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Zwei Länder - eine Region

LN Serie Zwei Länder - eine Region

Der Fehmarnbelt liegt zwischen der dänischen Süd- und der ostholsteinischen Nordküste. In der Serie „Nachbarn“ präsentieren wir Menschen, die in dem Gebiet zu Hause sind – wie Hans Gade und Lise Miller Tönnies, die das deutsche und dänische Leben kennen.

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Hans Gade und Lise Miller Tönnies.

Quelle: Collage LN

Mehr Lebensqualität im Alter

Kling! Der Ton zweier schwerer Metallkugeln schneidet scharf durch den sonst so brausenden Wind. „Da hast du sicher zwei.“ „Also hier ist der hier. Und hier ist der.“ „Und der hier, das ist meiner.“ „Ja, da werden das doch drei Punkte.“ Eine kleine Gruppe Rentner starrt eifrig auf den Sand des Boulefeldes, um die Punkte der Runde zusammenzuzählen.
Zwölf Bewohner des Helgenæsparks in Nakskov in Lolland haben sich auf den beiden Plätzen des Wohngebiets zusammengefunden. Der Sand fliegt in alle Richtungen, als die schweren Kugeln auf das Feld geworfen werden. Das französische Spiel ist eines von vielen Aktivitäten, in denen die 130 älteren Bewohner und Rentner des Helgenæsparks allwöchentlich aufgehen. „Wir langweilen uns bestimmt nicht“, erzählt ein Bewohner.

Ein Neustart mit vielen Aktivitäten

So viel los war jedoch nicht immer. Im Jahr 2000 saßen die Bewohner oft einsam hinter ihren Küchenfenstern und schauten nach draußen. Sie langweilten sich und hofften, dass vielleicht jemand zu Besuch kommen würde, erzählt Hans Gade. „Aber es war selten, dass jemand vorbeikam. So musste ich ja mit irgendetwas anfangen.“ Vor 17 Jahren wurde er als Hausmeister im Helgenæspark eingestellt, mit der Verantwortung, die Umgebung und die Wohnungen instand zu halten. Aber das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bewohner war für den 58-jährigen Hausmeister ebenfalls wichtig. „Ich begann damit, für sie einige alte dänische Filme zu spielen. Das war der Anfang“, berichtet der gebürtige Berliner.Mehr

Zusammenhalt und Lebensqualität

Zu Beginn mussten sich die Bewohner ein wenig an die neuen Aktivitäten gewöhnen. „Heute sind im Durchschnitt 30 Bewohner beim Filmklub dabei und ungefähr zwölf bis 16 bei Boule. Jedes zweite Mal haben wir ein gemeinsames Essen bei der Filmvorführung und dann kommen noch mehr“, sagt Hans Gade, der 2000 nach Nakskov zog. Vorher wohnte er in Maribo und arbeitete als Sparkassenmitarbeiter.

Er ist sich sicher, dass die Aktivitäten große Bedeutung für die Rentner haben. „Sie kommen raus und lernen einige der anderen Bewohner viel besser kennen. Das schafft einen besseren Zusammenhalt, und meine Kollegen und ich lernen ebenfalls die Älteren besser kennen. Es besteht kein Zweifel, dass das viel für die Lebensfreude der Bewohner bedeutet.“

Der Hausmeister bekommt viele positive Rückmeldungen für sein Engagement. „Es gibt keinen besseren Hausmeister“, sagt Inger Skytt. Sie ist Vorsitzende des lokalen Rentnervereins Horslunde, und auch wenn sie nur ein halbes Jahr in Helgenæspark gewohnt hat, hat sie sich bereits ein deutliches Bild von Hans Gades bedeutender Rolle für die älteren Bewohner machen können. „Er empfängt die neuen Bewohner sehr freundlich, inklusive uns, und er tut alles, um so gut wie möglich zu helfen. Alle Bewohner erzählen, dass sie sehr froh über ihn sind.“ Die Aktivitäten schaffen eine Gemeinschaft und geben ihnen Lebensqualität zurück. „Hans Gade bringt wirklich vieles in Gang“, erzählt Skytt.

