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Norddeutschland Zum Rettungseinsatz mit dem E-Mobil
Nachrichten Norddeutschland Zum Rettungseinsatz mit dem E-Mobil
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22:12 01.06.2017
Rettungsschwimmer Hendrik Meyer (35, l.) und seine Kollegen Wanda Lelle (18) und Stefan Sebode (36) sind begeistert vom neuen Wagen. Quelle: Foto: O. Malzahn

Fast lautlos bewegt sich Hendrik Meyer mit dem kleinen Elektro-Geländewagen durch den tiefen Strandsand in Sierksdorf, umkurvt dabei Strandkörbe, spielende Kinder und Badegäste, die es sich auf Handtüchern bequem gemacht haben. „Ich muss extrem konzentriert fahren, weil ich meist überhört werde“, berichtet der Rettungsschwimmer der DLRG Haffkrug-Scharbeutz.

Die Lebensretter haben als deutschlandweit erster Ortsverein ein Elektromobil angeschafft und sind damit diese Saison täglich von 10 bis 18 Uhr auf dem 20 Kilometer langen Strandabschnitt zwischen Niendorf und Sierksdorf unterwegs. Im vergangenen Jahr haben die Scharbeutzer das knapp eine Tonne schwere Fahrzeug getestet und anschließend entschieden, es zu behalten. Eine teure Investition: 20000 Euro kostete die sogenannte „E-Mule“ mit ihren acht Batterien – und damit doppelt so viel wie die Benziner, die bereits seit 2003 am Strand von Scharbeutz fahren.

„Dafür ist das Fahrzeug umweltschonender“, sagt der DLRG-Abschnittsleiter Peter Franz. „Es gibt keine Verbrennungsstoffe und Öle, die am Strand auslaufen könnten.“ Ein weiterer Vorteil: Der Wagen mache keine Motorgeräusche. „Ich kann direkt an schlafenden Gästen vorbeifahren und sie werden nicht wach“, sagt Meyer.

Das E-Fahrzeug sei als mobile Einheit in das Rettungskonzept der DLRG integriert – genauso wie die weiterhin eingesetzten Benziner. Die insgesamt fünf Wagen werden so an der Lübecker Bucht verteilt, „dass innerhalb von 180 Sekunden jeder Ort am Strand erreicht werden kann“, erläutert Christoph Niemann, der stellvertretende Vorsitzende. Auf der Ladefläche befinden sich eine Rettungsboje, ein Rettungsbrett (Spineboard) sowie Sauerstoff und ein Defibrillator.

In der Nebensaison, wenn noch nicht alle Rettungsstationen besetzt sind, fahren sie auch viel Streife. Zudem werden mit den Fahrzeugen jeden Morgen die Brandungsrettungsboote an den Strand gezogen – und abends wieder in ihre Nachtlager. Etwa 45 km/h ist das E-Fahrzeug theoretisch schnell, am Strand seien sie aus Sicherheitsgründen aber nur mit sechs Kilometern pro Stunde unterwegs, sagt Meyer. Dennoch sei das besser als zu Fuß zum Einsatz zu laufen, betont der Rettungsschwimmer. „Die Ausrüstung wiegt zehn bis 20 Kilo. Wenn wir damit durch den tiefen Sand laufen, kommen wir schon völlig fertig am Einsatzort an.“

Die Reichweite eines voll geladenen E-Strandautos beträgt rund 40 Kilometer. Das reiche vollkommen aus, sagt Niemann. Zumal sich in Scharbeutz an jeder DLRG-Station eine Steckdose befinde, über die das Fahrzeug wieder aufgeladen werden könne. „Ich habe das Ladekabel immer an Bord“, sagt Hendrik Meyer und holt es auch jetzt – bei einer kurzen Pause an Turm elf in Sierksdorf – zum Aufladen hervor.

Die DLRG plant bereits, weitere E-Fahrzeuge für die Lübecker Bucht anzuschaffen. Dafür werde jetzt über Spendenprojekte Geld gesammelt, berichtet Niemann.

 Janina Dietrich

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