Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Wölfe im Norden auf Vormarsch – droht Schafzüchtern das Aus?

Berlin/Kiel Wölfe im Norden auf Vormarsch – droht Schafzüchtern das Aus?

Experten glauben: Bald gibt es hier Rudel. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) wirbt für „Leben mit dem Wolf“

Der Bestand an Wölfen in Deutschland ist binnen eines Jahres kräftig von 31 auf nunmehr 46 Rudel angewachsen.

Quelle: dpa

Berlin/Kiel. Eine Freude für Tierschützer, ein Graus für Schaf- und Ziegenzüchter. Der Bestand an Wölfen in Deutschland ist binnen eines Jahres kräftig von 31 auf nunmehr 46 Rudel angewachsen. Vor allem die Populationen in unseren norddeutschen Nachbarländern wuchsen: In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es mittlerweile acht Rudel, so die neueste Erhebung der Dokumentations- und Beratungsstelle zum Wolf (DBBW). Nach Ansicht des Nabu- Wolfsexperten Markus Bathen ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Schleswig-Holstein zum „Wolfsland“ wird, in dem sich Rudel ansiedeln. Bislang ziehen Tiere aus den Nachbarländer durch das nördliche Bundesland, tappen in Fotofallen, reißen aber auch Nutztiere.

Die Schaf- und Ziegenzüchter sehen den Vormarsch des Wolfes äußerst kritisch. „Aus Sicht der Schafhaltung brauchen wir den Wolf nicht“, sagt Janine Bruser vom Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V. den LN. Rund 190 000 Schafe werden im Land gehalten, von 200 professionellen sowie etwa 1500 privaten Schafhaltern. Mehr als zwei Drittel der Tiere weideten auf den Deichen an der Nordsee. Der Schutz vor Wölfen, wie er etwa in der Lausitz mit elektrischen Schutzzäunen vorgenommen werde, sei auf den ausgedehnten Flächen „arbeitstechnisch nicht machbar“, erklärt Bruse. Auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden, etwa Pyrenäen- Berghunden, habe Nachteile. Für die Anschaffung müsse ein Schäfer etwa 3000 Euro sowie für Futter pro Jahr weitere 1000 Euro ausgeben. Hinzu komme, dass die Hunde die Herden auch gegenüber Spaziergängern „verteidigen“.

Wenige Vorfälle im „Wolfsjahr“

30 potenzielle Wolfsrisse“ sind im vergangenen „Wolfsjahr“ – von Anfang Mai 2015 bis Ende April 2016 – gemeldet worden. In 22 Fällen konnten Wölfe als Verursacher allerdings ausgeschlossen werden. „Täter“ waren offenbar wildernde Hunde. In sieben Fällen konnten Wölfe nicht sicher ausgeschlossen werden. In einem Fall gelang der genetische Nachweis, dass Isegrim zugeschlagen hatte.

Seit etwa 100000 Jahren leben Wölfe in ganz Europa und anderen Gebieten der Erde. Im 19. Jahrhundert wurden sie so stark bejagt, dass sie hier praktisch ausgerottet waren. Heute stehen Wölfe unter strengem Artenschutz und dürfen nicht bejagt werden.

Im Moment gebe es keine Lösung, die Schafe und Wölfe nebeneinander existieren lasse. „Wenn sich der Wolf im Norden weiter ausdehnt, geht die Schaf- und Ziegenzucht kaputt“, blickt Janine Bruse skeptisch in die Zukunft. Sie ärgert sich zudem über die Ansicht mancher Naturschützer, die Schafzüchter würden für vom Wolf getötete Tiere stattliche Ausgleichszahlungen kassieren. Dieses Geld gleiche zwar den unmittelbaren Schaden für den Tierverlust etwas aus. Doch unberücksichtigt bleibe, dass Herden, die von Wölfen angegriffen wurden, extrem verstört seien und erst einmal eingestallt werden müssten. Sie könnten tagelang nicht auf die Weide. Häufig verlören trächtige Mutterschafe nach den Attacken ihre ungeborenen Lämmer.

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) sagt den LN: „Auch wenn wir bislang keinerlei Anzeichen haben, dass sich Wölfe hier als Rudel niederlassen, ist klar: Wir müssen uns darauf einstellen, mit dem Wolf zu leben.“ Er verwies zugleich auf das neu aufgestellte Wolfsmanagement des Landes, das gemeinsam mit Schäfern, Jägern und Naturschützern am Runden Tisch erarbeitet worden sei.

Von Reinhard Zweigler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!

Sollte die Direktwahl von Bürgermeistern abgeschafft werden?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.