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Norddeutschland Zu wenig Spender: Im Norden werden die Blutkonserven knapp
Nachrichten Norddeutschland Zu wenig Spender: Im Norden werden die Blutkonserven knapp
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09:09 16.06.2016
In Schleswig- Holstein werden die Blutkonserven knapp. Quelle: dpa
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Lütjensee/Lübeck

In Schleswig- Holstein werden die Blutkonserven knapp. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt vor einem Engpass. Bei der Blutgruppe 0 reichten die Reserven nicht einmal für zwei Tage, berichtet der Blutspendedienst Nordost in Lütjensee. Vier bis fünf Tage sollten es normalerweise sein. Betroffen sind vor allem Krebspatienten, für die knapp ein Fünftel aller Blutkonserven gebraucht wird. Die Versorgung von Unfallopfern steht erst an vierter Stelle. Grund für den Engpass ist eine rückläufige Spendenbereitschaft in der Bevölkerung, mutmaßlich bedingt durch die Fußball-EM.

Während die Spendenbereitschaft in den Sommermonaten traditionell abnimmt, sind es vor allem sportliche Großereignisse, die den Bestand bei Blutbanken und in den Kliniken weiter abschmelzen. Zuletzt war das vor zwei Jahren während der Fußball-Weltmeisterschaft spürbar. „Ob das jetzt wieder so ist, wissen wir noch nicht. Aber es sieht so aus“, sagt Susanne von Rabenau vom DRK–Blutspendedienst Nordost. Die jüngsten Blutspendetermine seien leider deutlich unter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Werbung dafür verpufft.

Falls sich die Situation weiter verschärfen sollte, will das DRK regelmäßige Blutspender anrufen und auffordern, bitte zu einer Spende zu kommen. Im Juli ist eigens ein DRK-Blutspendemobil zwischen Nord- und Ostsee unterwegs, um die Reserven aufzufüllen.

„Am ehesten kommt es bei der Blutgruppe 0 zu Engpässen, da sie von allen Patienten vertragen wird“, bestätigt Professor Siegfried Görg, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Allein im Lübecker Uniklinikum werden wöchentlich 500 Blutspenden benötigt, in Schleswig-Holstein und Hamburg zusammen sind es täglich 550. Um noch dichter an mögliche Spender heranzukommen, soll im Januar 2017 ein Blutspendezentrum im Citti-Park Lübeck eröffnet werden.

In den Sanakliniken Ostholstein (Eutin, Oldenburg, Fehmarn) sind die „Versorgungsengpässe im Moment noch nicht angekommen“, teilt Kliniksprecher Michael Hesse mit. Das gleiche gilt für die Sanaklinik Lübeck.

Trotz eines Aufrufs des DRK „Blut spenden – Leben retten“ kommen lediglich drei Prozent der Bundesbürger dieser Aufforderung nach. Besonders junge Leute werden nicht erreicht. Den gesetzlichen Vorgaben entsprechend könnte ein Drittel der Bevölkerung spenden. Spender müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Beim DRK dürfen Männer und Frauen nur bis zum 73. Geburtstag spenden.

„Jede Spende kann ein Leben retten. Deshalb kann ich nur an alle Bürger appellieren mitzumachen - gerade in den Sommermonaten“, sagt die Kieler Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD). Nach wie vor gebe es für viele Erkrankungen keine Alternative zur Behandlung mit Blutprodukten, mahnt Sabine Kraas, Leiterin der DRK-Institute in Lütjensee. Blut sei nicht künstlich herstellbar. Das Rote Kreuz deckt 70 Prozent des Blutbedarfs in Deutschland ab. Curd Tönnemann

Hier kann man im UKSH spenden

DRK-Spende-Termine

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