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20:10 27.07.2018
Albersdorf

Es riecht nach Lagerfeuer, Kinder planschen ausgelassen in einem Teich, und ein Mann schlendert fast nackt den Weg entlang. Er trägt nichts außer einem schmalen Lendenschurz und einer Halskette aus Tierzähnen. Neben ihm eine junge Frau – barfuß und im Lederkleid. Die friedliche Szene endet abrupt, als ein Junge mit Pfeil und Bogen hinter einer Hütte hervorspringt, und einen Pfeil quer über den Weg schießt. Sofort stürzt eine Frau aus der Türöffnung und schimpft: Niemand darf sich einfach irgendwo hinstellen und Schießübungen machen, erklärt sie dem ungefähr zehn Jahre alten Kind. Auch in der „Steinzeit“ gilt es, Regeln zu beachten.

Zu dieser Zeitreise mehrere Tausend Jahre zurück in die Vergangenheit haben sich rund 80 Männer, Frauen und Kinder im Steinzeitpark Dithmarschen getroffen. Insgesamt zehn Tage lang tauschen sie Anzug und Krawatte gegen einen groben Leder-Umhang. „Seit fünf Jahren schon veranstalten wir im Sommer bei uns Steinzeittreffen“, sagt Koordinator Werner Pfeifer. Die ersten Jahre waren es rein wissenschaftliche Experimentiertreffen. Seit 2017 jedoch versammeln sich die meisten der „Steinzeitler“ Europas in Albersdorf, um sich gegenseitig besser kennenzulernen, Wissen auszutauschen, und ein paar Tage als Steinzeitmenschen zu leben, erklärt der Museumspädagoge. „Wir haben vom Schüler über den Hobby-Steinzeitmenschen und Archäologen bis zum Professor alles dabei.“

Einer ist der „Bärenschamane“ Miika aus Finnland, der auch andere Steinzeittreffen besucht. „Aber dieses ist anders: Mehr Menschen, und mehr Workshops“, erklärt er. Die traditionellen Handwerkstechniken der finnischen Ureinwohner hätten seine Faszination für die Steinzeit schon vor 25, 30 Jahren geweckt, erzählt er. In Albersdorf will er Gleichgesinnte kennenlernen.

Außerdem könne man auf solchen Treffen immer etwas Neues lernen. „Egal, wie viele Jahre man schon sich damit beschäftigt, man sieht immer wieder neue Tricks und Techniken.“

Die jüngste Teilnehmerin ist ein Säugling, drei Monate alt. „Sie ist im letzten Jahr hier während des Steinzeitreffens gezeugt worden“, erzählt Pfeifer. Die Eltern kommen aus Norwegen und Finnland.

„Sie ist friedlich, begleitet uns und lächelt uns ganz fröhlich an.“

Eine kurze Böe drückt den Rauch des Lagerfeuers zur Seite und gibt den Blick frei auf einen durstigen Jungen, der in großen Zügen Orangensaft aus einer PET-Flasche trinkt. Sowas ist kein Problem beim „größten Steinzeittreffen seit der Steinzeit“. Jeder macht nur so viel Steinzeit, wie er es mag. Werner Pfeifer mag es authentischer. Er trinkt aus einem selbst gemachten Wasserbeutel aus einer Rinderblase. „Damals hätte man Auerochse genommen oder Wisent“, sagt er. Seine Tierblase werde in einer Zoohandlung als Tierfutter verkauft. „Die hab ich mit Weidenrinde gegerbt, danach war der Uringeschmack weg.“ Da das Wasser trotz der Behandlung noch „etwas merkwürdig“ nach Tierfutter roch, habe er den Tipp bekommen, ein wenig Rotwein hinein zu tun. „Also hab ich gestern eine Flasche Rotwein rein gefüllt. Die haben wir natürlich ausgetrunken – als Experiment“, sagt er lachend. Danach war der Geschmack weg. Seitdem schmeckt das Wasser aus der Blase „wie aus dem frischen Bach. Die meisten unserer Steinzeitleute haben sowas noch nie gesehen und sind ganz fasziniert.“

Die Verpflegung ist bei dem Albersdorfer Steinzeittreffen keine „Steinzeit“. „Wir kochen in einer modernen Küche mit Stahltöpfen, was die umliegenden Lebensmittelhändler hergeben“, sagt Pfeifer.

„Hardcore“-Steinzeitler werden in diesem Jahr beim Essen auf ihre Kosten kommen, denn es gibt zwei Workshops zu dem Thema. „Einer will ein paläolithisches (altsteinzeitliches) Essen machen –

einen Lachs mit Gemüse in einer Kochgrube, da freuen wir uns drauf. Und ein anderer ein veganes, neolithisches (neusteinzeitliches) Essen – da sind wir alle sehr gespannt. Wahrscheinlich wird das nur eine „Getreide-Matsche“ sein, das ist vegan, und auch neolitisch, klingt auch toll, ist aber im Grunde ganz banale Getreidebrühe.“

Von Wolfgang Runge

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