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Zahl der Einbrüche im Norden enorm gestiegen

Kiel Zahl der Einbrüche im Norden enorm gestiegen

Opposition fordert Maßnahmen. Der Landtag debattiert nächste Woche darüber. Innenminister Studt äußert sich heute.

Ein Kriminalbeamter sichert in Neumünster die Spuren nach einem Einbruch.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Wegen der drastischen Zunahme von Wohnungseinbrüchen und einer rückläufigen Aufklärungsquote in Schleswig-Holstein hat die Opposition die Landesregierung zu einer effektiveren Kriminalitätsbekämpfung aufgefordert. Eine um rund 50 Prozent gestiegene Zahl von Einbrüchen und eine Aufklärungsquote von nur etwa zehn Prozent seien nicht hinnehmbar, betonte der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing. „Angesichts der dramatisch gestiegenen Zahl der Einbruchsdelikte in den vergangenen Monaten muss die Landesregierung endlich eine personell und technisch starke Task Force einrichten“, forderte Liebing in einem Sofortprogramm zur inneren Sicherheit.

Eine viel zu dünne Personaldecke der Polizei im Bereich Einbruchskriminalität kritisierte auch die FDP. Im Laufe des Jahres 2015 seien rund 500 Polizeimitarbeiter fürs Flüchtlingsmanagement abgezogen worden, dies müsse korrigiert werden, sagte der FDP-Innenpolitiker Ekkehard Klug. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte wie die politische Opposition, dass auf dem Lande in mehreren Kreisen Polizeidienststellen geschlossen worden seien.

Innenminister Stefan Studt (SPD) kündigte an, heute auf einer Pressekonferenz mit der Polizeiführung über die aktuelle Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen zu informieren. Der Landtag wird sich nächste Woche mit dem Thema befassen. Die CDU setze den Kampf gegen Einbruchskriminalität auf die Tagesordnung des Parlaments, sagte Fraktionschef Daniel Günther. Die CDU fordert in einem Antrag neben einer ganzjährigen Task Force den Erhalt aller Polizeidienststellen auf dem Lande. Außerdem sollten Polizisten von nicht sicherheitsrelevanten Flüchtlingsaufgaben abgezogen und für die Bekämpfung der Einbruchskriminalität eingesetzt werden. Des weiteren fordert die CDU, Wohnungseinbruchsdiebstähle in den Katalog der schweren Straftaten aufzunehmen.

Die offizielle Kriminalitätsstatistik 2015 wird erst im Frühjahr veröffentlicht. Für die Entwicklung bis Ende September legte die Landesregierung im Oktober einen Zwischenstand vor, nach einer entsprechenden Kleinen Anfrage der FDP. Bis dahin waren bereits 5992 Einbrüche erfasst, die Aufklärungsquote lag nur noch bei 9,4 Prozent.

2014 hatte die Polizei laut Kriminalstatistik rund 7500 Wohnungseinbrüche bearbeitet, die Aufklärungsquote lag bei 12,6 Prozent. Die Quote sei 2015 auf etwa zehn Prozent gesunken, sagte GdP-Landesgeschäftsführer Karl-Hermann Rehr. Im Winter, der Hochsaison für Einbrüche, seien die Zahlen weiter gestiegen.

Der NDR hatte mit Quelle Landespolizeiamt berichtet, dass die Zahl der gemeldeten Einbrüche im November um 72 Prozent und im Dezember um 40 Prozent im Norden gestiegen sei — jeweils auf den Vorjahresmonat bezogen. Im November 2015 wurden demnach 1149 Einbrüche gemeldet und im Dezember 1309. Für die steigenden Zahlen hat die Polizei überregional agierende Banden vom Balkan und aus dem osteuropäischen Raum verantwortlich gemacht. Eine zweite Tätergruppe seien Drogensüchtige. Zur Frage, ob die gestiegene Zahl an Flüchtlingen 2015 ein entscheidender Grund für die Zunahme an Einbrüchen sei, sagte Rehr: „Zumindest fallen beide Phänomene zeitlich zusammen.“ Denn Albaner-Banden gebe es schon seit vielen Jahren, sie seien keine Erklärung für den Anstieg.

Das CDU-Sofortprogramm sieht auch eine engere Kooperation mit Hamburg und ein gemeinsames Lagezentrum vor. Ein gemeinsamer Ansatz zur Bekämpfung von Kriminalität in der Metropolregion fehle leider komplett, sagte Liebing. Günther ergänzte, „offensichtlich haben die Banden erkannt, dass sie in Schleswig-Holstein ihrem kriminellen Handwerk risikoärmer nachgehen können. Das darf nicht so bleiben.“

LN

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