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Norddeutschland Wo die dicken Pötte dirigiert werden
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21:10 25.07.2018
Riesige Monitore: Ein Blick in die Nautische Zentrale des Hamburger Hafens. Quelle: Fotos: Daniel Bockwoldt/dpa

Langsam schiebt sich von links der Bug der „MOL Trust“ vor die Fensterfront im Arbeitszimmer von Jörn Warwel. Der Frachter der japanischen Reederei MOL Mitsui O.S.K. Lines ist eines der größten Containerschiffe der Welt und kann mehr als 20 000 Containereinheiten (TEU) transportieren. Es dauert zwei Minuten, bis der 400 Meter lange Schiffskörper auf seinem Weg zum Burchardkai das Gebäude der Nautischen Zentrale passiert hat und den Blick auf die gegenüberliegende Elbseite und die Villen an der Elbchaussee wieder freigibt. „Die Länge ist nicht das Problem“, sagt der 54-jährige Warwel. „Aber die Breite.“

Warwel ist Chef der Nautischen Zentrale und verantwortlich für die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs im Hamburger Hafen. Das ist eine komplexe Aufgabe. Rund 9000 Seeschiffe erreichen jährlich den Hafen und legen auch wieder ab. Dazu kommen mehr als 6000 Schiffsbewegungen innerhalb des Hafens. Große Seeschiffe und kleinere Zubringer, Binnenschiffe und Kreuzfahrer, Hafenfähren, Schlepper und Massengutfrachter scheinen kreuz und quer zu fahren. Doch tatsächlich steht dahinter ein Plan. Und den macht die Nautische Zentrale.

„Jedes Schiff muss bei uns mindestens 24 Stunden im Voraus angemeldet werden“, erklärt Warwel. „Von den großen Schiffen wissen wir etwa drei bis vier Tage zuvor, wann sie kommen.“ Ohne die 27 Nautiker in der Zentrale, die sich in Zwölf-Stunden-Schichten rund um die Uhr ablösen, könnte der Hamburger Hafen nicht funktionieren. Gemeinsam mit den Kapitänen und Offizieren der Schiffe und den Hafenlotsen dirigieren sie die Schiffe an die Kaikanten.

Im vergangenen Jahr erreichten mehr als 1000 Schiffe den Hafen, die länger als 330 Meter und breiter als 45 Meter waren. Im ersten Halbjahr 2018 waren es bereits 519 Ozeanriesen. Eine Herausforderung. Gleich hinter der Landesgrenze beginnt elbabwärts ein 40 Kilometer langer Flussabschnitt, an dem sich nur Schiffe begegnen dürfen, die zusammen nicht breiter als 90 Meter sind. Ein großes Containerschiff wie die „MOL Trust“ ist alleine schon fast 60 Meter breit. Da bleibt nicht viel Platz.

Die zweite schwere Einschränkung für die Erreichbarkeit des Hafens ist durch die Tide bedingt, den Wechsel von Ebbe und Flut. Auch 145 Kilometer entfernt vom offenen Meer schwankt der Wasserspiegel in den Hafenbecken noch im Durchschnitt um 3,70 Meter. Damit ist der Tiefgang der Schiffe begrenzt. Kleinere Schiffe, die unabhängig von der Tide in den Hafen ein- und auslaufen, dürfen höchstens 12,80 Meter Tiefgang haben.

Größere Schiffe nutzen die Flutwelle elbaufwärts und dürfen nicht mehr als 15,10 Meter Tiefgang aufweisen, in entgegengesetzter Richtung bis zu 13,80 Meter. Für große Containerschiffe oder Erzfrachter bedeutet das: Sie können voll beladen Hamburg nicht erreichen und ihnen steht nur ein gewisses Zeitfenster zur Verfügung, um den Hafen zu erreichen und zu verlassen.

Vor zehn oder 20 Jahren waren die Dimensionen heutiger Schiffe schwer vorstellbar. Die Infrastruktur aus Kaianlagen und Containerbrücken musste nachgebessert werden. Nun wartet die Hafenwirtschaft dringend auf die Vergrößerung der Elb-Fahrrinne, die nach vielen Verzögerungen Ende des Jahres beginnen könnte.

Von Eckart Gienke

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