelhaft ist der Name nicht: Luschendorf. 422 Seelen leben hier in der Nähe von Ratekau im Kreis Ostholstein. Lehrer, Krankenschwestern, Studenten — ehrbare Bürger, keine „Luschen“. Wer etwas anderes behauptet, der erzählt Käse. Womit wir beim Thema wären: Der nach eigenen Angaben größte Sauermilchkäsehersteller Deutschlands, Loose aus der Nähe von Dresden, hat die Luschendorfer jetzt unter seine Fittiche genommen. Das Unternehmen will das angeblich wegen des Namens angekratzte Image des Ortes aufpolieren. „Aus Luschendorf wird Heldendorf“, so der Name der neuesten bundesweiten Kampagne, mit der für Käse geworben wird.

Dass die Luschendorfer wirklich etwas auf dem Kasten haben, sollen sie bei einem großen Hindernislauf unter Beweis stellen. „Tough Mudder“ heißt das europaweite Extremsport-Event, das am 27. Juli bei Berlin stattfindet. Fünf Wochen haben zwölf Ostholsteiner noch Zeit, sich darauf vorzubereiten.

Eine von ihnen ist Sabine Prehn, die gelernte Bürokauffrau ist die Teammanagerin. Einmal in der Woche bittet sie ihre bunte Truppe gemeinsam mit einem Personal- Coach zum Training. Das Programm war bisher straff: Joggen, Zirkeltraining und Schwimmen durch den Dorfteich — mit Klamotten wohlgemerkt. „Es ist anstrengend, aber wir wollen bei dem Lauf unbedingt ankommen“, sagt Prehn. 18 Kilometer mit 20 schwierigen Hindernissen (unter anderen Eispool, Feuergraben, Hinderniswand) liegen vor ihnen, vier Stunden werden sie wohl benötigen.

Dabei hätten die Luschendorfer das eigentlich doch alles gar nicht nötig. Alle Teilnehmer engagieren sich in der Dorfgemeinschaft. Sabine Prehn ist Blutspenderin, Stefan Hagel, Patrick Hardt und Thomas Harnack sind bei der Freiwilligen Feuerwehr, Jan-Malte Prehn hilft seiner 86-jährigen Nachbarin im Winter mit dem Schneeschippen. Helden des Alltags eben. „Wenn man mit der Feuerwehr im Süden unterwegs ist, dann kommt manchmal aber schon ein blöder Spruch“, erzählt Thomas Harnack. Der 53-Jährige kann von einem Kameraden berichten, der einst fragte, ob Luschendorf ein Witz-Name sei.

Luschendorfs Dorfvorsteher Henning Müller ist angesichts der Publicity jedenfalls hocherfreut. „Der Zweck heiligt alle Mittel. Wir haben eine Wahrnehmungsproblematik“, sagt er mit Blick auf Autobahn-, Zug- oder Hochspannungstrassen, die entweder rund um den Ort gebaut oder geplant sind. „Manchmal muss man einfach zeigen: Hier leben auch noch Menschen“, sagt der 55-Jährige.

Schwachhausen wurde übrigens auch gefragt, ob es an der Kampagne teilnehmen würde. Die Vertretung des Bremer Stadtteils lehnte aber ab. Was für „Luschen“.

Karte ohne Wert
Eine „Lusche“ ist beim Kartenspiel umgangssprachlich eine Karte ohne Wert. Es rührt wohl her von der abwertenden Bezeichnung für eine läufige Hündin oder Prostituierte. Der Name Luschendorf stammt aber von woanders. 1365 wurde es erstmals als Lossendorp erwähnt. Es gibt zwei Ursprungsmöglichkeiten: Im Deutschen rührt der Name von Ludwig oder Ludolf her. Variante zwei ist slawischen Ursprungs und würde Elch bedeuten.

Jan Wulf

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