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Norddeutschland Wölfe im Norden auf Vormarsch – droht Schafzüchtern das Aus?
Nachrichten Norddeutschland Wölfe im Norden auf Vormarsch – droht Schafzüchtern das Aus?
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20:00 23.09.2016
Der Bestand an Wölfen in Deutschland ist binnen eines Jahres kräftig von 31 auf nunmehr 46 Rudel angewachsen. Quelle: dpa

Eine Freude für Tierschützer, ein Graus für Schaf- und Ziegenzüchter. Der Bestand an Wölfen in Deutschland ist binnen eines Jahres kräftig von 31 auf nunmehr 46 Rudel angewachsen. Vor allem die Populationen in unseren norddeutschen Nachbarländern wuchsen: In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es mittlerweile acht Rudel, so die neueste Erhebung der Dokumentations- und Beratungsstelle zum Wolf (DBBW). Nach Ansicht des Nabu- Wolfsexperten Markus Bathen ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Schleswig-Holstein zum „Wolfsland“ wird, in dem sich Rudel ansiedeln. Bislang ziehen Tiere aus den Nachbarländer durch das nördliche Bundesland, tappen in Fotofallen, reißen aber auch Nutztiere.

Die Schaf- und Ziegenzüchter sehen den Vormarsch des Wolfes äußerst kritisch. „Aus Sicht der Schafhaltung brauchen wir den Wolf nicht“, sagt Janine Bruser vom Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V. den LN. Rund 190 000 Schafe werden im Land gehalten, von 200 professionellen sowie etwa 1500 privaten Schafhaltern. Mehr als zwei Drittel der Tiere weideten auf den Deichen an der Nordsee. Der Schutz vor Wölfen, wie er etwa in der Lausitz mit elektrischen Schutzzäunen vorgenommen werde, sei auf den ausgedehnten Flächen „arbeitstechnisch nicht machbar“, erklärt Bruse. Auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden, etwa Pyrenäen- Berghunden, habe Nachteile. Für die Anschaffung müsse ein Schäfer etwa 3000 Euro sowie für Futter pro Jahr weitere 1000 Euro ausgeben. Hinzu komme, dass die Hunde die Herden auch gegenüber Spaziergängern „verteidigen“.

Wenige Vorfälle im „Wolfsjahr“

30 potenzielle Wolfsrisse“ sind im vergangenen „Wolfsjahr“ – von Anfang Mai 2015 bis Ende April 2016 – gemeldet worden. In 22 Fällen konnten Wölfe als Verursacher allerdings ausgeschlossen werden. „Täter“ waren offenbar wildernde Hunde. In sieben Fällen konnten Wölfe nicht sicher ausgeschlossen werden. In einem Fall gelang der genetische Nachweis, dass Isegrim zugeschlagen hatte.

Seit etwa 100000 Jahren leben Wölfe in ganz Europa und anderen Gebieten der Erde. Im 19. Jahrhundert wurden sie so stark bejagt, dass sie hier praktisch ausgerottet waren. Heute stehen Wölfe unter strengem Artenschutz und dürfen nicht bejagt werden.

Im Moment gebe es keine Lösung, die Schafe und Wölfe nebeneinander existieren lasse. „Wenn sich der Wolf im Norden weiter ausdehnt, geht die Schaf- und Ziegenzucht kaputt“, blickt Janine Bruse skeptisch in die Zukunft. Sie ärgert sich zudem über die Ansicht mancher Naturschützer, die Schafzüchter würden für vom Wolf getötete Tiere stattliche Ausgleichszahlungen kassieren. Dieses Geld gleiche zwar den unmittelbaren Schaden für den Tierverlust etwas aus. Doch unberücksichtigt bleibe, dass Herden, die von Wölfen angegriffen wurden, extrem verstört seien und erst einmal eingestallt werden müssten. Sie könnten tagelang nicht auf die Weide. Häufig verlören trächtige Mutterschafe nach den Attacken ihre ungeborenen Lämmer.

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) sagt den LN: „Auch wenn wir bislang keinerlei Anzeichen haben, dass sich Wölfe hier als Rudel niederlassen, ist klar: Wir müssen uns darauf einstellen, mit dem Wolf zu leben.“ Er verwies zugleich auf das neu aufgestellte Wolfsmanagement des Landes, das gemeinsam mit Schäfern, Jägern und Naturschützern am Runden Tisch erarbeitet worden sei.

Von Reinhard Zweigler

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