Zu Hause in Nakskov und unterwegs in Berlin

Hans Gade wohnt zusammen mit seiner finnischen Freundin in Nakskov. Hin und wieder nehmen sie jedoch ein wenig Abstand von der Region. Dann geht es nach Berlin, wo der Hausmeister eine Wohnung besitzt. „Jedes Mal, wenn ich ein wenig Ferien habe, fahre ich da runter. Ich nutze das auf verschiedenste Weise, da es schön und günstig ist, dort zu wohnen.“ Die Metropole Berlin und das beschauliche Nakskov könnten unterschiedlicher nicht sein. „Aber so verschieden ist es auch nicht. In Berlin gibt es ja auch einige Oasen, zu denen wir mit dem Fahrrad fahren“, erzählt Gade. Er beherrscht die deutsche Sprache und kennt ein paar Deutsche, die in Nakskov wohnen. „In meinen jüngeren Tagen war ich Amateurfunker, da habe ich mit vielen Deutschen via Funkgerät gesprochen“, erzählt der Hausmeister, der aus seinen Gesprächen viele Gemeinsamkeiten zwischen den Dänen und Deutschen erkennen konnte. „Ich glaube, wir ähneln uns mehr, als es die Schweden und die Dänen tun. Ich glaube auch nicht, dass es einen größeren Unterschied zwischen Lolland und Fehmarn gibt, als zwischen Seeland und Jütland. Wir sprechen nur eine andere Sprache“, sagt Gade. E

r würde sich freuen, wenn die Dänen viel mehr mit den Deutschen interagieren würden. „Früher hatten wir richtig viele Deutsche hier jedes Jahr im Sommer, und das ging zu einem Zeitpunkt stark zurück.“ Aber nun kommen einige Deutsche wieder in die Umgebung, erzählt Hans Gade, und es freut ihn, dass sich die beiden Völker miteinander vermischen. „Die Deutschen, mit denen ich gesprochen habe, mögen Dänemark und die Art, wie wir sind.“

Die Zeit wird es zeigen

Im Büro mitten im Helgenæspark herrscht Stille. Wenn der 58-jährige Hausmeister über seine Arbeit spricht, strahlt er. Zuversichtlich schaut er auch in die Zukunft. Noch etwa fünf Jahre, dann geht er selbst in den Ruhestand. Wie er sich sein Leben nach dem Beruf vorstellt und ob er sich auch vorstellen kann, in Helgenæspark zu wohnen, kann er nicht sagen. „Das wird die Zeit zeigen.“

„In meinem Herzen bin ich Dänin“

Kiel. Lise Miller Tönnies ist in Gedanken, ihr Blick wandert vom Sofatisch in den leeren Raum. Ihr Kater „Olsen“ öffnet kurz ein Auge, um dann seinen Mittagsschlaf fortzusetzen. „Je Semester sind das ungefähr 60. Sagen wir ungefähr 100 im Jahr. Insgesamt schätze ich 3000. Auf jeden Fall in dieser Größenordnung“, sagt sie. Miller Tönnies spricht über die Anzahl der internationalen Studenten an der Universität Kiel, die sie in Deutsch als Fremdsprache unterrichtet hat.
Im Regal stehen deutsche und dänische Bücher aneinandergereiht. Lise Miller Tönnies wohnt in dem Reihenhaus aus roten Backsteinen in einer ruhigen Straße im Zentrum Kiels zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jan, der Katze und dem Wachtelhund „Oscar“, der einem langhaarigen Cocker-Spaniel mit Hängeohren ähnelt und jeden Gast aufgeregt begrüßt.

Bei ihrer Familie ist sie die, die in Deutschland wohnt

Die 59-Jährige ist in Maribo aufgewachsen. In ihr Elternhaus kamen oft deutsche Gäste, und der Fernseher empfing deutsche Kanäle, so wurde sie mit der deutschen Sprache schon in frühem Alter vertraut. Nach dem Gymnasium zog sie nach Kopenhagen, wo sie Deutsch an der Kopenhagener Universität studierte. 1984 zog sie mit ihrem damaligen Mann nach Kiel, und 1988 kam Tochter Kirstine zur Welt, die heute in Berlin lebt und selbst eine dreijährige Tochter hat.

