Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Zu wenige Wohnungen für Studenten
Nachrichten Norddeutschland Zu wenige Wohnungen für Studenten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:51 29.09.2017
Pfuong Mink Hank Ha (23) und Jessica Haase (20) vor dem Schwarzen Brett der Uni-Bibliothek in Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Anzeige
Kiel/Lübeck

In Zeiten steigender Studierendenzahlen und explodierender Mietpreise sei die Lage nicht nur in Hamburg, sondern auch in Schleswig-Holstein angespannt, erklärt Kerstin Klostermann, Abteilungsleiterin für Kommunikation des Studentenwerks Schleswig-Holstein. 3144 von 60000 Studierenden könne die Anstalt einen Wohnheimplatz anbieten. Das sind 5,6 Prozent. Zum Vergleich: Der Bundesschnitt liegt bei knapp zehn Prozent. „Wir brauchen dringend mehr Investitionszuschüsse von Bund und Land“, erklärt Klostermann.

Das gilt auch für Lübeck. „2016 konnten wir 5,9 Prozent von 9391 Studierenden einen Wohnheimplatz anbieten“, sagt Klostermann. Aktuell stünden noch 451 Studenten auf der Warteliste. Beim Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Fachhochschule Lübeck kennt man die Probleme. Zwar hätte es bisher noch keinen Andrang wohnungsloser Erstsemester gegeben, doch etwas anderes sei auffällig: „Wir bekommen keine Wohnungsangebote mehr rein“, berichtet Silke Peters (58) vom Sekretariat des Asta. „Früher haben sich regelmäßig Vermieter gemeldet, die freie Wohnungen für Studenten hatten, das geschieht jetzt gar nicht mehr.“ Ausgenommen seien unverschämt teure Angebote: „500 Euro für eine Ein-Raum-Wohnung können Studenten in der Regel nicht bezahlen“, sagt Peters.

Nach Informationen des Studentenwerks geben Studenten im Land durchschnittlich 313 Euro für die Miete aus. Doch so günstige Wohnungen müssen eben erstmal gefunden werden. Pit Kullik (25) hatte Erfolg bei der Suche: Zusammen mit einigen Kommilitonen hat er eine Wohnung im gerade fertiggestellten Neubauprojekt „Wohnquartier für Jung und Alt“ des Lübecker Bauvereins bezogen. Durchschnittlich 285 Euro Warmmiete zahlen die Studenten dort. „Das war großes Glück, denn der Wohnungsmarkt ist ansonsten wirklich schwierig“, berichtet Kullik. „Ich habe auf der Suche Ein-Zimmer-Wohnungen für mehr als 450 Euro gesehen, in die wirklich niemand einziehen möchte.“ Und bei ordentlichen Zimmern ist der Andrang dann enorm, berichtet Nils Fadda (19). Der Abiturient kommt aus einem kleinen Ort in der Nähe von Füssen (Bayern) und sucht händeringend nach einer Wohnung oder einem WG-Zimmer, denn zum Wintersemester fängt er sein BWL-Studium an. „Ich hatte nicht gewusst, dass die Lage so angespannt ist“, sagt Fadda. Gut 40 Leute seien bei einer Wohnungsbesichtigung für eine Ein-Zimmer-Wohnung aufgetaucht. „Da hatte ich keine Chance.“ Auch die WG-Suche sei schwierig, selbst nach diversen Kontaktaufnahmen und einem Aushang am Schwarzen Brett in der Uni hat er noch keine positive Rückmeldung bekommen. „Und auf der Warteliste für das Studentenwohnheim stehe ich irgendwo ganz hinten“, erzählt der 19-Jährige. Wer ein Zimmer frei hat, kann sich hingegen vor Interessenten kaum retten: Marcel Esser (25), Psychologiestudent an der Uni Lübeck, bietet gerade ein Zimmer in seiner Wohngemeinschaft auf dem Onlineportal WG-gesucht an. „Obwohl die Wohnung recht teuer ist, haben wir 150 Nachrichten bekommen“, sagt Esser. 400 Euro kostet das WG-Zimmer auf der Altstadtinsel. „Von Kommilitonen, die günstigere Zimmer anbieten, weiß ich, dass sie etwa 250 Anfragen bekommen haben.“

 Von Luisa Jacobsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige