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Wo Lübecks Straßenbahnwagen stehen

Schönberg/Lübeck Wo Lübecks Straßenbahnwagen stehen

Die alten Waggons fristen in einer Halle im Kreis Plön ein Schattendasein. Ein Verein sucht Helfer, um sie zu restaurieren.

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Als die Straßenbahn noch durch Lübeck fuhr: Dieses Bild entstand am 10. November 1959 auf dem Koberg, wenige Tage vor Betriebsende.

Schönberg. Große Löcher klaffen in den Dächern der alten Straßenbahnwagen, Regenwasser hat sie in den zurückliegenden 30 Jahren rosten lassen. So lange stehen die fünf Waggons, die einst durch Lübeck rollten, bereits auf dem Museumsbahnhof Schönberger Strand im Kreis Plön. Der Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn rettete sie Mitte der 1980er Jahre vor den Schrotthändlern, doch danach blieben sie — abgestellt in einer großen Halle — nahezu unbeachtet. „Sie pflegen hier ein stilles Dasein“, sagt Vereinsmitglied Helge Eggert. „Es kümmert sich keiner richtig darum.“

Die alten Waggons fristen in einer Halle im Kreis Plön ein Schattendasein.

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Während andere Straßenbahnwagen aus Hamburg, Hannover oder Kiel repariert wurden und inzwischen auf dem Gelände herumfahren, geschah mit den Lübeckern fast gar nichts. 200000 bis 300000 Euro würde es kosten, einen Straßenbahnwagen von einer professionellen Firma restaurieren zu lassen, schätzt Eggert. „Das Geld haben wir nicht, deshalb machen wir alles in Eigenarbeit.“ Rund 300

Mitglieder haben die Verkehrsamateure, aber nur 20 bis 30 von ihnen beteiligen sich aktiv am Vereinsleben. Insbesondere aus dem Raum Lübeck fehlen Ehrenamtler. Deshalb seien die Wagen aus der Hansestadt bisher vernachlässigt worden.

Die Wagen vom Typ Düwag sind Baujahr 1950/51. Sie waren nur wenige Jahre in Lübeck im Einsatz, denn bereits in der Nacht vom 15. auf den 16. November 1959 rollte die letzte Straßenbahn durch die Hansestadt. Dann wurde der Betrieb eingestellt. Schuld am Aus war die neue Bau- und Betriebsordnung, die ab 1. Januar 1960 galt. „Sie schrieb zum Beispiel vor, dass sämtliche Scheiben aus Sicherheitsglas sein mussten“, sagt Eggert. Zudem sollten alle Straßenbahnen mit Magnetschienenbremsen ausgerüstet sein. Lübeck habe zwar einige moderne Wagen gehabt, die diese neuen Anforderungen erfüllten, aber nicht genügend, um das gesamte Netz aufrecht zu erhalten. „Lübeck war deshalb eine der ersten Städte in Deutschland, die die Straßenbahn aufgegeben hat“, berichtet Eggert. „Denn das Nachrüsten war den Lübeckern zu teuer.“

Die neueren Wagen seien nach Betriebsschluss nach Kiel verkauft worden. Dort fuhren sie noch bis 1985 herum, bevor auch in der Landeshauptstadt die Straßenbahn eingestellt wurde. Statt Lübecker Haltestellen sind deshalb nur Kieler Straßennamen auf den alten Wagen zu lesen. Einige Waggons gingen zudem von Lübeck nach Braunschweig, wo sie bis 1967 im Einsatz waren. Denn nur in diesen drei Städten hatte die Straßenbahn eine Spurweite von 1100 Millimetern, ansonsten fuhren die Straßenbahnen auf der Normalspur (1435 Millimeter). Auf dem Gelände des Museumsbahnhofes gibt es Gleise für beide Spurweiten, sodass auch die Lübecker Wagen dort theoretisch fahren könnten.

„Für uns Straßenbahner ist es ein Traum, die Wagen zu restaurieren“, sagt Helge Eggert. Der gebürtige Schwede hat einen Teil seiner Kindheit in Hamburg verbracht und damals seine Liebe zur Straßenbahn entdeckt. „Ich bin damit immer zur Schule gefahren“, sagt er. Als er nach seiner Pensionierung vor drei Jahren zurück nach Deutschland kam, wurde er durch Zufall bei einem Ausflug an die Ostsee auf den Museumsbahnhof aufmerksam. Der 66-Jährige hofft, dort auch bald die Lübecker Wagen in Aktion zu erleben. „Eines Tages sollen diese Wagen fahren, und das werden wir auch hinbekommen“, sagt er.

Der Anfang wurde bereits gemacht. Zwei Wagen haben einen neuen Farbanstrich bekommen. „Als nächstes wollen wir die Dächer schweißen, damit kein Wasser mehr hineinlaufen kann.“ Im Inneren der Waggons sieht es allerdings noch chaotisch aus. Viele alte Teile, von der Handbremse bis zur Heizung, stapeln sich dort. Eggert: „Wir suchen noch Leute, die sich um die Lübecker Wagen kümmern und uns bei der Restaurierung helfen.“

Anfang als Pferdebahn
1881wurde in Lübeck erstmals eine Pferdebahn in Betrieb genommen, 1893/94 wurden die Strecken elektrifiziert. Viele Jahre bestand das Netz nur aus reinen Stadtstrecken, erst 1911 und 1912 wurden auch Überlandlinien nach Kücknitz mit Zweigstrecken Richtung Herrenwyk und Schlutup sowie nach Schwartau eröffnet.
1914 bestand das Netz aus 15 Linien. Es war die Hochzeit der Lübecker Straßenbahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Zahl der Fahrgäste, stattdessen gewannen Busse an Bedeutung. Mitte der 50er Jahren wurden immer mehr Strecken eingestellt, im November 1959 folgte dann das endgültige Aus der Lübecker Straßenbahn.

Janina Dietrich

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