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Zu gefährlich, dreckig und laut: Debatte um Böller und Raketen

Kiel/Lübeck Zu gefährlich, dreckig und laut: Debatte um Böller und Raketen

Extrem hohe Feinstaub-Werte, viele Verletzte und sogar zwei Tote in Brandenburg: Die Gewerkschaft der Polizei plädiert nach dem Jahreswechsel für die Einschränkung der privaten Silvester-Böllerei. Auch einige Politiker fordern Verbote oder zumindest Reduzierung.  

Bald verboten? Politiker, Polizei und Umweltschützer diskutieren Einschränkung privater Böllerei. 

Quelle: Lino Mirgeler/dpa

Kiel/Lübeck. Ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern zum Jahreswechsel angesichts der Feinstaub-Entwicklung, erneut vieler Verletzter und sogar zweier Toter überhaupt vertretbar? Darüber ist nach dem Jahreswechsel eine Debatte unter Politikern, Umwelt- und Tierschützern entbrannt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) plädiert dafür, die „unkontrollierte private Böllerei“ einzuschränken.

In Brandenburg starben zwei Männer, 19 und 35 Jahre alt, durch Silvester-Böller. Beide hatten bei der Explosion schwere Kopfverletzungen erlitten. In Hamburg wurden zwei Männern im Alter von 26 und 30 Jahren mehrere Finger abgerissen. Auf Fehmarn verlor ein 31-jähriger Campinggast beim Zünden eines Feuerwerks Finger der rechten Hand. Die Notaufnahme des UKSH in Lübeck musste von Silvester bis zum Neujahrsmorgen 137 Patienten behandeln, davon allein 42 nach Mitternacht. Elf von ihnen waren nach Verletzungen durch Pyrotechnik ein Fall für die Plastische Chirurgie.

Böller-Verbot nach dem diesjährigen Silvester?

Zu laut, zu aggressiv, zu gefährlich: Die Gewerkschaft der Polizei plädiert nach dem Jahreswechsel für die Einschränkung der privaten Silvester-Böllerei. Eine gute Idee?

Insgesamt haben die Bundesbürger Pyrotechnik im Wert von 140 Millionen Euro verballert. Dabei wurden 5000 Tonnen gesundheitsgefährdenden Feinstaubs in die Luft geblasen. „In einer einzigen Nacht werden 17 Prozent der Menge ausgestoßen, die der Straßenverkehr in einem Jahr verursacht“, kritisiert der BUND-Landesverband. An der Messstation in Lübeck-St. Jürgen lag die Feinstaub-Konzentration in der ersten Stunde des Neujahrstags um mehr als das Achtfache über dem Mittelwert. „Wichtig ist, dass wir endlich öffentlich über Sinn und Unsinn der Böllerei diskutieren“, verlangt die BUND-Landeschefin Claudia Bielfeldt. „Ziel muss es sein, zunehmend viele Menschen von der Böllerei abzuhalten“, sagt GdP-Vorstand Torsten Jäger. Interessante, öffentliche Feuerwerke könnten dazu beitragen, das private Knallen einzudämmen.

Saubere Luft sei ein hohes Gut. „Jede Reduzierung und Vermeidung von Feinstaubemissionen ist aus Sicht der Gesundheitsvorsorge sinnvoll“, sagt der Kieler Umwelt-Staatssekretär Tobias Goldschmidt. Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) fordert, auf privates Feuerwerk zu verzichten. Dadurch entstehe nicht nur weniger Feinstaub, sondern auch weniger Müll. Das Umweltbundesamt belässt es vorerst bei einem entsprechenden Appell.

Indes sind sogar Kulturdenkmäler betroffen: Im mecklenburgischen Güstrow wurde der historische Borwinbrunnen durch Pyrotechnik teilweise zerstört. Der Sachschaden beläuft sich auf 100 000 Euro. Die Polizei hat einen ersten Tatverdächtigen ermittelt. Der mutmaßliche Haupttäter ist geständig.

Nicht zuletzt leiden auch Tiere unter der Böllerei: „Ich plädiere dafür, den Privatkauf von Feuerwerk zu verbieten“, sagt Julia Herklotz vom Tierschutz Lübeck und Umgebung. Nicht nur Haustiere, sondern auch Wildtiere würden durch Licht und Geräusche verunsichert, die sie nicht gewohnt seien.

Von Curd Tönnemann

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