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Norddeutschland Zu viel Dünger von den Feldern: Der Ostsee geht die Luft aus
Nachrichten Norddeutschland Zu viel Dünger von den Feldern: Der Ostsee geht die Luft aus
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11:03 26.05.2016
Immer größere Zonen der Ostsee – hier bei Grömitz – leiden wegen der Nährstoffzufuhr vom Land unter extremem Sauerstoffmangel. Quelle: Colschen

Für die Landwirtschaft sind sie von enormer Bedeutung, aber für Schleswig-Holsteins Seen, Flüsse, Moore und Meere werden Düngemittel zur Bedrohung. Vor allem Biogasanlagen und die intensivierte Nutztierhaltung im Land führten dazu, dass Grund- und Oberflächenwasser immer stärker mit Nitraten belastet sind, warnen Naturschützer.

 

Laut Ingo Ludwichowski, Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) in Schleswig-Holstein, habe die hohe Nährstoffkonzentration inzwischen Auswirkungen auf fast alle natürlichen Biotope im Norden. „In der Ostsee erleben wir, dass die sogenannten Todeszonen sich durch den Eintrag von Nitraten aus den Flüssen immer weiter ausdehnen“, erklärt Ludwichowski. Inzwischen zählen mehr als 60 000 Quadratkilometer der Ostsee zu diesen extrem sauerstoffarmen Zonen, in denen Tiere und Pflanzen kaum mehr existieren können. Bestimmte Bakterien, die viel Sauerstoff verbrauchen, vermehrten sich durch die Düngerstoffe in extremer Weise. Dem Meer werde damit praktisch die Luft zum Atmen genommen.

Aber auch an Land mache sich die Überdüngung bemerkbar. Zum Beispiel in Mooren. „Dort sorgt allein der Nährstoffeintrag aus der Luft dafür, dass sich die Lebensgemeinschaften in diesem Ökosystem rapide verändern“, warnt der Naturschützer. In Binnengewässern mache sich der Nitrat-Überschuss unter anderem durch dünne Algenfilme auf der Oberfläche bemerkbar. Das Baden darin sei zwar nicht direkt gesundheitsschädlich. „Aber kein Tourist möchte in ein Gewässer steigen, aus dem er schmutziger wieder herauskommt, als er reingeht.“

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) räumt ein, dass Schleswig-Holstein Probleme mit dem hohen Nährstoffeintrag habe. In den vergangenen Jahren seien zwar schon Vorschriften für die Landwirtschaft verschärft worden. „Für die Zukunft ist es aber weiter notwendig, den Rahmen für die standortgerechte Landbewirtschaftung über die Düngeverordnung so zu setzen, dass durch Düngung und Landbewirtschaftung keine weiteren Belastungen des Grundwassers und der Oberflächengewässer inklusive der Meere entstehen“, erklärt Habeck. Unter anderem solle der Nährstoffeintrag künftig genauer erfasst werden. In Gebieten, in denen Gewässer in einem schlechten Zustand sind, gelte es, den Nährstoffüberschuss schrittweise zu reduzieren.

Hierbei seien die Landwirte in der Vergangenheit aber schon in Vorleistung gegangen, betont Sönke Schmidt vom Bauernverband. Allein aus finanziellen Gründen liege es im Interesse der Bauern, ihren Wirtschaftsdünger (Gülle, Gärreste) so effizient wie möglich einzusetzen. Denn Mineraldünger sei teuer. So würden Gülle oder Gärreste heutzutage in erster Linie bei niedrigen Außentemperaturen aufgebracht, um ein Entweichen von Stickstoffen in die Luft zu verhindern. Überdies seien die Bauern verstärkt darauf bedacht, ihre Felder auch im Winter zu begrünen, damit Nährstoffe von Pflanzen gebunden und nicht ausgewaschen werden.

Auch Touristiker fordern verstärkte Anstrengungen gegen die Überdüngung. Natürlich erkenne man an, dass Schleswig-Holstein ein Agrarland sei, sagt Marc Euler, Sprecher der Tourismusagentur im Land (TASH). „Die Wasserqualität ist für den Tourismus aber von allerhöchster Bedeutung. Jede Beeinträchtigung ist schädlich.“ Hier gelte es, Wege zu finden, um Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus gleichermaßen gerecht zu werden.

 Oliver Vogt

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