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Norddeutschland Fahrschulen klagen: Tüv Nord bietet zu wenige Prüftermine
Nachrichten Norddeutschland Fahrschulen klagen: Tüv Nord bietet zu wenige Prüftermine
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21:21 28.07.2018
Grund für die zugespitzte Situation sei die hohe Zahl von sogenannten Führerschein-Umschreibern, heißt es vom Fahrlehrerverband. Quelle: Holger Hollemann/dpa

Die Fahrlehrer sind auf die Prüfer des Tüv Nord angewiesen, die dem Ansturm mit ihren Abnahmeterminen offenbar nur schwer nachkommen. Die Ausbildung der Fahrschüler zieht sich deshalb zu deren Unmut mitunter in die Länge.

„Alle Fahrschulen im Land kämpfen damit, die Prüfungen zeitnah hinzubekommen“, sagt Frank Walkenhorst, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Schleswig- Holstein aus Kiel. Dem Tüv, der das Monopol für die Prüfabnahme im Norden hält, attestiert Walkenhorst, sich immerhin jegliche Mühe zu geben.

Grund für die zugespitzte Situation sei die hohe Zahl von sogenannten Führerschein-Umschreibern. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Migranten und Asylbewerber. Sie bringen aus ihrem Heimatland eine Fahrerlaubnis mit, die hier aber nicht gültig ist. Die „Umschreiber“ müssen deshalb eine theoretische und eine praktische Prüfung neu ablegen – ohne vorherige Ausbildung im Fahrschulwagen.

Gleichzeitig tritt ein weiterer Effekt ein: Die Zahl der Prüflinge, die in der Theorie oder Praxis durchfallen, ist gestiegen. Die Wiederholer belegen weitere Termin. „Dass es vermehrt zu Verschiebungen von Prüfungen kommt, ist unschön“, sagt Walkenhorst. Regional betrügen die Wartezeiten auf Prüfungen bis zu vier Wochen, in Urlaubszeiten länger. Üblich sind 14 Tage. Bei manchen seiner Kollegen habe der Tüv Termine aus Personalnot auch schon mal kurzfristig abgesagt. Wenn Fahrschüler besonders lange auf ihre Prüfung warten müssen, kann eine Nachschulung nötig werden – die wegen zusätzlicher Fahrstunden ins Geld geht. „Diese Mehrkosten für den Prüfling stellen wir dem Tüv in Rechnung.“

Während 2013 etwa ein Viertel durch die theoretische Prüfung gerasselt ist, war es im vergangenen Jahr bereits ein Drittel der Schüler. In absoluten Zahlen wuchs der Umfang der theoretischen Prüfungen nach Angaben des Landesverkehrsbetriebs von knapp 50 000 auf 62 000. Aktuell schafft nicht mal mehr jeder Vierte die praktische Prüfung im ersten Anlauf. Bei Migranten seien Verständigungsprobleme eine hohe Hürde im praktischen Teil, so Walkenhorst. Konsequenz: Es werden immer mehr Prüfer gebraucht.

Der Tüv Nord hält die Terminverschiebungen aufgrund des hohen Prüfaufkommens für „minimal und zumutbar“. Personalmangel? Amtlich anerkannte Sachverständige würden kontinuierlich eingestellt und ausgebildet. Aus Fremdberufen könnten nur Kfz-Meister oder Diplom-Ingenieure nach einer zweijährigen Zusatzausbildung als Fahrprüfer zugelassen werden, teilt Tüv-Sprecher Rainer Camen mit. Der Fahrlehrerverband hält das für unzeitgemäß. Walkenhorst plädiert dafür, erfahrene Fahrlehrer als Prüfer zuzulassen. In Hamburg geschehe dies bereits.

Von Curd Tönnemann

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