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Zu Besuch in der Welt der Warenlager

Speicherstadt Hamburg Zu Besuch in der Welt der Warenlager

. Auf rund 26 Hektar erstreckt sich zwischen Deichtorhallen und Baumwall das größte Lagerhausensemble der Welt. Auf Tausenden Eichenpfählen wurde die Speicherstadt zwischen 1883 und dem Ende der 1920er Jahre gebaut. Heute ist der Komplex Unesco-Weltkulturerbe.

Speicherstadt Hamburg. . Erstmal einen Überblick verschaffen. Die Elbphilharmonie in der Hafencity ist nur einen Steinwurf von den backsteinernen Lagerhäusern der Speicherstadt entfernt. An der Nahtstelle zwischen dem alten Kaispeicher A und dem gläsernen Aufbau der Konzerthalle befindet sich in 37 Metern Höhe eine Aussichtsplattform. Über die weltweit erste gebogene Rolltreppe geht es hinauf. Vom Außenbereich der Plaza können Besucher den Blick schweifen lassen: auf Frachtschiffe im gegenüberliegenden Südwesthafen, auf die „Rickmer Rickmers“ an den St. Pauli-Landungsbrücken und zur Speicherstadt. Dorthin geht es als nächstes.

12 Uhr: Speicherstadtmuseum Kaffeesäcke, Wagen, Fässer – als Einstimmung auf die Welt des Handels bietet sich ein Besuch im Speicherstadtmuseum an. In dem überschaubaren und damit ziemlich entspannt zu besuchenden Museum erfährt man, wie die Quartiersleute (Lagerhalter) Kaffee, Kakao oder Kautschuk in ihren Speichern lagerten und veredelten. Auch die Baugeschichte wird behandelt: Grund für den Bau der Speicherstadt war 1881 der Anschluss Hamburgs an das Zollgebiet des Deutschen Reiches. Eine zuvor für die gesamte Stadt geltende Zollfreiheit wurde auf den Freihafen beschränkt, sodass dort neue Lagerkapazitäten benötigt wurden, in denen die Kaufleute weiter zollfrei ihre Waren lagern konnten. Eingebettet zwischen Kanälen, Brücken und Gleisen entstanden so 15 große Lagerhäuser und einige einzelne Gebäude.

„Im zweiten Weltkrieg sind erhebliche Teile der Speicherstadt zerstört worden“, erzählt Dr. Ralf Lange, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums. Doch dank eines behutsamen Wiederaufbaus nach historischem Vorbild ist das heute kaum mehr sichtbar. Seit 2003 gehört die Speicherstadt nicht mehr zum Freihafengebiet. 2015 wurde sie von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt.

13 Uhr: Besuch bei „On the Rugs“ Noch sind die alten Zeiten des Handels in der Speicherstadt lebendig. In den alten Speicherböden befindet sich heute das größte Lager für Orientteppiche der Welt. Obgleich die Blütezeit des Orientteppichhandels lange vorüber ist, reihen sich die Händler noch immer dicht an dicht. Anna Wahdat (35) ist die Tochter von einem dieser Teppichhändler. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sie sich mit ihrem kleinen Label „On the Rugs“ selbst ins Teppichgeschäft eingeklinkt – mit einem etwas anderen Ansatz: In ihrem kleinen Showroom über dem großen Lager ihres Vaters präsentiert Wahdat leuchtend bunte Teppiche aus Marokko oder dem Iran. Manchmal mit Neonstickerei, oft mit ausgefallenen Mustern. Jeder Teppich ist ein handgefertigtes Einzelstück, das sich auf irgendeine Weise vom klassischen Orientteppich abgrenzt und so auch jüngere Leute ansprechen soll. Die Preisspanne liegt zwischen 300 und 3000 Euro.

14 Uhr: Kaffeerösterei . Zeit für eine Stärkung – und was wäre ein Besuch in der Speicherstadt ohne einen Kaffee? Im Caféhaus der Kaffeerösterei wird im Trommelröstverfahren vor den Augen der Besucher täglich frisch geröstet. Im Ambiente eines alten Speicherbodens von 1888 werden hauseigene Kaffeemischungen wie „Ebbe und Flut“ oder „Speicherstadtmischung“ angeboten. Wem es geschmeckt hat, der kann auch für den Heimbedarf einkaufen. Je nach Erntezeit und Verfügbarkeit gibt es im dazugehörigen Fabrikladen bis zu 30 verschiedene Kaffee- und Espressospezialitäten.

15 Uhr: Miniaturwunderland . Zu schön, um es auslassen zu können. Außerdem liegt das Miniaturwunderland gleich neben der Kaffeerösterei. Auf rund 1500 Quadratmetern wird die Welt (oder zumindest ein Teil davon) im Miniaturformat abgebildet. 1040 Züge fahren auf etwa 15400 Metern durch Mitteldeutschland, Österreich, Hamburg, Amerika, Skandinavien, die Schweiz, Italien und die nur im Miniaturwunderland existente Stadt Knuffingen. Es blinkt, rattert, zischt und leuchtet überall. Mal wird es Nacht, dann bricht plötzlich ein Vulkan aus, kurze Zeit später setzt die Dämmerung ein, Schiffe legen vom Hafen ab, Flugzeuge rollen über eine Startbahn. Es ist schwierig, sich sattzusehen.

Alternative: Wer lieber weiter in die Welt des Handels und der Schifffahrt eintauchen möchte, kann anstelle des Miniaturwunderlandes eines von vielen weiteren Museen der Speicherstadt besuchen. Zum Beispiel Spicy’s Gewürzmuseum, das Deutsche Zollmuseum und das Internationale Maritime Museum in der angrenzenden Hafencity.

16.30 Uhr: Wasserschloss . Zum Abschschluss etwas Entspannung. Auf einer Halbinsel zwischen zwei Fleeten (Wandrahmsfleet und Holländischbrookfleet) liegt das Wasserschloss – eines der meistfotografierten Gebäude der Speicherstadt. Einst wohnten und arbeiteten dort die sogenannten Windenwärter. Diese Hafenarbeiter waren zuständig für Wartung und Reparatur hydraulischer Speicherwinden. Später diente das 1907 fertiggestellte Gebäude mit Türmchen und Bogenfenstern als Drehort für die Kinder- und Jugendserie „Die Pefferkörner“. Heute befindet sich im Wasserschloss – oder auch „Wasserschlösschen“ – ein Teekontor und dazu passende Gastronomie: „Hier wird mit Tee gekocht“, erklärt Küchenchef Sebastian Drossel. Es gibt zum Beispiel ein Matcha-Schnitzel und diverse Saucen, die Tee beinhalten. Wer Tee lieber nur trinken möchte, hat die Auswahl aus etwa 250 Sorten, die im Kontor zum Verkauf angeboten und im Restaurant serviert werden.

Alternative: Kulinarisches aus aller Welt gibt es in der Markthalle (Am Sandtorkai 23). Hier bieten insgesamt sechs Gastronomiebetriebe Sushi, Flammkuchen, Burger und einiges mehr an.

Von Luisa Jacobsen

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