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Norddeutschland Zu viel Müll in der Ostsee: EU kämpft gegen Plastiktüten
Nachrichten Norddeutschland Zu viel Müll in der Ostsee: EU kämpft gegen Plastiktüten
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09:30 05.11.2013
200 Plastiktüten benutzt jeder Europäer laut EU-Kommission pro Jahr, der Großteil davon sind leichte Einwegtüten. Während Dänen und Finnen relativ selten zur Plastiktüte greifen, ist der Verbrauch in Osteuropa und Portugal um ein Vielfaches höher. Deutschland rangiert laut Bundesumweltamt mit rund 71 Tüten auf Platz sechs. Quelle: dpa
Brüssel

Nach Vorstellung von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik sollen Mitgliedsstaaten innerhalb von zwei Jahren Maßnahmen ergreifen. Demnach hätten die EU-Staaten selbst die Wahl, Steuern oder Abgaben zu erheben oder Plastiktüten ganz zu verbieten.

Weiterlesen: Kunden würden Verbot begrüßen

Kommentar zum Thema: Verbot? Kommt nicht in die Tüte

„Plastiktüten sind ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft“, sagte EU-Umweltkommissar Potocnik. Er betonte jedoch, dass dies „nicht als Kreuzzug gegen alle Arten von Plastiktüten“ verstanden werden sollte. Im Visier stehen Tüten mit einer Dicke von weniger als 0,05 Millimetern. Das sind allerdings 90 Prozent aller Plastikverpackungen.

Der Einzelhandelsverband Nord lehnt einen Verzicht auf Plastiktüten strikt ab. „Steuern und Abgaben führen nur dazu, dass die Verbraucher weniger Budget für ihren Einkauf haben“, befürchtet Hans-Martin Bohac. Zudem habe Deutschland eine hoch entwickelte Abfallwirtschaft. Auch Edeka Nord hält von einer Plastiktüten-Steuer gar nichts, sieht eine Umstellung auf Papier oder Jute kritisch. „Trotzdem prüfen wir derzeit Alternativen wie kompostierbare Plastiktüten“, sagte Marion Grundmann.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) begrüßte die EU-Pläne und forderte die Bundesregierung auf, den Vorschlag zu unterstützen: „Wir halten eine Steuer auf alle Einweg-Tragetaschen für angebracht, wollen aber nicht, dass damit die generelle Debatte um Plastikmüll aufhört“, erklärte Schleswig-Holsteins NABU-Sprecher Ingo Ludwichowski.

Auch Greenpeace sieht in dem Vorstoß ein positives Signal. „Aber nur ein generelles Plastiktüten-Verbot wäre ein Schritt nach vorne“, erklärte Thilo Maack. „Plastikhersteller müssten beim Recycling in die Pflicht genommen werden. Am besten sollten die Unternehmen nur abbaubare Plastikprodukte herstellen“, forderte der Meeresbiologe. Jährlich würden 240 Millionen Tonnen Plastik produziert. 6,4 Millionen Tonnen davon landeten im Meer. Dort gelängen kleine Plastikpartikel in die maritime Nahrungskette, weil Fische und Seevögel diese verschlucken.

„Für Küstenländer können Verbote sinnvoll sein, in anderen Ländern die Einführung von Gebühren oder Abgaben“, sagte Jochen Flasbarth, Präsident des Bundesumweltamtes. Unveröffentlichte Daten deuteten darauf hin, dass an Ostseestränden häufiger kostenlose Tüten gefunden werden als kostenpflichtige. Der Vorschlag benötigt die Zustimmung der EU-Staaten und des Europaparlaments.

Janine Richter

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