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Norddeutschland Zahnfeen erobern das Fernsehen
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21:12 30.08.2016
Henry Olberg (65) und seine Ehefrau Tatjana (51) haben die Kinderserie „Die magischen Zahnfeen“ gemeinsam entwickelt. Quelle: Lutz Roeßler
Norderstedt

Henry Olberg (65) musste sein Leben lang oft zum Zahnarzt. „Meine Zähne sind nicht die besten“, sagt er bedauernd. Aber sie haben ihn auf eine gute Geschäftsidee gebracht. Denn als Henry Olberg in den 90er Jahren in England lebte, ermunterte ihn sein dortiger Arzt, die Geschichte mit der Zahnfee genauer zu durchdenken. „Da musst du mal was draus machen“, hatte der Zahnarzt damals zu ihm gesagt. „In englischsprachigen Ländern ist die Zahnfee nämlich fast so populär wie der Weihnachtsmann“, erklärt Olberg. Bücher oder Filme über die kleine Fee gebe es allerdings kaum, zumindest keine pädagogisch wertvollen.

Und der 65-Jährige machte sich tatsächlich an die Arbeit, entwickelte das Konzept für eine Kinderserie – und legte es in den Schrank. Denn der vielbeschäftigte Geschäftsmann hatte keine Zeit, seine Zahnfee-Idee umzusetzen. Erst Jahre später holte er die Unterlagen wieder hervor und entwickelte gemeinsam mit seiner Frau Tatjana (51) die Charaktere der Serie. Das Ehepaar stellte sie in Kindergärten vor, um zu hören, wie die Kleinen die Figuren Lynn, Leo-Lino, Basta und den Professor finden. 2008 begann das Ehepaar mit der Suche nach einem Investor. „Ich wollte keine Bank, aber zu Zeiten der Wirtschaftskrise wollte auch sonst niemand in Animation investieren“, erzählt Olberg. Irgendwann schaute sich der Finne Raimo Rikkilae den Trailer an. Weil sein Enkel sofort hin und weg von der Zahnfee war, investierte er in das Vorhaben. Doch für Henry Olberg war die Suche damit nicht beendet. Er brauchte für die Geschichten noch einen Autor. „Ich habe mehrere Probetexte bekommen, aber die waren alle nicht gut. Ich war so verzweifelt, dass ich die ersten 13 Folgen selbst geschrieben habe“, erzählt er schmunzelnd.

Freundschaft, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit sollen die 15-minütigen Filme vermitteln. Und ganz nebenbei die Angst vorm Ausfallen der Milchzähne nehmen. Denn der Staub, der beim Mahlen der Zähne entsteht, verleiht den Zahnfeen magische Kräfte. Aber: Die Feen nehmen nur saubere Zähne mit, auch das sollen sich die Kinder merken. Außerdem sind die Zahnfeen sehr reisefreudig: In jeder Episode der „Magischen Zahnfeen“ bereisen sie ein anderes Land. Sie berichten zum Beispiel aus dem brasilianischen Regenwald oder aus Mexiko. „Uns ist wichtig, dass es kein komplettes Märchen ist. Was in anderen Ländern spielt, ist real und stimmt“, erzählt Tatjana Olberg.

Mittlerweile hat das Ehepaar eine Autorin gefunden, sie schrieb die 13 weiteren Folgen. 26 Episoden sind mittlerweile entstanden – das Minimum, um die Serie bei Fernsehsendern vorstellen zu können.

Produziert wurde in China. Vier Jahre dauerte es, bis alle Folgen fertig waren. „Wir haben 550 000 Bilder kontrolliert, jede Einstellung musste abgesegnet werden“, erinnert sich Olberg. Denn am Ende würde es auffallen, wenn plötzlich ein Gegenstand im Bild ist, der vorher nicht da war, oder das Medaillon des Bürgermeisters fehlt. 2011 brachte ein Kurier die ersten beiden fertigen Folgen vorbei.

„Das war ein ausgezeichnetes Gefühl“, sagt Henry Olberg. Als die ganze Serie fertig war, verkaufte der 65-Jährige sie unter anderem in den osteuropäischen Raum und nach Amerika, Mexiko und Spanien.

In Deutschland startet die Serie morgen.

Doch Henry und Tatjana Olberg haben noch mehr vor. Gerade arbeiten sie am Merchandising. Das Ehepaar hat schon mal probeweise Bücher, DVDs, Kissen, Zahnputzuhren, Stofftiere und Dosen für Milchzähne herstellen lassen. Mit Glück gehen die Produkte bald in Serie. Und auch sonst hat Henry Olberg nie Pause. Gerade erst war er auf einer Messe in San Francisco. Dort hat er den Betreiber des Youtube-Kanals „Chotoonz“ kennen gelernt. Seitdem läuft die Serie weltweit über den Kanal.

Die nächsten 26 Folgen sind schon in Planung. „Nochmal dürfen wir uns nicht so viel Zeit lassen“, sagt der 65-Jährige lachend.

26 Folgen in zehn Sprachen

Über zwei Millionen Euro stecken in dem Projekt. Die Serie wird in zehn verschiedenen Sprachen in vielen Ländern weltweit übers Fernsehen und Internet gesendet. 600 Millionen Menschen können mit der Serie theoretisch erreicht werden.

Die Titelmusik ist von Alexander Geringas. Der Musikproduzent arbeitete unter anderem mit den No Angels, Christina Stürmer und Howard Carpendale zusammen.

Sendestart in Deutschland ist morgen. Ab dann läuft die Serie von Tatjana und Henry Olberg täglich um 9.15 Uhr auf dem Pay-TV-Kindersender Fix & Foxi, der im Internet und bei vielen Kabelanbietern zu sehen ist.

Maike Wegner

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