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Panorama Der verschwundene Star: Fan Bingbing
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21:01 13.09.2018
Noch im Mai 2018 zeigte sich die chinesische Schauspielerin bei den Filmfestspielen in Cannes auf dem roten Teppich. Quelle: Foto: Julie Edwards/LFI/Avalon/dpa
Hannover/Peking

Sie ist wohlhabend, schön und berühmt, jeder im Reich der Mitte kennt sie. Als chinesische Schauspielerin verdient Fan Bingbing oft mehr Geld als ihre US-Kolleginnen aus Hollywood. 2017 soll sie umgerechnet 45 Millionen Dollar eingenommen haben, die Forbes-Liste der bestverdienenden chinesischen Berühmtheiten führt sie seit Jahren an.

Hierzulande ist die 36-Jährige wenig bekannt – und wenn, dann aus kleineren Auftritte in „X-Men“ und „Iron Man 3“ oder als Jurymitglied der Filmfestspiele in Cannes. In ihrem Heimatland dagegen folgen ihr mehr als 60 Millionen Menschen auf Weibo, Chinas Gegenstück zu Twitter. Doch Fans Fans haben schon lange nichts mehr von ihrem Star gehört oder gesehen.

Letzte Nachricht von Fan Bingbing aus dem Juni

Fan Bingbing ist verschwunden. Ihren Followern hat sie seit Anfang Juni keine Nachrichten mehr geschickt, am 1. Juli wurde sie zuletzt in der Öffentlichkeit gesehen, als sie ein Kinderkrankenhaus besucht hat. Auch ihr Verlobter, der Schauspieler Li Chen, taucht zuletzt Anfang Juli in sozialen Netzwerken auf.

Seitdem machen Gerüchte die Runde. Es gibt Spekulationen, dass Fan Bingbing von der chinesischen Regierung wegen angeblicher Steuerhinterziehung festgehalten wird. Der „Hollywood-Reporter“ will sie gar in Los Angeles gesichtet haben. Nichts davon ist bestätigt. In der vergangenen Woche berichtete Chinas staatliche Zeitung „Securities Daily“, dass Fan „unter Kontrolle sei und die rechtliche Entscheidung akzeptieren werde“. Der Artikel sei allerdings wenige Stunden nach der Veröffentlichung wieder vom Netz genommen worden, berichtet „Taiwan News“.

Thema in China: Fan Bingbings Steuererklärung

In China redet man derzeit viel über Bingbings Steuererklärung. Im Mai hatte der bekannte Fernsehmoderator Cui Yongyuan online Dokumente veröffentlicht, mit denen er die Steuerhinterziehung in der TV-und Filmbranche anprangerte. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Praxis der sogenannten Yin-Yang-Verträge: Offenbar war es in China in den vergangenen Jahren üblich, dass Stars mit den Filmstudios hohe Gagen aushandelten – gleichzeitig fürs Steueramt aber einen zweiten Vertrag aufsetzten, in dem nur ein Bruchteil der Summe angegeben wurde.

Als Musterbeispiel publizierte der Moderator einen Vertrag der Schauspielerin Bingbing. Danach hätte sie in einem Fall 60 Millionen Yuan (7,5 Millionen Euro) bezahlt bekommen, davon aber nur 10 Millionen (1,26 Millionen Euro) versteuert. Das Studio bestritt die Vorwürfe, die chinesische „Volkszeitung“ nannte den Fall nur die „Spitze des Eisbergs“.

Chinesische Regierung will Gehälter der Stars einschränken

Die Offenlegung der Vertragspraxis folgt ausgerechnet auf Bemühungen der chinesischen Regierung, das hohe Gehalt der Stars einzuschränken. Im vergangenen Jahr wurden Regelungen eingeführt, nach denen die Gehälter von Darstellern nicht höher als 40 Prozent der Produktionskosten sein dürften. Und so wurde Fan Bingbing quasi über Nacht zum bekanntesten Gesicht einer profitgierigen Branche.

Vor Kurzem berichteten Medien über ein bemerkenswertes Ranking: Wissenschaftler der Pädagogischen Universität in Peking listeten chinesische Prominente danach auf, wie sie ihrer „gesellschaftlichen Verantwortung“ gerecht würden. Untersucht wurde nach drei Kriterien — professionelle Arbeit, gemeinnützige Arbeit und Integrität — basierend auf Medienberichten. Fan Bingbing landete mit einer Bewertung von null Prozent auf dem letzten Platz. Dabei war die erfolgreiche Schauspielerin in ihrem Land lange wohlgelitten. Um ein guter Schauspieler zu sein, so Bingbing, müsse man zuerst ein guter Mensch sein und gesetzestreu leben. Das sagte sie in einer Rede anlässlich eines Ethikkodexes, den die Film- und Rundfunkzensurbehörde vor drei Jahren einführte.

Von Heike Manssen

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