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Norddeutschland „Wir wollen keinen neuen Hochschulstreit“
Nachrichten Norddeutschland „Wir wollen keinen neuen Hochschulstreit“
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18:23 01.07.2017
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Kiel

Früher war Oliver Grundei Uni-Kanzler in Lübeck, heute ist er CDU-Staatssekretär. Im LN-Interview verrät er, warum das für ihn kein Problem ist und was er sich für die Zukunft wünscht.

Oliver Grundei (46) lebt in Timmendorfer Strand, war bis diese Woche Uni-Kanzler in Lübeck. Jetzt ist er Staatssekretär im Kieler Wissenschaftsministerium. Quelle: Foto: Neelsen

Herr Grundei, als Uni-Kanzler in Lübeck haben sie 2010 gegen die Schließungspläne einer CDU-Landesregierung gekämpft, die die Hochschul-Medizin hier dicht machen wollte. Jetzt sind Sie für die CDU Staatssekretär im Kieler Wissenschaftsministerium. Alles vergessen und verziehen?

Es geht nicht um Vergessen und Verzeihen. Ich habe damals erlebt, dass Wissenschaftspolitik stark von politischen Rahmenbedingungen abhängt, in diesem Fall von den damaligen Sparvorgaben. Die Entscheidung war aber nicht genug abgewogen worden. Also habe ich mir gesagt, dann musst du dich stärker in die Politik einbringen und versuchen, die Rahmenbedingungen mit zu gestalten.

So eine Schließungs-Entscheidung wäre bei dieser Landesregierung also nicht mehr möglich?

Mit mir nicht. Aber auch die CDU hat ja schon 2012 eingeräumt, dass die damaligen Überlegungen ein Fehler waren. In den Jamaika-Koalitionsverhandlungen war ganz klar: Wir wollen keinen neuen Hochschulstreit.

Was haben die Hochschulen von Ihnen in den kommenden fünf Jahren denn zu erwarten?

Wir wollen alle Hochschulen gemeinsam weiterentwickeln und ihre Profile schärfen. Die Hochschulen haben dafür auch schon viele Ideen. Von Seiten des Landes werden wir entscheiden, wo es einen weiteren Aufwuchs von Studienplätzen geben soll. Und die neuen Zielvereinbarungen, die ab 2020 greifen, wollen wir so frühzeitig vorlegen, dass der Landtag darüber länger beraten kann. Da wird ja viel Geld bewegt.

Apropos Aufwuchs. Es sollen bundesweit zum Beispiel zusätzliche Medizin-Studienplätze entstehen. Der Norden hat schon überproportional viele. Werden hier trotzdem noch neue entstehen?

Wir wollen auf jeden Fall probieren, in Kiel und Lübeck neue Medizin-Studienplätze einzurichten. Wir werden das aber mit dem Bund verhandeln, weil das Land alleine das nicht finanzieren kann.

Ansonsten heißt das Motto erst einmal: Konsolidierung. Durch die Hochschulpakte der letzten Jahre haben die Hochschulen in sehr kurzer Zeit sehr viele neue Studienplätze geschaffen, oft an der Grenze der Kapazitäten. Wir müssen jetzt zum Beispiel erst einmal zusehen, dass wir mehr befristete Stellen entfristen und mehr Lehre durch hauptamtliches Personal statt durch Lehrbeauftragte abdecken können. In Kiel wird zudem an der dortigen FH wieder ein Bauingenieurstudium eingerichtet. Die Plätze an der FH Lübeck alleine reichen wegen der hohen Nachfrage nach Ingenieuren und des häufig hochschulnahen Verbleibs der Absolventen nicht aus.

Gelingt die UKSH-Sanierung?

Wenn das UKSH auf dem Erfolgspfad bleibt und im operativen Geschäft schwarze Zahlen schreibt, ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass es eine Entschuldung durchs Land geben wird. Man wird dann mit Blick auf die bauliche Modernisierung im Rahmen des ÖPP-Projekts auch schauen müssen, ob das Land das UKSH im Bereich der Investitionskosten stärker unterstützten kann. Da wird es aber noch einige Gespräche brauchen.

Als Lübecker sind Sie ein ziemlicher Exot in der Landesregierung – nur die alte Umwelt- und neue Finanzstaatssekretärin Silke Schneider von den Grünen kommt noch aus der Hansestadt. Können Sie da jetzt auch außerhalb ihres Ressorts etwas für Lübeck bewegen?

Ich sehe mich jetzt zwar nicht hauptsächlich als Botschafter Lübecks hier, aber natürlich ist es wichtig, dass sich das ganze Land mit seinen Regionen auch im Kabinett einigermaßen wiederfindet.

In den vergangenen Jahren soll es aus der Hansestadt allerdings auch gar nicht so viele Kontaktversuche gegeben haben. Der Umstand, dass eine Lübeckerin schon seinerzeit mit in der Regierung saß, wurde von den Akteuren in Lübeck nicht wirklich genutzt. Vielleicht wird das jetzt ja anders. Ich stehe jedenfalls als Ansprechpartner gern zur Verfügung.

Interview: Wolfram Hammer

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