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Norddeutschland Zoff in der SPD: Werden die Basis-Kandidaten gemobbt?
Nachrichten Norddeutschland Zoff in der SPD: Werden die Basis-Kandidaten gemobbt?
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19:53 23.03.2018
Herausforderin Simone Lange Quelle: Roeßler
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„Im Sinne einer fairen, solidarischen und transparenten Wahl appelliere ich dafür, dass auch die Kandidatur von Simone Lange gleichwertig veröffentlicht wird“, heißt es in einer Muster-Mail, die ihre Anhänger derzeit an die Bundeszentrale in Berlin schicken.

„Der Druck der Basis hat den Bundesvorstand ja schon einmal zur Vernunft gebracht – als die Ernennung von Nahles zur kommissarischen Vorsitzenden zurückgenommen wurde“, sagt Ingo Schaffenberg, SPD-Chef auf Marli in Lübeck und Lange-Anhänger. Dass deren Gegenkandidatur verschwiegen werde, obwohl sie schon von 60 Ortsvereinen unterstützt werde, sei ja nur das eine. Auch einen Vorstellungtermin im Bundesvorstand habe die Herausfordererin aus Flensburg erst für den 21. April bekommen – am Vorabend des Wahl-Parteitags. Schaffenberg ist sauer: „Das ist kein respektvoller und solidarischer Umgang miteinander.“ So begeistere man „natürlich viele junge Menschen dafür, in die Partei einzutreten“, sagt Schaffenberg ironisch. Die Bundesspitze der SPD habe immer noch nicht begriffen, dass die Basis genau diesen Umgang nicht mehr wolle.

„Ich habe den Eindruck, der Bundesvorstand hat Angst“, sagt auch Simone Lange. Sie hätte sich „einen souveräneren Umgang mit den Kandidatinnen und Kandidaten gewünscht“ – schließlich sei sie nicht die einzige Gegenkandidatin von Andrea Nahles. Der Bundesvorstand habe für ein faires Verfahren zu sorgen, dass alle Bewerber berücksichtigt. Solange das nicht geschehe, müsse sie eben andere Wege suchen, sich bekannt zu machen, über Besuche in Orts- und Kreisverbänden etwa oder über die Presse.

In der Berliner Parteizentrale weist man die Vorwürfe zurück. Man habe die Vorstellungsrunde auf den Vorabend des Parteitags gelegt, weil sich bis dahin ja noch weitere Kandidaten melden könnten „und alle die gleiche Chance haben sollen, sich im Parteivorstand vorzustellen“, sagt eine Parteisprecherin. Und auf der Internetseite habe man nur den Beschluss des Vorstands veröffentlicht, Nahles zu nominieren. Im Antragsbuch zum Parteitag würden aber „selbstverständlich alle nominierten Kandidatinnen und Kandidaten gleich gewichtet dargestellt“.

Schleswig-Holsteins SPD-Chef und Bundes-Vize Ralf Stegner wollte sich auf LN-Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern. Es handle sich ja nur um Verfahrensfragen, dazu müsse ein Landeschef nichts sagen, sagt seine Sprecherin. Stegners Verhältnis zu Lange gilt als unterkühlt – der Flensburgerin werden Ambitionen und gute Chancen nachgesagt, ihn im April 2019 als Landeschef abzulösen.

Viel Basis-Kontakt

60 Ortsvereine haben sich schon hinter Simone Lange versammelt, unterstützen ihre Kandidatur für den SPD-Bundesvorsitz am 22. April. Drei Ortsverbände hätten laut Satzung ausgereicht. Derzeit tourt die Flensburger Oberbürgermeisterin durchs Land. In dieser Woche zog sie im Handstreich auch den SPD-Ortsverein auf Marli in Lübeck auf ihre Seite.

Von Wolfram Hammer

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