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Norddeutschland Zwei Tote nach heftigem Unwetter im Norden
Nachrichten Norddeutschland Zwei Tote nach heftigem Unwetter im Norden
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Diese Bilder des Deutschen Wetterdienstes zeigen, wie das Unwetter über dem Hamburger Hafen aufzieht. Oben zieht das Gewitter heran, unten hat es das Gebäude der Meteorologen fast erreicht.
Lübeck

Südlich von Hamburg haben Meteorologen der Luftfahrtberatung gar den typischen „Luftschlauch“ eines Wirbelsturms gesichtet. Der Tornado-Beauftragte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Andreas Friedrich, sagte, es habe sich dabei um einen schwachen und nur kurzlebigen Wirbel von wenigen Minuten mit wenig „Bodenkontakt“ gehandelt.

Nach den heftigen Unwettern ist auch am Freitag noch der Bahnverkehr in Teilen Deutschlands unterbrochen. Die wichtige Ost-West-Fernverkehrsstrecke zwischen Berlin und Düsseldorf war seit den frühen Morgenstunden wegen Unwetterschäden zwischen Bielefeld und Gütersloh gesperrt, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Die Züge wurden umgeleitet. Auch zwischen Hamburg und Hannover fuhr zunächst weiter kein Zug. Gestrandete Bahnreisende auch in Hamburg mussten die Nacht in extra bereitgestellten Zügen verbringen.

Bahnverkehr rund um Hamburg stockt auch am Tag nach dem Gewitter.

Auch im Nahverkehr des Metronoms gab es am Freitagmorgen erhebliche Einschränkungen, wie das Bahnunternehmen auf seiner Website mitteilte. Reisende sollten sich im Internet erkundigen, ob ihre Züge fahren. Im Hamburger Stadtverkehr wurde auf der Linie S3 der Abschnitt Neugraben-Stade mit Bussen und Taxen bedient.

Am Bahnhof Altona richteten Hilfsorganisationen am Donnerstagabend eine Notunterkunft für gestrandete Bahnreisende ein, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Weitere 300 Schlafplätze standen den Festsitzenden in einer Schule zur Verfügung. Die Bahn stellte zudem vier Schlafzüge bereit.

Das Unwetter hatte die Feuerwehr laut Sprecher bis zum Freitagmorgen rund 240 Mal auf Trab gehalten. Bei den Einsätzen waren demnach meist Bäume auf Straßen, Häuser oder Bahngleise gefallen.

Der Flughafen Hamburg sagte am Donnerstag für eine halbe Stunde alle Starts und Landungen ab. Aus Sicherheitsgründen mussten die Mitarbeiter das Vorfeld verlassen und in die Gebäude gehen. Passagiere saßen in den Maschinen fest, wie eine Sprecherin sagte. Ein Flug wurde gestrichen, gut 50 Maschinen verspäteten sich.

Lesen Sie alles dazu in unserem Live-Ticker nach.

Meteorologen beobachten Tornado bei Hamburg. Bahnverkehr ist teilweise lahmgelegt. In Niedersachsen stirbt ein Mann in seinem Auto.

Sturmböen deckten im Kreis Harburg Dächer ab und stürzten Bäume um. Dabei wurde eine Schafherde unter Bäumen begraben, viele Tiere verendeten. Die Feuerwehr musste dort zu 250 Einsätzen ausrücken, erklärte ein Sprecher. Die dunkle Wolkenwalze zog auch über Lübeck sowie die Kreise Segeberg, Ostholstein, Stormarn und den Kreis Herzogtum Lauenburg.

In Lübeck musste die Feuerwehr nicht ausrücken, im Kreis Segeberg fuhr sie 19 Einsätze – meist wegen umgestürzter Bäume. In eine Gartenlaube in Norderstedt schlug ein Blitz ein.

Mehr Einsätze gab es in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg: Bis zum Nachmittag mussten die Feuerwehren 110-mal ausrücken, erklärte Jan Osper von der Integrierten Regionalleitstelle Süd in Bad Oldesloe. Unter anderem waren in Bad Oldesloe zwei Straßen durch den Starkregen überflutet worden. In Delingsdorf bei Ahrensburg fiel eine große Kastanie auf ein Haus. In Mölln wurde das Wellblechdach eines Fitnessstudios abgedeckt. Im Westen Mecklenburg-Vorpommerns richtete die Unwetterfront kaum Schäden an, sagte eine Feuerwehr-Sprecherin.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Leserbilder von dem Unwetter zu sehen, dass im Juni 2017 über Lübeck und die Region zog.

Vor allem Niedersachsen und Hamburg waren vom heftigen Sturm und den starken Regenfällen betroffen. In Holdenstadt bei Uelzen starb ein 50-jähriger Mann. Er wurde im Auto von einer herabstürzenden Eiche erschlagen. Ganz in der Nähe wurde eine Radfahrerin ebenfalls von einem umkippenden Stamm schwer verletzt. Im Kreis Gifhorn starb eine 83 Jahre alte Frau, nachdem sie mit ihrem Auto durch das Geäst eines umgestürzten Baumes gefahren war.

Das Unwetter habe sich über Helgoland zusammengebraut, sagte DWD-Meteorologin Julia Schmidt. Dort wurden rund 120 Stundenkilometer schnelle Orkanböen gemessen. „Der Niederschlag lag jedoch nicht im Unwetter-Bereich“, sagte Schmidt. Lediglich in der Messstation Königsmoor zwischen Hamburg und Bremen fielen 22 Liter Regen pro Stunde pro Quadratmeter.

Glück hatten die anreisenden Besucher des Rockfestivals „Hurricane“ in Scheeßel. Zwar mussten sie sich aufgrund des Unwetters kurzzeitig in ihre Autos flüchten, am Nachmittag durften sie jedoch wieder aufs Festivalgelände.

Das Festival in Scheeßel war am Donnerstag wegen des Unwetters nicht mehr mit der Bahn zu erreichen.

Auf den Autobahnen in Niedersachsen gab es Behinderungen auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover, dort warnte die Verkehrsmanagementzentrale vor Gefahr durch umgestürzte Bäume zwischen Evendorf und Bispingen. Ein Baum bremste auch den Verkehr auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen bei Hollenstedt aus.

Für die kommenden Tage gibt der Deutsche Wetterdienst Entwarnung. Unwetterartige Gewitter seien vorerst nicht mehr zu erwarten, sagte Julia Schmidt.

Jan Dresing