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Norddeutschland Zwei Dörfer im Namen des Hasen
Nachrichten Norddeutschland Zwei Dörfer im Namen des Hasen
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18:26 26.03.2016

Die Kinder Lene (4), Mia (7), Max (5), Johannes (2) und Paul (5) haben für den hüpfenden Besucher in ihrem Garten einen kleinen Unterstand gebaut. Sie hoffen, dass er besonders heute wiederkommt. „Das ist natürlich der Osterhase“, weiß Felix Greulich, der das Tier schon oft in seinem Garten beobachtet hat. Dass der Osterhase aus dem Dorf Hasenmoor im Kreis Segeberg kommt, ist für ihn klar. Allerdings hat man den niedlichen Gesellen auch schon einmal im nur 25 Kilometer entfernten Hasenkrug gesichtet.

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Im Kreis Segeberg gibt es zwei beschauliche Orte, in denen besonders zu Ostern ihre Namen in den Mittelpunkt rücken.

Die Bundesstraße 206 führt durch die 700-Seelen-Gemeinde Hasenmoor. Früher war die Schnellstraße nur ein Feldweg, heute rauschen Lkw am Hofladen der Familie Ehlers vorbei. Jetzt im Angebot: Hasen aus Baiser und Quark-Teig. Lebendige Hasen hüpfen hier nicht herum, dafür sind Enten, Hühner, Schweine und Kühe auf dem Hof zu Hause. Direkt am Anfang von Hasenmoor lädt das Hotel „Tanzhase“ zum Hüften schwingen, Essen und Übernachten ein. „Früher gab es hier noch eine Tankstelle, einen Kiosk und eine Schule“, erinnert sich der Bürgermeister Klaus-Wilhelm Schümann (61), der in Hasenmoor aufgewachsen ist. „Für uns ist der Ortsname alltäglich, wir leben damit“, sagt der Landwirt. Hasen sieht er öfter, früher wimmelte es in der Gegend von ihnen. „Die Altvorderen haben aber eher von Kaninchen gesprochen“, so der 61-Jährige. Auf der anderen Seite der B 206 fegt Ilse Steenbock (68) die Einfahrt ihres Hauses. Der Vorgarten ist österlich dekoriert. Sie wohnt seit 40 Jahren hier. Gerade neulich habe sie auch wieder einen Hasen an der Au gesehen. Dort liegt auch das Moor, das neben dem Hasen auf dem Wappen von Hasenmoor abgebildet ist. „Ab Mai organisiert der Landfrauenverein immer donnerstags Fahrradtouren — dann geht‘s auch ins Moor“ , so die Hasenmoorerin.

Sport wird hier groß geschrieben. Am Wolfsberg, der erstmals 1275 urkundlich erwähnt wurde, liegt die Anlage. Zu Ostern muss der SC Hasenmoor mit 400 Mitgliedern seinem Namen alle Ehre machen. Am Ostermontag spielen die SC-Fußballer in der Kreisklasse A gegen den TSV Weddelbrook. „Da müssen wir ran“, sagt Lukas Bach (24), der mit Holger Aschen (38) im Garten werkelt. Wenn der Düsseldorfer erzählt, wo er genau wohnt, stutzen viele. Wo liegt das denn? Hier komme man nicht oft vorbei, so Aschen.

Auch nach Hasenkrug verschlägt es nur wenige. Von Hasenmoor dauert es nur 20 Minuten über die Autobahn, dann Brokenlander Straße und Hauptstraße durch Hardebek bis ins Dorf. Hier sagen sich Fuchs und Hase noch gute Nacht. Ein Frühstückscafé ist der Treffpunkt der knapp 300 Einwohner. Einer davon ist Roland Gripp — er ist hier groß geworden. Woher der Ort seinen Namen hat, weiß er von seinem Opa. „Früher seien die Hasen immer durch den Dorfkrug gelaufen“, so der 48-Jährige und grinst. Der anderen Sage nach wurden die Tiere in einen Winkel gescheucht und erlegt — dort, wo die Brokenlander Au und Wiemersdorfer Au zusammenfließen. Krug ist wohl aus dem niederdeutschen Krooch (Hasenwinkel) abgeleitet. Nicht nur in dem Ortsnamen, auch in Gripps Garten kommen Hasen vor. Sie müssen sich das Idyll mit Hühnern, Schweinen und den eigenen Kaninchen teilen. „Ein Wildhase kommt immer wieder“, berichtet Gripp. Trotz aller Sagen gibt es in Hasenkrug einen normalen Niederwildbestand. Mit ihm gibt es noch weitere vier Jäger im Dorf. Einmal im Jahr ist Treibjagd. Der Osterhase wird natürlich verschont. „Er ist besonders gekennzeichnet, ihn lassen wir in Ruhe“, so Gripp.

Das Geschäft von Ralf Hartmann-Paulsen sind nicht die Hasen, sondern die Kartoffeln. Auf 160 Hektar rund um Hasenkrug baut er neun verschiedene Sorten an. „Jetzt haben wir eine ganze Menge zu tun, nach Ostern wird‘s dann etwas ruhiger“, so der Chef des Betriebs. Als er 1986 zuzog, fand er den Ortsnamen ganz amüsant. „Der war ja ganz lustig“, so der Bauer. Inzwischen hat allerdings sein Mitarbeiter Florian Fölster genug von Hasen. „Ich sehe jeden Tag 20 bis 30 Stück auf den Feldern“, erzählt der Angestellte.

Nach den Festtagen kehrt dann erstmal wieder Ruhe ein in den beiden Dörfern, nachdem die Osterfeuer abgebrannt und die Eier gefunden wurden. In den Gärten von Roland Gripp in Hasenkrug und Felix Greulich in Hasenmoor werden sich aber weiterhin Hasen tummeln. Die Ortsnamen sind immer Programm.

Von Beke Zill

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