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Norddeutschland Wirtschaftsfaktor Sport: Fünf Milliarden Euro Umsatz
Nachrichten Norddeutschland Wirtschaftsfaktor Sport: Fünf Milliarden Euro Umsatz
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20:42 01.11.2017
Eines der größten Sportereignisse in der Region: Der Lübeck-Marathon lockt alljährlich Tausende Sportler an. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Kiel

Sport – nur die schönste Nebensache der Welt? Von wegen. Allein die Sportler im Norden sorgen Jahr für Jahr für einen Umsatz von fünf Milliarden Euro, sagt Landessportverbandschef Hans-Jakob Tiessen. Sein LSV hat die bundesweit erste Länder-Studie zum Wirtschaftsfaktor Sport vorgelegt.

Geldfragen

15 Millionen Euro hat die neue Kieler Jamaika-Regierung gleich nach Amtsantritt für den Sport bereitgestellt. Allerdings fließen allein sieben Millionen Euro davon in die Sanierung des Fußballstadions von Holstein Kiel. Das Stadion muss zweitligatauglich gemacht werden. Wer die übrigen acht Millionen Euro erhält, ist noch nicht ausgemacht.

Der Kieler Uni-Professor für Sport-Ökonomie, Jens Flatau, hat sie erstellt. Auch die IHK Schleswig-Holstein ist Auftraggeber. Der Umsatz werde zu 50 Prozent im Handel, aber auch in der Industrie und im Gastgewerbe gemacht, heißt es. Die Herstellung von Sportgeräten und -kleidung sei dazu ebenso erfasst worden wie der Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln, Fanartikeln, Schmerzmitteln.

Demnach nimmt alleine das Land durch die sportlichen Aktivitäten seiner Bürger 250 Millionen Euro an Steuern ein – ein Drittel aus Sportwetten, zwei Drittel etwa aus den Steuern auf den Kauf von Sportkleidung oder der Lohnsteuer. Das entspräche 3,2 Prozent aller Steuereinnahmen. Damit löse der Sport höhere Einnahmen aus als die Tourismuswirtschaft.

Die fünf Milliarden Euro machten 2,8 Prozent des Gesamtumsatzes der Privatwirtschaft im Norden aus, hat Flatau errechnet. 45000 Arbeitsplätze würden landesweit daran hängen. Das seien 4,9 Prozent aller Arbeitsplätze und damit sogar mehr als in der maritimen Wirtschaft. Allein 118 Millionen Euro Umsatz würden bei großen Sport-Events gemacht. Gleich nach der Kieler Woche mit Ausgaben von rund 60 Millionen Euro folgt nach Flataus Auswertungen auf Platz zwei die Travemünder Woche mit 20 Millionen Euro Umsatz. Und: Müsste man die 170000 Ehrenamtler in den 2600 Vereinen für ihre Leistung als Trainer, Ballwart oder in den Vorständen wie Angestellte bezahlen, würde das über 180 Millionen Euro Lohn pro Jahr kosten.

Der Sport habe neben seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung eine hohe wirtschaftliche Relevanz, sagt Tiessen. Das dürfe jetzt auch als wissenschaftlich erwiesen gelten. Die Konsequenz müsse eine deutlich höhere Sportförderung durchs Land sein. „Jeder in Sport investierte Euro rechnet sich doppelt und dreifach“, so Tiessen. Allein bei den Sportstätten gebe es aber einen Sanierungsstau von 100 Millionen Euro. Die Untersuchung habe den Blick für die wirtschaftliche Bedeutung des Sports geschärft, sagt auch IHK-Vizechef Klaus-Hinrich Vater. Die Politik sollte handeln und auch im Kleinen für Erleichterungen sorgen. So müssten Arbeitnehmer etwa immer noch einen geldwerten Vorteil versteuern, wenn eine Firma einer Betriebssportgruppe kostenlos Trikots zur Verfügung stelle.

CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote kündigte an, die Sportförderung 2018 aufstocken zu wollen. Um wie viel, sagte er nicht. Die Landesregierung habe in einem Nachtragshaushalt 15 Millionen Euro für den Sport bereitgestellt. Kritik daran kommt von der SPD: „In den neuesten Sportförderrichtlinien sind sämtliche Mittel für Großprojekte verplant“, sagt die Abgeordnete Kathrin Wagner-Bockey. Dabei sei es der Breitensport, der größere Unterstützung brauche.

Wolfram Hammer

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