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Norddeutschland Zeit für etwas Nostalgie: Was vermissen Sie?
Nachrichten Norddeutschland Zeit für etwas Nostalgie: Was vermissen Sie?
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22:56 30.10.2013
LN-Volontärin Janine Richter (29), mit dem Computer aufgewachsen, ist fasziniert vom Hämmern, Klingeln und Rattern der alten Torpedo-Schreibmaschine. Quelle: Neelsen, Richter
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Lübeck

In der Hansestadt verschwanden erst viele große Uhren, dann kürzlich die letzten Telefonzellen. Doch auch viele andere Dinge wie Wählscheibentelefone, Kassettenrekorder oder das Einwahlgeräusch eines Modems — Dinge, die unseren Alltag früher zu einem sinnlichen Erlebnis machten — überlebten sich. Trotzdem sind sie kultig und werden schmerzlich vermisst.

„Mir fehlen die handgezeichneten Zeichentrickfilme wie Aladdin“, sagt Thorben Wolkowski. Der Filmstudent ist vom Fach und bemängelt an den heutigen Filmproduktionen, dass den erzählten Geschichten der Tiefgang und die politische Aussagekraft fehle. „Die Farben sind heute strahlender, aber die Figuren sind weniger charakteristisch.“ Einen solch alten Streifen schaut er auch heute noch gerne.

Straßenmusiker und Student Dennis Zielke hingegen vermisst ein anderes altes Kultstück: „Ich würde gerne noch einmal auf einem Commodore 64 spielen“, sagt der 28-Jährige. Mit dem Joystick in der Hand habe er viele Abende mit Kultspielen wie Maniac Mansion oder Bubble Bobble verbracht. Er ist damit nicht alleine, denn der Commodore 64 war als Heimcomputer der Liebling einer ganzen Generation, die in den 80er und 90er Jahren aufwuchs. Überhaupt scheinen sich vor allem die männlichen Befragten gerne an ihre „durchzockten“ Nächte zu erinnern. „Ich habe alles mit Ballern und Geschwindigkeit gespielt, aber auch Klassiker wie Tetris“, sagt Thomas von Masso. Der Mediengestalter wünscht sich wie viele andere den Gameboy zurück. „Der war tragbar, erschwinglich und nicht so empfindlich wie die Geräte von heute“, sagt er.

Krankenschwester Gesa Bozic hingegen ist schon im Vorweihnachtsstress, weil sie keinen traditionellen Weihnachtsschmuck findet. „Ich wollte Lametta kaufen, aber nirgends habe ich diese schmalen, dünnen, glitzernden Metallstreifen gefunden“, sagt die 56-Jährige. Nur Lametta aus Plastik, welches nicht so schön knautscht und hängt, sei ihr angeboten worden. „Und wo ist eigentlich das feine, weiße Engelshaar geblieben, das es früher zur Dekoration gab?“, fragt sie sich.

Vielen Menschen scheinen auch in Lübeck einige nostalgische Noten im Stadtbild zu fehlen: „Ich vermisse die Leierkästen mit den tanzenden Affen“, sagt Silke Kürle, „früher gab es drei bis vier von ihnen in der Fußgängerzone.“ Heute sehe sie nur noch manchmal einen auf Marli. Für die 37-Jährige sei das immer eine schöne musikalische Note beim Einkaufsbummel gewesen und ein schöner Anziehungspunkt für Kinder. „Die Männer waren so nett, haben den Leierkästen aufgemacht und die Funktionsweise erklärt“, erinnert sie sich.

Für Gisela Hahns Geschmack hingegen gibt es viel zu wenig Gaslaternen: „Die machten so ein romantisches, gemütliches Licht“, sagt die 68-Jährige. Doch am meisten vermisse sie das typische schwarze Telefon mit der silbernen Wählscheibe. „Das knatterte beim Wählen so schön, und ich hatte etwas in der Hand“, sagt sie. Vor allem aber war es nicht tragbar und stand immer an einem Ort im Haus. „So hat sich jeder auf das Gespräch konzentriert und nicht wie heute etwas nebenbei gemacht.“

Janine Richter

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