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Zug um Zug aus der Nische

Lübeck Zug um Zug aus der Nische

Unter Lübecker Jugendlichen wird das Spiel mit König und Dame immer beliebter. In den kommenden Tagen richtet der Lübecker Schach Verein (LVS) die Deutschen Schach-Meisterschaften in der Hansestadt aus.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Schachbrett statt Fernseher oder Smartphone: Alexandra Mundt (13) und Mohammad Limouchi (12) sitzen sich im Clubheim des Lübecker Schachvereins von 1873 (LSV) gegenüber. Sie taktieren und sammeln eine Figur nach der anderen ein. Ziel ist, wie immer, der König des Gegenüber. Was ihnen so am Schach gefällt? „Mir macht es am meisten Spaß zu gewinnen“, sagt Alexandra und muss lachen.

 

LN-Bild

Unter Jugendlichen in Lübeck wird Schach immer beliebter. „Im Gegensatz zu anderen Vereinen wachsen wir ziemlich stark und entwickeln uns somit gegen den Trend“, sagt Thilo Koop, LSV-Vorsitzender.

Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Jugendliche den Weg in den Verein finden. „Vor zehn Jahren hat nur ein halbes Dutzend Jugendlicher bei uns gespielt, heute sind es mehr als 70“, sagt Koop über den Nachwuchsreigen. Der Verein ist mit seinen rund 180 Mitgliedern einer der größten Schachklubs im Norden. Mit zwölf Erwachsenen- und zehn Jugendmannschaften nimmt er am Spielbetrieb teil, die Spitzenteams spielen in der Oberliga und in der Jugendbundesliga.

Für die kommenden neun Tage richtet der LSV die Deutschen Schach-Meisterschaften aus – ein echter Höhepunkt im Vereinsleben. Zum ersten Mal findet das Turnier in Lübeck statt. Von heute an messen sich die besten Schachspieler aus ganz Deutschland an den Brettern. Sie grübeln, opfern ihre Bauern und versuchen, die Könige der Gegner Schachmatt zu setzen. Der jüngste Teilnehmer hat gleichzeitig die kürzeste Anreise: Martin Kololli ist 16 Jahre alt, Lübecker und spielt im LSV. Natürlich drücken Alexandra und Mohammad vor allem ihm die Daumen.

Mohammad hat die Faszination für Schach von seinem Vater geerbt. „Ich mag vor allem die Strategie, das Vorausdenken von Zügen“, erklärt der Zwölfjährige. „Man kann den Gegner studieren und lernt dabei, geduldig zu sein.“ Ein eigenes Schachbrett hat er auch zu Hause.

Immer mehr Jugendliche wollen Schach spielen. Das bestätigt auch Bettina Ernst vom Lübecker Spielwarengeschäft Kinderkram: „Schach ist ein klassisches Spiel. Die Regeln sind einfach, man kann es jedoch sehr aufwendig und kniffelig spielen.“ Schachbretter würden immer gerne verschenkt, nicht nur an Erwachsene, sondern auch an Jugendliche. „Gerade zu Weihnachten verkaufen wir das Spiel sehr gut“, sagt Ernst. Ein Grund für die Beliebtheit des Denksports unter Jugendlichen ist die Schachschule von Michael Weiss. Mit seinen Schach-Arbeitsgemeinschaften sei Weiss „an ziemlich jeder Grundschule in Lübeck vertreten“, so Thilo Koop. Michael Weiss betont, dass Schach die Schulkinder sehr umfassend bildet: „Es fördert die Konzentration, Ausdauer und soziale Kompetenz sowie das räumliche Sehen und Vorstellungsvermögen.“

In den AGs überwiege zwar der spielerische Aspekt, doch „alle Kinder profitieren davon“. Eines seiner Credos lautet: „Nur Überlegen macht überlegen.“ Einmal im Jahr wird der Lübecker Schulschach-Pokal ausgetragen. Dann messen sich in der Musik- und Kongresshalle etwa 400 Schüler, „Tendenz steigend“, fügt Weiss an.

Auch Alexandra kam durch die Angebote der Schachschule in Kontakt mit dem Spiel. „In der Grundschule hat mir das immer viel Spaß gemacht. Ich wollte dann im Verein weiterspielen“, sagt die 13-Jährige. Der LSV-Vorsitzende Thilo Koop freut sich über das Interesse: „Immer mehr Vereine sterben heute aus, doch wir wachsen.“

Schach-Premiere in der Hansestadt

Ein Novum in Lübeck: Die 26 Besten der Schach-Landesverbände sowie einige gesetzte Spieler spielen bis Sonnabend, 29. Oktober, im Hotel „Holiday Inn“ den Deutschen Meister aus.

Mittendrin sind zwei Lübecker: Martin Kololli (16) und Rasmus Svane (19). Svane, einst im Lübecker Schachverein, spielt seit vier Jahren in der 1. Liga in Hamburg. Er ist Titelfavorit. Heute, ab 10 Uhr, spielt Großmeister Niclas Huschenbeth Simultanschach. Er nimmt es gleichzeitig mit 20 Gegnern auf. Die Meisterschaftspartien finden täglich ab 14 Uhr statt, am 29. Oktober ab 11 Uhr. Siegerehrung ist ab 19 Uhr.

 Jan Dresing

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