Obwohl sie seit dieser Zeit in Deutschland lebt, ist sie weiterhin dänische Staatsbürgerin und sieht sich selbst als Dänin. Mit einem Sommerhaus auf Falster, einer Mutter in Maribo und einer Schwester in Kopenhagen vergehen auch selten ein paar Wochen, bis Lise Miller Tönnies wieder Dänemark besucht. „Wenn ich nach Dänemark komme und mit meiner Familie zusammen bin, bin ich die, die in Deutschland wohnt. Also bin ich nicht 100 Prozent dänisch. Ich verpasse viel, was so in Dänemark passiert, und ich kann an meiner Sprache merken, dass ich manchmal nach dem richtigen Wort oder einer dänischen Redewendung suchen muss. Aber hier in Deutschland fühle ich mich als Dänin“, sagt Tönnies.

Studenten fragen sich: Deutsche oder doch Dänin?

Damals, 1984, hat sie sich keine weiteren Gedanken über ihren Umzug nach Deutschland gemacht. Bei der Arbeit an der Universität lernte sie durch einen Bekannten ihren damaligen deutschen Mann kennen. Lise betrachtet ihre Arbeit als Lehrerin für internationale Studenten als einen wichtigen Teil ihres Lebens. Das Niveau, auf dem die Studierenden Deutsch lernen sollen, ist sehr hoch.

Erst über die Jahre haben ihre Studierenden bemerkt, dass sie keine Deutsche ist, sondern ebenfalls die Sprache erst lernen musste. „Wenn ich bemerke, dass sie Probleme mit der Sprache haben, sage ich, dass ich das gleiche durchgemacht habe. Das finden sie sehr interessant. Das ist ein kleiner Vorteil für mich. Ich habe einen anderen Zugang zu der deutschen Grammatik als meine deutschen Kollegen mit deren Muttersprache. Aber natürlich kommen auch meine deutschen Kollegen gut zurecht“, sagt die 59-Jährige.

Wahl in Dänemark? Nicht mit Lise Miller Tönnies

Lise Miller Tönnies möchte weder die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen, noch ihre dänische abgeben. Sie lehnt die doppelte Staatsbürgerschaft ab und geht auch nicht zur Wahl in Dänemark. Der Grund: Sie sollte nicht mit gutem Gewissen Einfluss darauf nehmen, wer in Dänemark bestimmt, wenn sie nicht im Land selbst lebt. „Ich glaube nicht, dass es okay ist, in zwei Ländern wählen zu gehen. Man sollte Stimmrecht in dem Land haben, in dem man wohnt, arbeitet und Steuern zahlt. Und wo die Politik für einen relevant ist. Ich glaube nicht, dass es okay ist, dass ich Stimmrecht in Dänemark habe“, sagt Miller Tönnies.

Verwurzelt in Deutschland, im Herzen eine Dänin

Obwohl sie schon seit 33 Jahren in Kiel lebt, bleibt Miller Tönnies ihren Wurzeln treu. „In meinem Herzen bin ich Dänin, und das bedeutet viel für mich. Ich bin im ganzen Frühling, Sommer und <NO1>eine, zwei oder vier Wochen<NO>über Weihnachten in Dänemark. Darüber hinaus bin ich an vielen Wochenenden im Sommerhaus auf Falster, bei meiner Mutter in Maribo oder meiner Schwester <NO1>und ihrem Mann<NO>in Kopenhagen. Ich bin eine richtig fleißige Rødby-Puttgarden-Autofahrerin“, sagt sie mit einem Lächeln.
Ob Lise Miller Tönnies eines Tages wieder nach Dänemark zieht, darauf hat sie keine Antwort. „Ich schließe nicht aus, dass ich von einem ,Back-to-the-roots-Syndrom’ heimgesucht werde und einen Lebensabend in einer dänischen Provinzstadt einem Lebensabend in einer mittelgroßen deutschen Stadt vorziehe.“

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