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Wo die Störche sich am wohlsten fühlen

Norddeutschland Wo die Störche sich am wohlsten fühlen

Die ersten Störche sind da. Was zieht sie so früh zurück in den Norden? Wir besuchten drei Nest-Standorte und sprachen mit den Storchenvätern.

Die Störche im Lauenburgischen.

Quelle: Lutz Roeßler

Groß Berkenthin, Nusse und Lanze. Der erste Storch kam schon am 7.Februar: In Groß Berkenthin (Kreis Herzogtum Lauenburg) landete Meister Adebar in seinem Nest. Ein gefiederter Frühjahrsbote mitten im Winter. In Hegebuchenbusch (Kreis Segeberg) kehrte der erste Storch am gleichen Tag zurück. Weiter ging’s in Lasbek (Stormarn) und andernorts – insgesamt sehr früh.
„Wir wissen nicht genau, ob das mit dem Klimawandel zusammenhängt“, sagt Trudel Borck (64) vom Naturschutzbund (Nabu) in Mölln. Sobald es wärmer werde, flögen die Störche aus dem Süden wieder in den Norden. Normalerweise Anfang März, doch es wird immer früher. Ein Phänomen, das auch in anderen Regionen beobachtet wird. Fakt sei aber auch, so Borck, dass die frühen Vögel meist in Südeuropa – etwa Spanien – überwintern und so einen kürzeren Weg haben als Artgenossen aus Afrika, die noch erwartet werden.

In Berkenthin wartet immer ein gemachtes Nest

 

Willi Clasen (68) aus Groß Berkenthin wundert sich nicht mehr, wenn er Anfang Februar aus dem Fenster schaut und sieht, dass „sein“ Storch wieder da ist. Dieses Jahr war das am 7. Februar. „In den letzten drei Jahren kam er eigentlich immer so früh.“ Warum, das kann Clasen sich auch nicht recht erklären. Seit über 20 Jahren schon betreut er die Adebare. „Früher war das Nest auf dem Bauernhof nebenan“, erinnert er sich. Irgendwann aber hätten die Störche wohl nicht mehr genug Nahrung in der Umgebung gefunden und seien ausgeblieben. Als er sie dann doch wieder in der Nähe beobachten konnte, dachte sich Willi Clasen: „Dann brauchen die auch wieder ein Nest.“ Er organisierte einen alten Telegrafenmast, die Feuerwehr bereitete den Horst darauf vor. Das war 1994. „Seitdem sind die Störche jedes Jahr wiedergekommen.“ Sie haben es gut bei den Clasens. Der Hofbesitzer sorgt dafür, dass Reisig da ist. „Das holen sie sich dann und legen es sich so hin, wie sie es brauchen.“Wenn der Storchenvater merkt, dass die Störche bis spät am Abend wegbleiben, weiß er, dass sie zu wenig Nahrung finden. „Das ist besonders schlimm, wenn sie Junge haben. Sie werfen ihren Nachwuchs aus dem Nest oder fressen ihn sogar.“ Deshalb bietet Clasen dann etwas Hackfleisch als Zusatzfutter an. „So kommen sie immer gut über den Sommer.“

Ein Nest auf dem Schornstein in Nusse

Zehn Jahre dauerte es, bis der Storch das Nest annahm, das Ulrich Stange (60) ihm in Nusse (Kreis Herzogtum Lauenburg) gebaut hatte. „Ich hatte diese alte Tabak-Trocknungsanlage mit dem hohen Schornstein“, sagt der gelernte Landwirt und Gärtner. „Sie wurde nicht mehr gebraucht, und ich dachte: Das ist doch ideal für ein Storchennest.“

Der Naturfreund setzte 1994 eine Plattform auf den Schornstein. „2004 kam der erste Storch. Aber er baute sein Nest zu klein.“ Ulrich Stange fuhr zum Wildpark Eekholt (Kreis Segeberg), informierte sich, was ein Storch braucht und verbesserte den Horst. Seither gibt es regelmäßig Nachwuchs. „Ich hab‘ mal gesehen, wie unser Storch einen Nebenbuhler vertrieben hat“, berichtet der Gärtner. „Die kämpfen bis aufs Blut. Beide Tiere waren verletzt.“

Er hat auch schon beobachtet, wie die Störche Junge aus dem Nest warfen, weil sie zu wenig Nahrung hatten. Seither füttert er etwas zu, wenn es eng wird für die Adebare. In diesem Jahr kamen sie am 22. und 23. Februar zu ihm zurück.

Die Rückkehr auf den Storchen-Bauernhof in Lanze

Horst Gebert (77) aus Lanze (Kreis Herzogtum Lauenburg) besitzt ein Gemälde von 1926. Es zeigt das alte Bauernhaus, in dem er wohnt — und auf dem Dach sitzen drei Störche. „Die kommen wohl schon sehr lange hierher“, sagt der Rentner. Das Bild erwarb sein Vater 1934 mit dem Hof. „Es gehört zum Haus.“ Die Störche waren hübsch, machten aber auch viel Dreck, erinnert sich Gebert, der auf dem Hof aufgewachsen ist. Als das Dach des Hauses vor über 20 Jahren neu gedeckt wurde, verschwand das Storchennest. Und mit ihm die Störche. Irgendwann vermisste Horst Gebert sie dann aber doch. „Ich wollte denen helfen.“

So kam es, dass vor zwölf Jahren vor seinem Haus ein neues Storchennest gebaut wurde, auf einem alten Telegrafenmast. „Das lief damals über den Bürgermeister.“ Die Baumaßnahme hatte Erfolg, die Störche kehrten auf den Hof zurück. Seither erfreuen sich die Bewohner an dem Anblick. „Ich bin doch ein Tierfreund“, sagt Horst Gebert stolz. Das mit den Störchen hat er gut gemacht.

 Marcus Stöcklin

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