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Norddeutschland Wo der Hund begraben liegt
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17:07 08.09.2013
Auf dem Friedhof in Hamburg-Jenfeld werden im Jahr etwa 80 bis 100 Haustiere beigesetzt. Quelle: Dirk Hourticolon

Das Holzkreuz hat ihr Mann selbst gebaut. „Rusty“ steht in der Mitte, dazu links das Geburtsjahr 1997, rechts das Sterbejahr 2006. „Er ist krank gewesen“, erzählt Angelika Ahlers-Finke und richtet die letzte Ruhestätte ihres Mischlingshundes weiter her. Weiße und rosafarbene Eisbegonien blühen auf dem Grab. „Ich war zwei Wochen schon nicht mehr hier“, sagt sie fast entschuldigend. Seit seinem Tod vor sieben Jahren besucht die 64-Jährige regelmäßig ihren Vierbeiner auf dem Tierfriedhof Jenfeld in Hamburg. „Ich habe etwas gegen Verbrennung und wir haben kein Grundstück“, sagt Angelika Ahlers-Finke. Sie wollte einen Ort haben, an dem man auch einen Augenblick verweilen könne. „Das ist wunderbar hier.“

Immer mehr Menschen lassen ihre Tiere bestatten. Die Zahl hat sich nach Angaben des Informationsportals bestattungen.de in Deutschland seit 2010 um knapp 74 Prozent auf 160 000 im Jahr erhöht.

Auch im Norden steigt die Nachfrage. „Es ist deutlich mehr geworden“, bestätigt Rigmor Grieser, die mit ihrem Mann Michael die Firma Tierbestattung „Im Rosengarten“ in Neustadt/Holstein betreibt. Zu zweit hat das Ehepaar im Jahr 2005 angefangen, mittlerweile werden sie von zwei Mitarbeiterinnen unterstützt. „Tiere haben einen ganz anderen Stellenwert als früher“, sagt die 57-Jährige. „Das sind Familienmitglieder.“

„Ihr seid unvergessen“

Neben Einäscherungen bietet die Firma Tierbestattung „Im Rosengarten“ auch Seebestattungen oder Beisetzungen auf Tierfriedhöfen an. „Zumeist werden die Tiere einzeln eingeäschert“, sagt Rigmor Grieser. Jährlich bestatten die Neustädter etwa 1100 Tiere — vom Kaninchen über Vogel bis zum Hund. Auf dem Friedhof in Jenfeld werden pro Jahr 80 bis 100 Tiere beigesetzt. Pächter Maik van Freeden hat im Jahr 2005 als Tierbestatter angefangen. „Ich habe einen Bericht im Fernsehen gesehen und mich gefragt, wieso es so etwas nicht in Lübeck gibt“, sagt der 48-Jährige.

Eigentlich wollte der Ahrensböker in der Hansestadt einen Tierfriedhof eröffnen, doch die Bürgerschaft lehnte die Einrichtung ab. Im Oktober 2011 übernahm van Freeden die Leitung des Tierfriedhofs im Osten Hamburgs. 600 Gräber sind auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück derzeit belegt. „Ihr seid unvergessen“, „Our beloved clown“, „Wir vermissen euch“, ist auf den Grabsteinen zu lesen. Die trauernden Herrchen und Frauchen haben die Gräber ihrer geliebten Vierbeiner häufig aufwendig gestaltet. Lichter, Blumen, Engelfiguren, bunte Windräder und Fotos der Hunde, Katzen und Kaninchen zieren die letzten Ruhestätten. „Wir haben aber auch Dingos oder Papageien hier“, sagt Maik van Freeden. Auf dem Friedhof in Flensburg soll sogar eine Schlange begraben sein. Den größten Anteil nehmen in Jenfeld aber Hunde ein.

Ein Ort zum Erinnern

Sonnenstrahlen fallen durch die dichten Bäume und tauchen die Gräber in ein sanftes Licht. „Einige kommen am Sonntag, bringen sich einen Kaffee mit und lesen“, sagt van Freeden. Jürgen Döring will an diesem Morgen nur schnell nach dem Rechten schauen und die Blumen gießen. Der Rechtsanwalt lebt in Österreich. Einmal im Monat ist er beruflich in Hamburg — und besucht dann auch seine verstorbenen Tiere. „Wir sind unzertrennlich“, steht auf dem Grabstein, darunter „Webster“, „Schnuffi“, „Carlos“ und „Maxi“. Döring ist viel in der Welt unterwegs, deshalb entschied er sich für ein Grab auf dem Tierfriedhof. „Ich wollte eine Stätte, wo man hingehen kann“, sagt er. Im kommenden Jahr zieht er wahrscheinlich nach Texas in die USA — die Grabstätte bleibt bestehen. „Wir halten keine Hunde“, sagt der 64-Jährige. „Wir verbringen das Leben mit ihnen.“ Auch nach ihrem Tod sollen seine vierbeinigen Gefährten ein Teil davon bleiben.

Grab muss für fünf Jahre gepachtet werden
Tierfriedhöfe gibt es in Schleswig-Holstein unter anderem in Niederkleveez (Kreis Plön), Norderstedt (Kreis Segeberg) und Timmaspe (bei Neumünster). Auf dem Tierfriedhof in Hamburg-Jenfeld kostet eine Beisetzung je nach Größe des Tieres zwischen 150 und 240 Euro, das Grab muss mindestens für fünf Jahre gepachtet werden, ein kleines kostet pro Jahr 80, ein großes 90
Euro. Die Firma Tierbestattung „Im Rosengarten“ bietet zum Beispiel eine Einäscherung mit einer einfachen Urne für Tiere von 4,1 bis zehn Kilogramm für 254 Euro an.
• Weitere Informationen unter www.tierfriedhof-jenfeld.de und www.tierbestattung-luebeck-kiel.de

Julia Konerding

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