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„Zitrone des Ostens“ wird salonfähig

„Zitrone des Ostens“ wird salonfähig

Im Mittelalter wurde Sanddorn als giftig verteufelt, in der DDR war die genügsame Beere dagegen sehr beliebt.

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Der Sanddorn auf der Plantage des Landwirtschaftsbetriebes „Robinienhof“ in Brandenburg kann jetzt geerntet werden.

Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa

Rostock. Die neue Sanddorn-Zeit naht. Ende August beginnt die Ernte der orangefarbenen Multivitamin-Beere mit dem speziellen Geschmack. Deutschlandweit stehen die meisten der kultivierten Wildsträucher in Brandenburg, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. „In der DDR war im Umlauf, dass sowjetische Kosmonauten Sanddorn ins All mitgenommen haben – für die Gesundheit“, erinnert sich der 85-jährige Hans-Joachim Albrecht. Er gilt bis heute als der Experte für Sanddorn und seine Züchtung.

In den heutigen Späth’schen Baumschulen in Berlin – zu DDR-Zeiten Teil des Kombinats VEG Saatzucht Baumschulen Dresden – kreierte Albrecht als Zuchtleiter mit seinem Team allein sieben weibliche Sorten Sanddorn sowie die männlichen Bestäuber, nachdem die DDR auf die genügsame Wildfrucht gestoßen war. Albrecht: „Wir mussten Erfolge bringen.“ Insgesamt wurden in dem Betrieb 40 Pflanzensorten gezüchtet.

Die Beere wurde auch schon mal „Zitrone des Ostens“ genannt – wegen ihres enorm hohen Gehalts an Vitamin C sowie neun anderer Vitamine. Und in ihrem Hit „Du hast den Farbfilm vergessen“ sang Rockröhre Nina Hagen: „Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee“.

Der Verband zur Förderung von Sanddorn und Wildobst schätzt, dass die Sträucher heute auf mehr als 800 Hektar angebaut werden: in Brandenburg auf etwa 400 Hektar, in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt jeweils auf etwa 200 Hektar; aber auch in Niedersachsen und Baden-Württemberg gebe es Plantagen. „Sanddorn ist stark im Kommen“, stellt der Vereinsvorsitzende Jörg-Thomas Mörsel fest.

Deutschland müsse für das mittlerweile gefragte Nischenprodukt bis zu 2000 Tonnen im Ausland hinzukaufen. Säfte, Marmeladen, Gummibären und Liköre werden aus den Früchten des genügsamen Strauchs hergestellt, der in kultivierter Form 20 Jahre gute Erträge verspricht. Auch in Kosmetika kommen Stoffe der vielseitigen Beere vor. Weltweit ist China der größte Sanddorn-Produzent. Dort sowie in Indien und Nepal werde der Strauch mit den verzweigten Wurzeln auch gegen die Bodenerosion in die Erde gesetzt, erklärt Mörsel. In der Internationalen Sanddorn-Gesellschaft seien 54 Mitgliedsländer. Der gelernte Gartenbauingenieur Albrecht ist seit jeher von der lange unterschätzten Pflanze fasziniert. Er habe ihren Wert als Nahrungsmittel erkannt, erzählt der Rentner noch heute stolz. 1941 sei in Deutschland die erste Schrift zum Sanddorn herausgekommen. Der hatte sich einst nach der Eiszeit hierzulande angesiedelt. Im Mittelalter habe man gedacht, die Pflanze sei giftig.

1979 wurde dann laut Albrecht die erste Züchtung aus einem wilden Sanddorn für den Kulturanbau zugelassen. Ihr Name: Leikora. Die Eigenschaften: große Früchte, viel Ertrag, wenige Dornen.

Die erste DDR-Plantage sei 1980 angelegt worden. Der sonnenliebende Sanddorn habe wenig Ansprüche an den Boden. Albrecht trinkt bis heute gern Sanddorfsaft. Auch nach Schleswig-Holstein sei das Produkt aus Ost-Berlin gegen Devisen gegangen, erinnert sich der frühere Züchter.

Jutta Schütz

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