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Norddeutschland Zahl der fettleibigen Kinder alarmierend hoch
Nachrichten Norddeutschland Zahl der fettleibigen Kinder alarmierend hoch
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21:46 25.01.2016
Weltweit 41 Millionen Jungen und Mädchen zu dick. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
Genf

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist alarmiert: Weltweit leiden mindestens 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). Zu diesem Ergebnis kommt die WHO in einer gestern vorgestellten Studie.

Auch in Deutschland zeigt sich eine deutliche Tendenz. „Ich gehe davon aus, dass die Zahlen für Deutschland weiter hoch sind“, sagt Dr. Stefanie Gerlach von der Deutschen Adipositas Gesellschaft. Die Expertin kann sich allerdings nicht auf eine aktuelle Basis gemessener Daten beziehen, das sei ein Manko in Deutschland. „Damit ist Deutschland kein Vorbild in Europa“, sagt Gerlach.

Studien-Ergebnisse von 2009 bis 2012 des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass 18,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von elf bis 17 Jahren übergewichtig bis adipös sind. 2006 lag die Zahl bei 18,8 Prozent. „Die Prävalenzen für Übergewicht inklusive Adipositas stagnieren zwar, sind jedoch nach wie vor besorgniserregend hoch“, sagt Sprecherin Judith Petschelt.

Nach Einschätzung der Mediziner ist die Tendenz auch im Norden alarmierend. „Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder“, sagt Kinderarzt Dr. Julian Glattfelter aus Groß Grönau. In den letzten 20 bis 25 Jahren hätte Adipositas bei Kindern enorm zugenommen.

Grund für Übergewicht seien Bewegungsmangel und falsche Ernährungsgewohnheiten. Stefanie Gerlach gibt der Politik die Schuld und betont: „Wir leben in einer übergewichtsfördernden Umwelt.“ Ungesunde Lebensmittel seien billiger, gesunde Produkte teurer. „Deshalb ist die Deutsche Adipositas Gesellschaft für eine Steuer auf ungesunde Produkte“, sagt Gerlach. Glattfelter spricht sich derweil für eine Kennzeichnung von Lebensmitteln aus.

Das Gesundheits-Ministerium in Kiel bewertet die Vorschläge kritisch. „Letztlich kommt es auf eine Eigenmotivation an, die über regulative Maßnahmen wie eine Steuer auf bestimmte Lebensmittel nicht geweckt wird“, sagt der stellvertretende Ministeriumssprecher Frank Strutz-Pindor. Ziel sei es, Gesundheitsbewusstsein und gesundes Verhalten in der Alltagskultur zu verankern.

Dass die Bedeutung von Sport in Familien, Schulen und Kitas noch höher bewertet wird, wünscht sich Carsten Bauer, Geschäftsführer der Sportjugend Schleswig-Holstein. In Sportvereinen gehen die Mitgliederzahlen weiter zurück.

Mit der Initiative „Kinder in Bewegung“ versucht der Verband, Kinder ganz früh an die Freude an Bewegung heranzuführen. „Unser Ziel: kein Kind ohne Sport. Von diesem Ziel sind wir aber noch weit entfernt“, sagt Bauer.

Beke Zill

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