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Norddeutschland Zahl der Bewerber für den Polizeidienst geht zurück
Nachrichten Norddeutschland Zahl der Bewerber für den Polizeidienst geht zurück
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21:09 09.01.2018
Trainiert werden angehende Polizisten unter anderem in Eutin (Kreis Ostholstein) bei der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung. Quelle: Warmuth/dpa
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Kiel

Nur 2766 Bewerbungen liegen für 2018 bei der Landespolizei bislang vor – das sind 1000 Bewerbungen weniger als vor einem Jahr für einen Ausbildungsbeginn 2017. Nur 2012 und 2015 meldeten sich weniger junge Leute. „Aber: Damals wurden nicht 400 Anwärterinnen und Anwärter eingestellt, sondern zwischen 210 und 275“, sagt Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel. Durch diese Erhöhung der Kapazität der Polizeischul-Jahrgänge 2018, 2019 und 2020 sollten die zusätzlichen Beamten gewonnen werden, so hatten es CDU, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart. Auch die SPD plädierte für mehr Polizisten.

Ob die Anzahl der Bewerber jetzt für die Besetzung aller 400 Ausbildungsstellen ausreicht? Stelck ist skeptisch: „Wir gehen davon aus, dass es ein enges Rennen wird.“ Denn: Abstriche bei der Leistungsfähigkeit der künftigen Anwärter wolle man nicht machen. Man setze bei der Polizei jetzt darauf, dass bis Ende des Monats noch weitere Bewerbungen eingehen – von Spätentschlossenen etwa, die sich bald mit einem Zwischenzeugnis in der Hand die Frage stellen würden, welcher Beruf für sie der richtige sei. Und es sei ja am Ende „auch nicht die reine Anzahl der Bewerbungen ausschlaggebend, sondern die Eignung der Bewerberinnen und Bewerber“, sagte Stelck. Bis einschließlich 31. Januar jedenfalls stünden die Bewerbungsunterlagen noch zum Download bereit, heißt es auf der Internetseite der Landespolizei.

In der Jamaika-Koalition stellt man sich derweil schon mal darauf ein, das ausgegebene Ziel von 500 zusätzlichen Polizisten ab dem Jahr 2023 nach hinten verschieben zu müssen. Wenn nicht genug geeignete Bewerber zu finden seien, „dann muss man das 500er-Ziel gegebenenfalls strecken“, sagt etwa der CDU-Landtagsabgeordnete und Innenpolitiker Tim Brockmann. Einfach jeden Bewerber in den Polizeidienst aufzunehmen, wäre für ihn der falsche Weg. Die wegbrechende Bewerberzahl führt Brockmann vor allem auf den demografischen Wandel zurück – die Zahl junger Leute nimmt generell ab. „Warum sollte es der öffentlichen Hand da besser gehen als der Wirtschaft?“ Auch Gewalt-Exzesse gegen Beamte wie beim G-20-Gipfel in Hamburg in diesem Sommer könnten Bewerber abschrecken. Gegenhalten müsse man durch Imagekampagnen und indem das Berufsbild des Polizisten attraktiver gemacht werde, zum Beispiel durch weniger Schichtdienst für ältere Beamte.

Der SPD-Innenpolitiker Kai Dolgner wertet die Zahlen ebenfalls als Symptom des Fachkräftemangels. Man habe zu SPD-Regierungszeiten daher schon die Einstiegsgehälter angehoben. Auch Ausbildung und Ausrüstung müssten zeitgemäß sein, um Bewerber zu überzeugen. An der personellen Aufstockung der Polizei will Dolgner aber festhalten. Sollten die 500 zusätzlichen Polizistenstellen nicht bis 2023 zu besetzen sein, müsse man eben auch weiterhin älteren Beamten anbieten, noch über ihr Pensionsalter von 62 Jahren hinaus eine Zeitlang Dienst zu tun.

Mehr Polizisten im Norden

6663 Polizeibeamte tun derzeit bei der Landespolizei ihren Dienst. Dazu kommen 1035 Anwärter in einem drei- oder vierjährigen Ausbildungsgang. Durch die Aufstockung der Ausbildungskapazitäten soll in Kürze zusätzliches Personal zur Verfügung stehen, so plant es die Landesregierung. 2020 sollen 200 neue Stellen besetzt werden, 2021 noch 120, 2022 dann 100 und 2023 noch einmal 80 zusätzliche Stellen. Damit wären dann 7163 Polizisten im Dienst.

 Wolfram Hammer

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