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Norddeutschland Zeitumstellung: „Wir schenken Ihnen eine Stunde“
Nachrichten Norddeutschland Zeitumstellung: „Wir schenken Ihnen eine Stunde“
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21:16 25.10.2016
Christian Kahl kennt nichts anderes als lange Nächte. Als DJ Hopsing wird der Inhaber der Lübecker Diskothek „Sounds“ die Nachtschwärmer auch am kommenden Sonnabend bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags zum Tanzen bringen. „Regulär ist erst um fünf Uhr morgens Schluss – und wenn die Leute so lange tanzen wollen, dann haben wir auch so lange auf“, sagt der DJ und sucht schon mal die Musik aus.

Lübeck. Die einen können sich, wenn sie am kommenden Sonntagmorgen die Augen aufschlagen, genüsslich strecken, noch einmal im Bett umdrehen und eine Stunde länger schlafen. Die anderen sind froh, dass sie nun endlich ins Bett kommen: Nachtdienstler wie Jörg Gerken von der Berufsfeuerwehr Lübeck müssen in der Nacht zum Sonntag eine Stunde länger arbeiten, weil die Uhren auf Winterzeit um- und damit eine Stunde zurückgestellt werden. „Diese eine Stunde merken wir gar nicht, Sonnabend nachts ist sowieso immer viel los, da haben wir nach Mitternacht im Durchschnitt dreißig Einsätze – deutlich mehr als unter der Woche“, sagt der Oberbrandmeister. Extra vergütet wird den Feuerwehrleuten die zusätzlich geleistete Stunde nicht. Das gleiche sich im Frühjahr mit der Umstellung auf die Sommerzeit wieder aus.

Ob und wie die zusätzlich geleistete Stunde bezahlt wird, ist gesetzlich nicht klar geregelt. Wird die Arbeitsleistung nach Stunden bezahlt, bekommt der Arbeitnehmer die Extra-Stunde auch bezahlt, ebenso etwaige Nacht- oder Überstundenzuschläge. „Im Tarifvertrag ist die Bezahlung häufig aber geregelt“, erklärt die Lübecker Arbeitsrechtlerin Ellen Kloth und rät zu einem Blick in den Tarifvertrag.

Auch für die zahlreichen Mitarbeiter im Pflegedienst des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) dauert die Nachtschicht am Sonnabend länger: Sie arbeiten dann zehn statt neun Stunden.

Der Ausgleich dieser zusätzlich geleisteten Stunde sei zur Zeitumstellung im Frühjahr des Folgejahres planerisch zu gewähren, teilte das UKSH auf Anfrage der LN gestern mit. Sei dies nicht möglich, werde die zusätzlich geleistete Stunde tarifkonform abgegolten.

Die Leitstelle der Lübecker Stadtwerke ist permanent besetzt – während der Nachtschicht von 22 bis 6 Uhr. Die Zeitumstellung sehen die Mitarbeiter wie Peter Spieß allerdings gelassen: „Das habe ich über die Jahre schon häufiger mitgemacht“, sagt der 52-Jährige. Über Gleitzeit bekommt er die zusätzliche Arbeitszeit wieder rein.

Sigrid Schumacher, die in der Nacht zu Sonntag ab 20 Uhr eine Nachtschicht für die Telefonseelsorge in Lübeck einlegt, verschenkt nicht nur eine, sondern grundsätzlich alle Stunden ihres Dienstes – denn sie arbeitet ehrenamtlich. „Die zusätzliche Stunde merke ich schon“, sagt die 75-Jährige. „Dafür kann ich dann aber am Sonntag ja auch länger schlafen.“ jad/ley

Die Zeitumstellung und ihre Folgen

Die Winterzeit beginnt am 30. Oktober: Dann werden in den frühen Morgenstunden die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit wurde in den meisten Ländern Europas 1977 eingeführt, Deutschland zog im Jahr 1980 nach. Auslöser für die Zeitumstellung war unter anderem die Ölkrise von 1973. Drei Viertel der Deutschen (74 Prozent) halten das Drehen an der Uhr mittlerweile für überflüssig.

Frauen und Kinder haben deutlich mehr Probleme mit der Zeitumstellung als Männer. Jeder vierten Frau fällt es einer Forsa-Umfrage zufolge schwer, sich an den veränderten Rhythmus zu gewöhnen. Männer hingegen haben deutlich weniger Probleme mit dem Einschlafen oder Aufstehen. Eine Herausforderung ist die Umstellung für Eltern mit Kindern: 30 Prozent der Befragten gaben an, ihr Kind habe Probleme, abends einzuschlafen oder morgens aufzustehen.

LN

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