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Zu wenig Interessenten für neue Oberstufen

Kiel Zu wenig Interessenten für neue Oberstufen

Die Landesregierung bekommt viele der seit 2013 von ihr neu geschaffenen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen nicht zum Laufen. Das geht aus einem Entwicklungsbericht hervor, den SPD-Bildungsministerin Britta Ernst dem Landtag jetzt vorlegen musste.

Manche Gemeinschaftsschulen - wie hier in Sandesneben (Archivbild) - bekommen die Oberstufen nicht voll.

Quelle: jeb

Kiel. Dauerhaft 50 Schüler in Klasse 11 der Oberstufe: Das war die Mindestanforderung hinsichtlich der Schülerzahl, die die Regierung selber für die Einrichtung einer solchen Oberstufe festgelegt hatte. Neun ihrer 17 neuen Oberstufen erfüllen diese Anforderung aber immer noch nicht oder kratzen gerade mal an dieser Grenze.

Folge dieses Schülermangels: Auch die Bandbreite der angebotenen fachlichen Profile, von denen die Schüler eines für sich auswählen können und müssen, ist schmal. Während an den meisten Gymnasien vier Profile Standard sind – ein gesellschafts- und ein naturwissenschaftliches sowie ein ästhetisches und ein sportliches –, sind es an den neuen Gemeinschaftsschul-Oberstufen meist gerade einmal zwei.

Besonders bitter sieht es derzeit in Bordesholm aus. An der dortigen Hans-Brüggemann-Schule meldeten sich für das laufende Schuljahr nur noch 33 Oberstufenschüler an. Fast alle hatten zuvor die 10. Klasse dort besucht, Schüler von außen konnte die Schule nicht anlocken. Im Vorjahr waren noch 55 Schüler im elften Jahrgang, im Gründungsjahr 2014 nur 36 – von denen jetzt gerade noch 28 die 13. Klasse besuchen.

Schlecht sieht es aber auch in Sandesneben im Kreis Herzogtum Lauenburg aus. Hier meldeten sich 45 Schüler für die Oberstufe neu an, in den Vorjahren waren es 42 und 44. Die Albinius-Gemeinschaftsschule Lauenburg meldet 48 neue Oberstufenschüler nach 52 und 55 in den Vorjahren. Die Schule am Burgfeld in Bad Segeberg war 2014 mit 31 Oberstufenschülern gestartet, konnte 2015 dann 58 Schüler gewinnen, aktuell aber nur 50. Die Gemeinschaftsschule Auenland in Bad Bramstedt rutschte nach 51 Schülern zum Start 2015 jetzt auf 46 neue Schüler ab.

Erfolgreich hingegen sind zum Beispiel die Dietrich-Bonhoeffer- Schule in Bargteheide mit 69 Schülern nach 74 (2015) und 77 (2014) sowie die Friedegart-Belusa-Gemeinschaftsschule in Büchen mit 86 Schülern nach 92 und 62. Die Hahnheide-Schule in Trittau schafft die Marke mit 54 Schülern nach 53 und 55 nur knapp.

SPD-Bildungsministerin Britta Ernst verteidigt die Entscheidung für die neuen Oberstufen dennoch. Sie würden sich „ordentlich entwickeln“. Wo Schüler fehlten, gebe es eine intensive Begleitung der Schule durch die Schulaufsicht und externe Berater. Bei der CDU sieht man das ganz anders, kritisierte früh, dass die Oberstufen überflüssig seien. Leistungsstarke Schüler der Gemeinschaftsschulen könnten nach Klasse 10 auf ein berufliches oder in die Oberstufe eines herkömmlichen Gymnasiums wechseln. Es gäbe dazu bereits viele Kooperationen im Land. Stattdessen würden die neuen Oberstufen Lehrerstellen binden, die anderswo dringender gebraucht würden. „In ihrem Bericht muss die Landesregierung jetzt einräumen, dass sich ihre neuen Oberstufen nicht rechnen“, sagt die CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen. SPD, Grüne und SSW würden „Ressourcenverschwendung“ betreiben.

Mehr Oberstufenschüler

45 650 Schülerinnen und Schüler besuchen im aktuellen Schuljahr 2016/2017 landesweit eine Oberstufe, 27300 oder 59,8 Prozent von ihnen die Oberstufe eines Gymnasiums, 9950 (21,8 Prozent) die Oberstufe eines beruflichen Gymnasiums, 8400 (18,4 Prozent) die Oberstufe einer Gemeinschaftsschule. Im Jahr 2010 hatten in Schleswig-Holstein nur 37029 Schüler eine Oberstufe besucht, davon 23852 eine auf einem Gymnasium, 8761 eine auf einem beruflichen Gymnasium, 4416 eine auf einer Gemeinschaftsschule.

 Wolfram Hammer

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