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Norddeutschland Zwei Euro für eine Erfrischung? In Lübeck trinken Hunde gratis
Nachrichten Norddeutschland Zwei Euro für eine Erfrischung? In Lübeck trinken Hunde gratis
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09:35 03.09.2016
Für Kellner Salim Celik ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Labrador „Carlson“ kostenloses Wasser bekommt. Quelle: Fotos: Felix König (4), Dpa

Gierig verfolgt „Merlin“, wie sein Frauchen Luisa Janssen (53) die Wasserflasche und den weißen Napf aus der Tasche holt und langsam den Verschluss aufdreht. Kaum ist es so weit, saugt der Goldendoodle an der Flasche. „Das macht er immer, er trinkt einfach liebend gern aus der Flasche“, sagt die 53-Jährige lachend. Die Urlauberin ist mit ihrer Familie und Hund „Merlin“ zu Besuch in Lübeck. Es ist ein warmer Tag, „Merlin“ hat großen Durst. Rund einen Liter trinkt er, wenn die Familie den ganzen Tag unterwegs ist. Wenn das Wasser alle ist, füllt Luise Janssen die Flasche in einem Restaurant auf. „Das ist eigentlich auch nie ein Problem“, sagt sie.

Ein Gastronom in Steinfurt kassiert für Wasser im Napf – Tierfreunde schütteln den Kopf.

„Man sollte keinen Gewinn aus dem Wasser schlagen.“ Sylvia Oswald (24)

In einem italienischen Restaurant im Kreis Steinfurt kostete einen Hundebesitzer allerdings genau diese Bitte zwei Euro. Denn so viel nimmt der Wirt, wenn er die vierbeinigen Gäste mit Wasser versorgt. „Völlig unverständlich“, findet Salim Celik, der im Wiener Kaffeehaus in der Breiten Straße arbeitet. An den Holztischen des Cafés machen viele Gäste mit Hunden Halt. „Wenn ich einen Hund sehe, bringe ich meist schon ohne zu fragen eine Schale Wasser“, erzählt der 45-Jährige. „Zwei Euro bezahlt man vielleicht für ein normales Sprudelwasser, aber Leitungswasser sollte natürlich umsonst sein.“ Gabriele Knauer freut sich, als Celik ihren Labrador „Carlson“ mit Wasser versorgt. „Wenn ich irgendwo esse und bezahle, dann sollte das eigentlich auch gratis sein“, findet die 61-Jährige, „ich frage oft nach Wasser, und bisher war das nirgendwo ein Problem.“

Auch Paik Hemprich (18) vom Kaffeehaus in der Hüxstraße freut sich immer über Hunde-Besuch. „Wir reichen ja auch kostenloses Leitungswasser zum Kaffee, wenn die Gäste das wünschen. Warum sollten wir also bei den Hunden Geld nehmen?“, sagt er. Wasser steht deshalb den ganzen Tag über direkt neben der Eingangstür. Einige Häuser weiter hält gerade ein kleiner Chihuahua vor dem Friseursalon von Andrea Röttger (47) an. „Für ihn ist der Napf eher eine Badewanne“, sagt sein Besitzer scherzhaft, während der kleine „Hector“ ein wenig Wasser aus dem großen Napf trinkt.

Für die Inhaberin des Salons „Skalp – die Haarschneider“ ist es selbstverständlich, dass nicht nur die Kunden, sondern auch Urlauber und Einheimische ihre Vierbeiner trinken lassen. „Entweder man gibt gerne, oder eben nicht. Ich kenne die Problematik mit Hund und finde es schön, wenn alle sich hier erfrischen“, sagt Röttger. Auch im Café Erdapfel am Markt hält die Angestellte Sylvia Oswald stets eine weiße Schale mit Wasser bereit. „Wer weiß, wie lange die Hunde bereits unterwegs sein mussten. Man sollte aus Leitungswasser keinen Gewinn schlagen“, findet die 24-Jährige und bringt deshalb dem Bearded Collie „Benny“ schnell einen Napf mit Wasser raus. Besitzerin Ellen Herbold (51) freut sich. „Ich fände es sogar in Ordnung, wenn man etwas dafür geben müsste, aber zwei Euro sind einfach zu viel“, sagt sie.

 Maike Wegner

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